„Die Großmarkthalle steht vor dem Aus“ titelte das Tagblatt „Dolomiten im April 2016 zu Plänen der Stadtgemeinde Bozen, das Areal für andere Zwecke zu verwenden. Zehn Jahre später steht die Großmarkthalle immer noch. Jetzt wagt man einen neuen Anlauf: Der Abriss des ersten Gebäudes wurde am Donnerstag vom Stadtrat beschlossen.<BR /><BR />„Wir haben beschlossen, dass das mittlere Gebäude zuerst abgerissen wird“, erklärte Vizebürgermeister Stephan Konder am Donnerstag nach der Sitzung des Stadtrats. Dieses Gebäude stamme aus den 1950er-Jahren und weise ein „umfangreiches Rissbild“ auf. <BR /><BR />„Bei der letzten statischen Bewertung aus dem Jahr 2025 wurden einige Risse an überwiegend nichttragenden Bauteilen sowie deutliche Probleme mit Wassereintritt und Feuchtigkeit an mehreren Punkten des Daches festgestellt“, berichtete Konder. Hinzu kämen die mittlerweile deutlich strengeren Vorschriften, insbesondere im Bereich des Brandschutzes.<BR />Die derzeit dort befindlichen Betriebe verfügten über keine dauerhafte Nutzungsberechtigung und seien bereits vorab von den Plänen der Gemeinde informiert worden. <BR /><BR />„Der Abriss des ersten Gebäudes soll entweder noch im Herbst oder spätestens im Frühjahr 2027 beginnen“, meinte der Vizebürgermeister. Die Kosten für die Abrissarbeiten liegen bei ungefähr 240.000 Euro. Durch Landesbeiträge könnte diese Summe jedoch um bis zu 90 Prozent gedeckt werden.<BR /><BR />Anschließend soll der schrittweise Abriss der restlichen sieben Gebäude auf dem Areal erfolgen, das der Gemeinde Bozen gehört. Viele der Betriebe, die an diesem Standort vertreten waren, haben bereits anderweitig eine neue Verkaufsfläche gefunden und sind umgezogen. „Die restlichen Betroffenen wissen bereits seit ein paar Monaten, dass ihnen ihre Genehmigung im kommenden Jahr entzogen wird“, unterstrich der Vizebürgermeister. Die Großmarkthalle wurde im Jahr 1962 gebaut und ein Jahr später eröffnet – damals mit acht Großhändlern.<BR /><BR />Wie die 1,2 Hektar große Fläche am Bozner Boden künftig genutzt werden soll, ist aktuell noch ungewiss. Ein Wohnbauprojekt sei denkbar und realistisch, jedoch hänge vieles mit dem langwierigen Projekt des Bahnhofsareals zusammen. Möglicherweise werde ein Teil der heutigen Großmarkthalle während der seit Jahren geplanten Arbeiten für einen neuen Zugbahnhof zum Lagern von Materialien genutzt. „Stand heute liegen der Gemeinde aber noch keine konkreten Informationen diesbezüglich vor“, so Konder.<BR /><BR />„Wenn wir nicht bestimmte Teilflächen aus dem Bahnhofsareal herauslösen können, um dort eigene Projekte zu verwirklichen, bleibt vieles blockiert“, meinte Bürgermeister Claudio Corrarati dazu. Die Stadt sei deshalb auf eine Unterstützung „vom Land, vom Staat und auch von unseren Parlamentariern in Rom“ angewiesen. Der eigens von der staatlichen Gesellschaft für die Eisenbahninfrastruktur RFI eingesetzte Kommissar für das Bahnhofsareal solle dafür sorgen, dass dieses Projekt möglichst schnell umgesetzt werde. <BR /><BR />„Wir müssen aber realistisch bleiben: Wenn man die bisherigen Zeiträume betrachtet, sprechen wir wahrscheinlich von zehn, zwölf oder sogar 13 Jahren. Trotzdem hat die Gemeinde jetzt beschlossen, selbst aktiv zu werden und mit dem Abriss des ersten Gebäudes zu beginnen“, betonte der Bürgermeister.<h3> „Wir sind nicht über einen Abriss informiert worden“</h3>Überrascht vom Beschluss des Stadtrates zeigte sich gestern Friedrich Lobis, Präsident der Großmarkthalle. „Wir sind nicht über einen Abriss informiert worden. Diese Information erhalte ich von Ihnen. Deshalb kann ich nichts dazu sagen. Ich weiß nicht, was hier passieren soll“, erklärte er gegenüber der Redaktion. Den Sinn des Beschlusses verstehe er nicht. Man wisse zwar, dass man gehen müsse, aber bisher habe es seitens der Gemeinde geheißen, dass man bleiben könne, solange das Projekt für den neuen Zugbahnhof nicht starte. <BR /><BR />Die Großmarkthalle, in der noch acht Firmen mit rund 100 Beschäftigten tätig seien, suche derzeit nach einem neuen Standort. Allerdings brauche man für die Abwicklung „die technische Zeit. Das ist eine lange Prozedur“. Die Gemeinde werde jetzt „sicher mit uns sprechen und uns erklären, was geplant ist. Dann werden wir vielleicht eine Lösung finden. Man muss halt schauen, was die Gemeinde tun will.“