Mittwoch, 27. März 2019

A22: Millionenschwerer Betrug an Raststätten in ganz Italien

Die Finanzwache und Straßenpolizei haben ein Unternehmen ausgeforscht, das dem Staat bei einem italienweiten Betrugssysstem über eine Million Euro hinterzogen hat. Die Firma mit Sitz in Kampanien betrieb mehrere Raststätten entlang der A22.

Über eine Million Euro haben die Betrüger dem Staat hinterzogen. - Foto: Finanzwache Trient
Über eine Million Euro haben die Betrüger dem Staat hinterzogen. - Foto: Finanzwache Trient

125 Beamten der Finanzwache und 30 Polizisten war aus dem Trentino-Südtirol und dem Belluno bei der italienweiten Operation „Tarantella“ beteiligt: Dabei wurden 50 Durchsuchungen in den Regionen Trient-Südtirol, Venetien, Lombardei, Emilia-Romagna, Toskana, Latium und Kampanien ausgeführt.

Dabei kamen sie einem ausgeklügelten Betrug gegen die Autobahn-Gesellschaft A22 in Millionenhöhe auf die Spur.

Die ersten Hinweise auf den Betrug lieferte die Straßenpolizei von Trient, die über mögliche Steuerhinterziehungen bei Raststätten entlang der Autobahn informiert waren. Zusammen mit der Finanzwache von Trient nahmen sie im August des vergangenen Jahres die Ermittlungen auf. Anfangs nur in Trient.

Führungsspitze des Unternehmens in Kampanien 

Im Zuge der Ermittlungen stießen die Beamten auf ein Betrugssystem, das von einem Privatunternehmen, das mehrere Raststätten entlang der A22 betreibt, ausging. Der Sitz des Unternehmens liegt in der süditalienischen Region Kampanien. Das Unternehmen unterließ es, der Autobahngesellschaft die Fixkosten zu zahlen, die vertraglich zwischen A22 und den Unternehmen geregelt waren.

Das Unternehmen hätte verschiedene Prozentanteile der Einnahmen an die A22 abgeben müssen, je nach Produkt, das verkauft wurde: 5 Prozent bei lokalen Produkten und 49 Prozent bei anderen Produkten.

Um diese sogenannten Royalty (Abgaben) zu umgehen, hatte das betrügerische Unternehmen einige Maschen. War gerade viel Kundenverkehr, unterließen sie es systematisch, Kassenbelege auszustellen. Außerdem wurden viele Produkte fälschlicherweise als „lokale Produkte“ eingestuft, um den niedrigen Royalty-Satz von 5 Prozent zu zahlen. Manchmal wurden die Produkte als solche eingestuft, auf die die A22 keine Abgaben verlangt – nämlich CD, Bücher und Zeitschriften.

2 Beamten bei ihren Ermittlungsarbeiten. - Foto: Finanzwache Treint

Kassen umprogrammiert, um Kassenbelege zu modifizieren

Für den Betrug wurden die Software-Programme der Kassen umprogrammiert, um die Produkte auf dem Kassenbeleg falsch einzustufen.

Die Führungskräfte des Unternehmens aus Kampanien waren informiert, wann Angestellte der A22 Kontrollen durchführten: Mit Codenamen teilten sie ihren Mitarbeitern mit, wann Kassenbelege ausgestellt werden mussten („rotes Licht“) und wann dies so oft wie möglich unterlassen werden konnte („grünes Licht“).

Im Zuge der Ermittlungen wurde auch die Wirtschaftsberaterin des Unternehmens, die in Avellino in Kampanien arbeitet, ins Visier genommen.

Auch Krankenhäuser betroffen

Die Betrüger betrieben nicht nur Filialen entlang der A22, sondern auch Ausschänke in öffentlichen Krankenhäusern, wie etwa im Krankenhaus „Santa Chiara“ in Trient.

12 Personen werden für Steuerhinterziehung, schwerem Betrug gegen den Staat, Korruption und Geldwäsche verantwortlich gemacht. Sie haben 1,1 Millionen Euro durch die illegalen Machenschaften hinterzogen.

stol/ape

stol