1028 Südtirolerinnen und Südtiroler wurden im Sommer 2023 dazu befragt, welche Gefühle und Einstellungen sie mit der Klimakrise und den derzeitigen Bewältigungsstrategien verbinden. Es sind vor allem negative Emotionen, etwa Besorgnis und Angst, aber auch Frustration und Machtlosigkeit, die dabei am häufigsten genannt wurden. Es ist die erste Studie, die das Phänomen Klimaangst für Südtirol untersucht.<BR /><BR />„Die Studienergebnisse zeigen: Es geht nicht mehr um die Frage, ob es den Klimawandel überhaupt gibt oder ob dieser menschengemacht ist. Es geht darum, wie wir gesellschaftlich und politisch damit umgehen sollen“, unterstreicht Felix Windegger, Sozioökonom am Center for Advanced Studies von Eurac Research. Er ist einer der Autoren der Studie, die gestern in Bozen vorgestellt wurde. <BR /><BR /><embed id="dtext86-65158128_quote" /><BR /><BR />80 Prozent der Befragten blicken mit Sorge auf den Klimawandel und seine Folgen. Vor allem Trockenheit und Wassermangel sowie Starkregen und Überschwemmungen wurden im Zuge der Umfrage als besonders besorgniserregend hervorgehoben. 70 Prozent gaben an, dass ihnen die möglichen Folgen des Klimawandels Angst machen und knapp 40 Prozent der Südtirolerinnen und Südtiroler sind mit Schuldgefühlen konfrontiert, weil sie das Gefühl haben, sie könnten oder sollten mehr für den Klimaschutz tun. <BR /><BR />„Was heraussticht, ist eine gewisse Klimamüdigkeit“, betont Windegger. „Ein Teil der Südtiroler Bevölkerung scheint negativen Meldungen zum Klimawandel überdrüssig zu sein.“ <h3> Viele wünschen sich schnelleres Handeln</h3>Was nicht bedeute, dass sie sich nicht ein schnelleres Handeln in Klimafragen wünschen würden. Immerhin 56 Prozent gaben an, dass sie demokratische Verfahren (zumindest in Ausnahmefällen) vorübergehend aufheben würden, um im Klimaschutz schneller voranzukommen. Nur ein Drittel spricht sich in jedem Fall dagegen aus. <BR /><BR />„Diese Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung wenig Vertrauen in die Politik hat, den rasanten Veränderungen durch den Klimawandel bewusst und rechtzeitig entgegenzutreten. Das kann auch damit zusammenhängen, dass die Warnungen zunehmen, bei konkreten Maßnahmen aber wieder zurückgerudert wird“, betont Christoph Kircher, Soziologe am Center for Advanced Studies, ebenfalls Autor der Studie. „Ein weiterer Faktor können fehlende partizipative Möglichkeiten sein“, sagt Windegger. „Die Bürgerinnen und Bürger sind kaum in Entscheidungsprozesse involviert. Wenn hinter verschlossenen Türen diskutiert wird, aber keine Maßnahmen folgen, kann der Eindruck entstehen, dass das System zu langsam ist, um schnell genug zu reagieren.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1038918_image" /></div> <BR /><BR />Nur 28 Prozent sind mit den derzeitigen Bemühungen zur Eindämmung der Klimakrise zufrieden. Ein wesentlich größerer Teil gibt an, sich machtlos (67 Prozent) oder frustriert (48 Prozent) zu fühlen. Hoffnungsvoll auf die Bemühungen blicken 51 Prozent, während sich die Angaben zur Wut mit 31 Prozent in Grenzen halten. <h3> Wer die Kosten für die Folgen tragen soll</h3>Erhoben wurde auch das Bewusstsein der Bevölkerung im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit in klimapolitischen Fragen. 60 Prozent nehmen an, dass die Menschen ungleich von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden. <BR /><BR />Was die Kosten für die Eindämmung des Klimawandels angeht, so geben 47 Prozent der Befragten an, dass nach dem Verursacherprinzip jene verantwortlich sein sollten, die auch am meisten zur Problematik beitragen.