Samstag, 02. April 2016

Ab Montag gibt's das grüne Rezept für Ärzte, dann Patienten

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Arzt - und der kann Ihnen nichts verschreiben, kein Medikament, keine Röntgenuntersuchung. Was absurd klingt, ist gar nicht so weit hergeholt. Weil die klassischen, roten Rezeptblöcke nicht nachgeliefert werden, muss Südtirol schauen, wo es bleibt. Um einen Kollaps des Systems zu verhindern, gibt es nun - nur hierzulande gültige - grüne Landesrezeptblöcke. Und deren Einsatz ist streng reglementiert.

So sieht der Landesrezeptblock aus, der am Montag verteilt und ab 11. April im Einsatz sein wird.
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So sieht der Landesrezeptblock aus, der am Montag verteilt und ab 11. April im Einsatz sein wird.

Die italienische Staatsdruckerei in Foggia ist mit der Lieferung der roten Rezeptblöcke für die Verschreibung von Leistungen und Medikamenten mittlerweile zwei Monate in Verzug (STOL hat berichtet). Der Engpass und das stete Hoffen und Bangen, ob die bestellten Papiere nicht doch geliefert werden, ist mühsam und reibt auch im Südtiroler Sanitätsbetrieb seit Monaten die Nerven auf. 

Die grüne Alternative ab Montag

Um nicht gänzlich auf dem Trockenen zu sitzen, hat Südtirol nun seine eigene Alternative geschaffen - ganz in grün. Ab 4. April, sprich Montag, können die verschreibenden Ätzte die grünen Landesrezeptblöcke an 11 Ausgabestellen im ganzen Land abholen. Und das möglichst innerhalb 8. April, drängt der Sanitätsbetrieb in einem Schreiben.

Ab 11. April darf dann nun noch der grüne Landesrezeptblock verwendet werden - und zwar für die Verschreibung von nicht registrierungspflichtigen Leistungen, wie programmierte Krankentransporte, Heilbehelfe, Diätprodukte und ähnliches; Transportscheine und dergleichen sind nicht mehr gestattet. Will heißen, dass es derweilen für die klassischen Leistungen, wie Facharztvisiten, Laboruntersuchungen, Medikamente, Kuren und stationäre Aufnahmen- also alles, was nach Rom gemeldet werden muss - nach wie vor den roten, staatlichen Block braucht. 

Gerangel um die restlichen roten Blöcke

Dabei werden die Ärzte dazu angehalten, zuerst alle alten, roten, aus vorangegangenen Jahren stammenden Blöcke aufzubrauchen, soweit sie noch im Besitz solcher sind. Denn die Bestände in den Lagern gehen langsam dem Ende zu. So darf jeder bedienstete Arzt maximal 2 neue rote Rezeptblöcke und jeder freie Haus- und Kinderarzt maximal 5 neue rote Blöcke pro Monat erhalten. 

Nur mehr weißes Papier für die "Ausländer"

Delikates Detail: Die grünen Blöcke dürfen nur für in Südtirol ansässige und im hiesigen Sanitätsbetrieb gemeldeten Personen verwendet werden. Für alle Leistungen an nicht hierzulande Ansässige muss der nationale Block eingesetzt werden - und falls dieser ausgeht und keine digitale Verschreibung möglich ist - eine Verschreibung auf weißem Vordruck/Papier erfolgen. 

"Im Interesse der Bürger wollen wir diese schwierige Situation so gut wie möglich überbrücken", reagierte Generaldirektor Thomas Schael auf den Engpass. 
Noch ist nicht klar, ob und wann neugedruckte, rote Rezeptblöcke geliefert werden und wieder zum Einsatz kommen. Eine entsprechende Mitteilung soll zeitnah erfolgen. 

Wo bleibt das digitale Rezept (STOL hat berichtet)?

Als Plan B gilt die Einführung der digitalen Verschreibung, die nun massiv vorangetrieben werden soll. Das so genannte „digitale Rezept“ (ricetta dematerializzata) übermittelt Informationen über Medikamente oder fachärztliche Leistungen in Echtzeit an Apotheken, konventionierte Leistungerbringer, interne Abteilungen und Strukturen des Sanitätsbetriebes, an die Fachärzte und – wenn vorgesehen – ebenso an das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen. 

Die Arbeiten für dieses Großprojekt sollen im Südtiroler Sanitätsbetrieb in den nächsten Monaten abgeschlossen sein, heißt es einmal mehr. Die Anbindung der Apotheken, Ärzte für Allgemeinmedizin und der Kinderärzte soll bis 1. August erfolgen, so der Plan. Bleibt zu hoffen, dass der Sanitätsbetrieb sich - anders als die Staatsdruckereien - an die anberaumten Zeiten hält. 

stol/ker

stol