Freitag, 29. Mai 2020

Absage Sommerkindergarten: „Familien stehen im Regen“

Die Kinderbetreuung stellt viele Familien in der aktuellen Krise vor große Herausforderungen. Der angebotene Notdienst ist für viele Familien noch keine funktionierende Entlastung . Die Absage des Sommerkindergartens bezeichnet der Katholische Familienverband Südtirol (KFS) nun als „Hiobsbotschaft“.

Die Kinderbetreuung ist für viele Familien eine große Herausforderung während der Coronakrise.
Badge Local
Die Kinderbetreuung ist für viele Familien eine große Herausforderung während der Coronakrise. - Foto: © shutterstock
„2020 ist ein schwieriges Jahr für die Familien. Für viele waren die letzten Monate geprägt waren von Kurzarbeit, Lohnausgleich oder Arbeitslosigkeit und nebenbei mussten rund um die Uhr die Kinder bespaßt und zu Hause die Lehrer/Kindergärtner ersetzt werden – und die Familien haben diese Zeit großartig gemeistert, ohne viel Aufhebens“, so der KFS in einer Aussendung.

Viele Berufstätige durften in der Zwischenzeit wieder an ihre Arbeitsplätze zurück, das Problem Kinderbetreuung bleibt aber: Der von den Schulen und Kindergärten angebotene Notdienst erweist sich für viele Familien im beruflichen Alltag als ungeeignet. Die Absage des Sommerkindergartens bezeichnet der KFS nun als weitere Hiobsbotschaft.

„Mir tun die Familien echt leid“, zeigt sich Angelika Mitterrutzner, Präsidentin des KFS, solidarisch und fährt verärgert fort: „Es ist unverständlich, dass Familien so hängen gelassen werden und die Organisation der Kinderbetreuung einfach auf die Gemeinden und die privaten Trägerorganisationen abgewälzt wird.“

Nicht nur beim KFS wundert man sich, wieso es nicht möglich sein soll, genügend Kindergarten- und Schulpersonal für die Abdeckung der Sommerbetreuung zu finden. „Wo, bleibt hier die oft so vielgepriesene Solidarität?“ fragt sich Frau Mitterrutzner.

Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Der KFS hat sich seit jeher die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf seine Fahne geschrieben und mahnt die Politik, endlich die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehört eine qualitativ hochwertige außerfamiliäre Kinderbetreuung, auch während der Sommermonate. Dem KFS sei klar, dass die Entwicklung und Verbreitung des Coronavirus schwer vorhersehbar ist, was eine Planbarkeit der Kinderbetreuung erschwere, aber trotzdem müsse eine Lösung für berufstätige Eltern gefunden werden.

Eine große Hilfe in der nun, wie es scheint, kinderbetreuungslosen Zeit stellt die seit 20. Mai vom KFS ins Leben gerufene Babysitter-Plattform „Familien-Jolly“ dar. Dabei handelt es sich um ein kostenloses Portal, in dem Eltern und Babysitter unkompliziert und verlässlich in Kontakt treten können.

Eine weitere Entlastung der Familien in der kindergarten- und schulfreien Zeit bieten die Sommererlebniswochen für Kindergartenkinder, Grund- und Mittelschüler, die von vielen KFS-Zweigstellen auch in diesem Sommer im ganzen Land verteilt angeboten werden.

„Wir versuchen wirklich alles, um die Familien in diesen schwierigen Zeiten wo nur möglich zu unterstützen“, schließt KFS-Präsidentin Mitterrutzner, „dasselbe würde ich mir auch von unseren politischen Entscheidungsträgern wünschen, damit die Familien und die rund 1200 in den Sommerkindergarten eingeschriebenen Kinder nicht im Regen stehen gelassen werden.“

pho

Schlagwörter: