Auch diese Gruppe wird dabei Pioniertaten vollbringen – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn Mediziner und Wissenschaftler von Eurac Research in Bozen erhoffen sich von der Frauengruppe eine Reihe von Erkenntnissen für die Geschlechtermedizin, außerdem gehe von der Expedition ein gesellschaftspolitisches Signal aus.<BR /><BR />Eine Gruppe von 8 Alpinistinnen – 4 aus Italien und 4 weitere aus Pakistan – wird im Sommer den Gipfel des 8611 Meter hohen K2 anpeilen. Am 15. Juni wird die Expeditionsgruppe in den Flieger nach Pakistan steigen, die Ankunft der 8 Bergsteigerinnen und einer begleitenden Höhenmedizinerin im K2-Basislager ist für die zweite Julihälfte vorgesehen. <BR /><BR />Bevor der zweithöchste Gipfel der Welt bestiegen werden kann, sind mehrere Wochen an Akklimatisierung erforderlich. Das ist der rein alpinistische Teil des ambitionierten Projekts, das vom italienischen Alpenverein CAI anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der italienischen K2-Erstbesteigung organisiert wird.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009784_image" /></div> <BR /><BR />Der andere Teil betrifft die wissenschaftliche Begleitung der Karakorum-Expedition. Die Bergsteigerinnen werden im Extremklima-Simulator terraXcube von Eurac Research in Bozen einer Reihe von Tests unterzogen, um Erkenntnisse über die Auswirkungen von Belastungen in extremen Höhenlagen auf den weiblichen Körper zu gewinnen. Die Gruppendynamik wurde bereits in der vergangenen Woche am Mont Blanc getestet, schon am Samstag (23. März) gab es im Xcube den ersten Testlauf auf simulierten 5000 Höhenmetern.<h3> Immer mehr Frauen beim Höhenbergsteigen</h3>„Derartige wissenschaftliche Daten gibt es fast nur über Männer, umso wichtiger ist es, Erkenntnisse über die Physiologie der Frau in diesen Höhen zu gewinnen“, erklärte bei der gestrigen Vorstellung des Projekts Giacomo Strapazzon, Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin von Eurac Research. <BR /><BR />In Sachen Gendermedizin hat sich letzthin so einiges getan, nun schwappt das Bestreben vom geschlechterspezifischen Ansatz in Medizin und Gesundheit auch auf den Alpinismus über. Höchste Zeit, wenn man bedenkt, dass längst sehr viele Frauen dem Höhenbergsteigen frönen und mittlerweile der Frauenanteil am Everest Basislager auf über 5000 Meter Höhe die 50-Prozent-Marke geknackt hat. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009787_image" /></div> <BR /><BR />„Es geht hier um grundlegende medizinische Fragen wie den Stoffwechsel oder die Auswirkung von Hormonen auf die Leistungsfähigkeit und die Phase der Akklimatisierung“, sagt Hannes Gatterer, stellvertretender Leiter des besagten Eurac-Instituts. So geht man davon aus, dass weibliche Hormone die Atmung stimulieren, was in diesen sauerstoffarmen Gefilden von Vorteil wäre.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009790_image" /></div> <BR /><BR />Bereits 10 Tage nach dem Gipfelsturm in Pakistan unterziehen sich die 8 Bergsteigerinnen weiteren Tests im Bozner Extremklima-Simulator. Im noch akklimatisierten Zustand will man untersuchen, wie ihre Körper auf die Höhenlage des K2 oder jene des Mount Everest im Labor reagieren. „Das ist eine sehr spannende Sache, denn diese Kombination aus Feld- und Kammerstudie ist einmalig“, erklärt der Ideator des terraXcube Dr. Hermann Brugger. Der italienische Alpinist Agostino Da Polenza hob die Beteiligung von 4 pakistanischen Bergsteigerinnen hervor, denn so ein Vorhaben sei in Pakistan auch als gesellschaftspolitisches Signal zu verstehen. <BR /><BR />Bei der Vorstellung waren auch die beiden beteiligten Alpinistinnen Silvia Loreggian und Anna Torretta, die zuständige Expeditionsärztin Lorenza Pratali, Luigi Vanoni vom CAI sowie die Projektkoordinatorin Annalisa Cogo anwesend.<BR />