Ablenkung ist beim Autofahren nachweislich neben Alkohol die häufigste Unfallursache. Doch viele Autofahrer unterschätzen die Gefahr. Allein das Antworten am Handy lenkt den Blick für Sekunden von der Straße ab. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h braucht man aber nur zwei Sekunden, um rund 30 Meter zurückzulegen. Wenn man während dieser Zeit also nicht auf die Straße schaut, ist es so, als würde man mit verbundenen Augen fahren. <BR /><BR />Noch krasser ist es auf der Autobahn: Legt man bei zulässiger Höchstgeschwindigkeit gut 36 Meter pro Sekunde zurück, dann entsprechen nur drei Sekunden der Ablenkung ganzen 108 Metern – das ist die Länge eines Fußballfeldes. So verwundert es nicht, dass gerade bei Auffahrunfällen, die bei hohen Geschwindigkeiten meist tödlich sind oder zumindest mit schweren Verletzungen enden, oft das Handy im Spiel ist.<BR /><BR />651 Verkehrsunfälle haben sich heuer bis 31. Oktober auf der Brennerautobahn ereignet, im Vorjahr waren es noch 844. 299 Personen wurden heuer bei Unfällen verletzt, im Jahr 2024 waren es 466. Die Unfallanzahl ist also gesunken, ebenso die Anzahl der dabei verletzten Personen.<h3> Hohe Standards</h3>„Seit vielen Jahren setzen wird auf die neuesten technologischen Standards, um Unfälle zu vermeiden oder – wenn sie doch geschehen – ihre Folgen so gering wie möglich zu halten“, sagt A22-Präsident Hartmann Reichhalter. <BR /><BR />Beispielsweise seien die Seiten- und Mittelleitplanken so konzipiert, dass sie verhindern, dass ein Fahrzeug – auch Lkw – auf die Gegenfahrbahn durchbrechen kann. „Zugleich verwenden wir für die Leitplanken Stahl verschiedener Härtegrade, die im Verbund so abgestimmt sind, dass ein Aufprall nicht zu hart ist, weil dadurch das Verletzungsrisiko steigt. Diese Leitplanken wurden nicht nur von uns selbst entwickelt, sondern auch für die Brennerautobahn patentiert“, so Reichhalter. <BR /><BR />Auch auf den Bodenbelag hat man bei der A22 ein besonderes Augenmerk. <BR /> „Ein guter Asphalt reduziert den Bremsweg und erschwert das Schleudern von Fahrzeugen“, weiß Reichhalter. Der Zustand des Asphaltes werde deshalb laufend abschnittsweise überprüft und, sobald er die Qualitätsstandards nicht mehr erreicht, erneuert. <BR /><BR />Trotz all dieser Bemühungen ist die heurige Bilanz der tödlichen Unfälle traurig: Während im Jahr 2023 nur fünf Todesopfer auf der Brennerautobahn zu beklagen waren, und 2024 neun, waren es heuer bereits 14, und das Jahr ist noch nicht zu Ende. Eine „Palette von Schicksalsschlägen“, sagt Reichhalter. Zu denken gibt, dass bei gar einigen Unfällen ein Handy im Fußraum des Fahrzeuges unter dem Gaspedal gefunden worden sein soll, was darauf hindeutet, dass der Lenker während der Fahrt auch nur einen kurzen Blick darauf geworfen haben dürfte – Sekunden mit fatalen Folgen. <h3> Harte Strafen</h3>Nicht ohne Grund wurde erst heuer die Straßenverkehrsordnung in Bezug auf den Handymissbrauch am Steuer verschärft. Die Strafen reichen von einer Geldbuße zwischen 250 und 1.000 Euro, einem Abzug von 5 Führerscheinpunkten und sofortiger Aussetzung der Fahrerlaubnis für 15 Tage bis zu einem Monat beim ersten Verstoß. <BR /><BR />Bei Wiederholung innerhalb von zwei Jahren steigt die Geldbuße auf 350 bis 1.400 Euro, mit einem Abzug von 10 Punkten und Aussetzung der Fahrerlaubnis für ein bis drei Monate.