Samstag, 02. Februar 2019

A22: „Mangelnder Respekt hat Chaos verursacht“

Eigentlich war alles gut vorbereitet: Die Aufmerksamkeitsstufe „Alfa“ war ausgerufen, man wusste, dass der Schnee kommen würde und hatte für die Brennerautobahn sowohl Räumfahrzeuge als auch genügend Personal in Bereitschaft gestellt. Das Chaos auf der Autobahn sei vor allem auf die Nichtbeachtung der Regeln von Seiten der Lkw-Fahrer zurückzuführen, heißt es am Samstag von der Brennerautobahn AG.

Foto: Ansa
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Foto: Ansa

Beflügelt von der Hoffnung, noch vor dem österreichischen Lkw-Fahrverbot am Wochenende die Grenze zu passieren, fuhren zahlreiche Lkw am Freitagabend auf die Brennerautobahn auf, obwohl der Schneefall seit 15 Uhr immer stärker geworden war.

Kleine Unfälle endeten im großen Chaos

Auch, so heißt es in einer Aussendung der Brennerautobahn AG, waren zahlreiche Motorradfahrer trotz des starken Schneefalls unterwegs, auf dem Weg zu einem Bikertreffen in Bayern. Auf den schneenassen Straßen kam es so trotz langsamer Fahrgeschwindigkeiten immer wieder zu glimpflichen Unfällen, die die Lkw-Fahrer zwangen, anzuhalten oder auszuweichen. 

Ein erneutes Losfahren war auf der steigenden Fahrbahn nur erschwert möglich, auch, weil viele Lkw weder Winterreifen noch die notwendige Winterausrüstung dabei hatten, und so kam es, dass viele Lkw stecken blieben. Beim Versuch, diese verbotenerweise zu überholen, blieben in Folge weitere Lkw auf der Überholspur stecken - und versperrten so die ganze Fahrbahn

Weder Pkws noch Räumfahrzeuge hatten nun die Möglichkeit, an den hängengebliebenen Lkws vorbeizukommen.

Obligatorische Ausfahrten eingerichtet

Bereits am Freitagabend gegen 20.40 Uhr wurde eine obligatorische Ausfahrt bei Brixen in Richtung Norden eingerichtet, ebenso etwas später in Richtung Süden für den vom Brenner kommenden Verkehr und gegen 21.30 Uhr bei Klausen für den Leichtverkehr in  Richtung Brenner.

Bereits gegen 22.40 Uhr übernahm der Zivilschutz des Weißen Kreuzes eine erste Versorgung der Lkw- und Pkw-Fahrer. Schon in der Nacht arbeitete man hart daran, die hängengebliebenen Fahrzeuge zu bergen, um ein Weiterkommen zu garantieren. Gegen 4.40 Uhr wurde schließlich bei Trient Nord die obligatorische Ausfahrt für Schwertransporter über 7,5 Tonnen Gewicht aktiv - mittlerweile hatte sich bereits rund 1 Meter Neuschnee gesammelt.

Nicht einfacher wurde die Situation, nachdem kurz nach 10 Uhr am Samstag eine Lawine in der Nähe des Brenners auf beide Fahrbahnen der A22 abging. Glücklicherweise waren diese bereits gesperrt worden, kein Fahrzeug wurde verschüttet. Gegen 13 Uhr konnten die betroffenen Fahrbahnen weitgehend geräumt und der Verkehr wieder aufgenommen werden.

A22: „Es schien, als ob die Lkw-Fahrer absichtlich die Überholspur blockierten“

Obwohl alles getan wurde, um die Fahrbahnen zwischen Klausen und Brixen zu räumen und den Verkehrsfluss zu gewährleisten, gab es immer wieder Lkw-Fahrer, die nicht nur das Überholverbot ignorierten, sondern in mehreren Fällen sogar absichtlich auf der Überholspur stehen blieben und gemächlich ihre Schneeketten montierten: „Es schien, als wollten sie absichtlich den Verkehr lahmlegen und die Pkw-Fahrer davon abhalten, an ihnen vorbeizufahren“, heißt es in der Aussendung der A22.

Am Abend beruhigte sich die Situation auf der A22 langsam (STOL hat berichtet). Die Vorkommnisse am Samstag nahm die Brennerautobahn AG zum Anlass, erneut auf das Überholverbot der Lkw hinzuweisen, sowie auf die Pflicht, Winterausrüstung auf der A22 dabei zu haben. Außerdem sei es immer ratsam, sich vor dem Reisebeginn über die Wetterverhältnisse zu erkundigen.

stol/liz

stol