Der Wirkstoff, der den Appetit bremst, ist in einem Vorgänger-Medikament enthalten, das auch in Südtirol bereits eingesetzt wird. Welchen Vorteil kann die Spritze bringen – und für wen?<BR /><BR />Eines gleich vorneweg: Noch ist das Medikament mit dem Namen Wegovy in Italien und damit auch in Südtirol noch nicht auf dem Markt. In Deutschland beispielsweise ist es seit dem 15. Juli vergangenen Jahres zu haben und es wird auch nach Südtirol kommen. <BR /><BR />Es beruht auf dem selben Wirkstoff, wie das bereits seit einiger Zeit verfügbare „Ozempic“, das allerdings eigentlich ein Medikament für Diabetiker ist. Beide beruhen sie auf dem Wirkstoff Semaglutid, das als Appetitzügler fungiert. Effektiver als ihr Vorgänger-Medikament ist die neue Spritze ausdrücklich als Mittel gegen starkes Übergewicht gedacht. <h3> Für übergewichtige Patienten</h3>Aber auch das „Vorgängermedikament“ wird in Südtirol schon seit längerem auch für übergewichtige Patienten genutzt. „Wir verschreiben es als zusätzliche Hilfe für Personen, die aus gesundheitlichen Gründen erheblich Gewicht abnehmen müssen/sollen. Das müssen schon mehr als nur 5 oder auch 10 Kilo sein, denn die schafft man gut ohne Hilfsmittel“, erklärt Primar Dr. Michael Kob. <BR /><BR />Und, darauf legt er Wert, das Medikament wird nie ohne eine begleitende Ernährungsberatung und/oder Verhaltenstherapie verschrieben. „Es ist zudem auch nicht ganz billig und vom Patienten zu 100 Prozent selber zu bezahlen. Es muss täglich gespritzt werden und die Kosten dafür liegen aktuell bei 280 Euro im Monat“, so Dr. Kob. Erhältlich ist es ausschließlich auf Rezept – und das wird auch bei der neuen „Wunderspritze“, die effektiver und nur mehr einmal wöchentlich gesetzt werden muss, der Fall sein. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62960097_quote" /><BR /><BR /><BR />Die Risiken des Medikamentes, so der Facharzt, seien überschaubar. Aber ohne Nebenwirkungen ist es nicht, und auch die neue Spritze kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Sodbrennen, Bauchkrämpfen, Durchfall bis hin zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse führen. „Die Herzfrequenz kann ebenso ansteigen wie der Blutdruck“, weiß Dr. Kob. Und schon deswegen muss mit einem Arzt über die Verabreichung geredet werden. <BR /><BR />Den aktuellen Hype um die neue Spritze sieht er mit Skepsis: „Das Wort Fluch ist zwar übertrieben, aber es birgt schon die Gefahr, dass Personen, die zwar ein wenig abnehmen wollen, aber das eben ohne auf die Chips auf der Couch vor dem Fernseher zu verzichten, einfach lieber zur Spritze greifen würden.“ <BR /><BR />Für den Arzt keine gute Idee. „Wenn wir Ärzte zu einer gesunden Ernährung und körperlicher Betätigung raten, dann nicht nur wegen des (Über-)Gewichtes, sondern weil beides sehr vielen Krankheiten vorzubeugen hilft. Gesunde Ernährung und Bewegung, sei es auch nur eine halbe Stunde spazieren gehen, bringen Vorteile für die Blutfettwerte, für die Versorgung des Gehirns, beugen verschiedensten Krebsarten vor und vieles mehr. Diese Vorteile bringt die Spritze alleine nicht mit sich“, mahnt er.<BR /><BR />DAS SAGT DIE EXPERTIN<BR /><BR />Raffaela Vanzetta, Leiterin der Fachstelle Essstörungen INFES<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="983989_image" /></div> <BR /><BR /><b>Machen Sie sich Sorgen, dass mit der neuen Abnehmspritze der Schlankheitswahn weiter angefacht wird?</b><BR />Raffaela Vanzetta: Ob das den Körperkult verstärken wird, darauf habe ich noch keine eindeutige Antwort. Aber die Gefahr besteht sicher, dass Personen diese Spritze wollen, die sie gar nicht nötig haben. <BR /><BR /><b>Also Fluch statt Segen?</b><BR />Vanzetta: Nein, so würde ich das nicht sehen. Denn für die Weltgesundheit und den einzelnen Betroffenen ist Adipositas ein massives Problem. Den Betroffenen fehlt es nicht einfach an Willenskraft, es gibt Störungen, die Hunger- und Sättigungsgefühl völlig durcheinanderbringen. Es ist gut, dass Medikamente da helfen. Aber das gilt nur für wirklich adipöse Patienten.