Freitag, 09. Oktober 2020

Abstand, Maske, Feiern: Ruf nach strengeren Regeln wird lauter

219 Neuinfektionen in 3 Tagen: Das lässt auch die Landesregierung nachdenklich werden. Sollen die Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden oder soll es beim „Weiter mit den gleichen Regeln“ bleiben? Darüber herrscht in der Landesregierung alles andere als Einigkeit.

Sollen die Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden?
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Sollen die Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden? - Foto: © shutterstock
Waren es bisher im Schnitt rund 25, so vermeldete der Sanitätsbetrieb für Dienstag 55, für Mittwoch 69 und für Donnerstag 85 Neuinfektionen.

„Wir nähern uns kritischem Wert“

„Ich wäre für eine Verschärfung der Regeln“, sagt Zivilschutzlandesrat Arnold Schuler. Insbesondere gelte dies, was die Zahl der Gäste bei privaten Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstagen betrifft. Diese erweisen sich europaweit als großes Problem und ziehen Infektionen nach sich. Schuler hat Angst, dass Südtirol zum Risikogebiet wird. Man komme der kritischen Zahl von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in 7 Tagen „langsam verflixt nahe“.



„Zahlen sind beunruhigend“

Risikogebiet zu werden, ziehe enorme Schäden für den Tourismus und die gesamte Wirtschaft nach sich. Auch wenn es ungerecht sei, dass jene die Dummen seien, die viel testen. Laut sagt Schuler das nicht, doch wäre er auch für eine Rückkehr zur Maskenpflicht ab 2 Metern zu haben. „Zuerst geht es darum, bestehende Regeln einzuhalten, die – wenn eingehalten – reichen würden“, sagt Landesrat Philipp Achammer. „Die Zahlen sind aber beunruhigend. Wenn sie sich weiter so entwickeln, werden wir etwas tun müssen“, entschlüpft es ihm.

Nichts von Verschärfung hält Landesrat Daniel Alfreider. Schreibe man 2 Meter Abstand oder Maske vor, wackle das Konzept für die Schulen, wo die Kids auf einen Meter Abstand sitzen. Landesrätin Waltraud Deeg sieht das Heil „vorerst in der Einhaltung der heutigen Auflagen“. Landesrätin Maria Kuenzer war gestern in Rom.

Sieht vorerst also nicht nach einer Mehrheit für eine schärfere Gangart in der Landesregierung aus. Das aber spielt keine Rolle. Alle wesentlichen Entscheidungen zu Auflagen wurden bisher nämlich in der Dreier-Runde vorentschieden, zu der sich Landeshauptmann, Gesundheitslandesrat Widmann und Zivilschutzlandesrat Schuler jeden Freitag treffen. „Wir entscheiden nichts aus dem Bauch, sondern werden heute die Zahlen analysieren“, so Arno Kompatscher.

„Noch kein Alarm“

Landesrat Widmann soll am Donnerstag nicht amüsiert über Schulers Vorstoß gewesen sein. „Man soll nicht Alarm schreien, wenn noch kein Alarm ist“, kommentiert er trocken.

Der Staat habe 5 Tage für Verunsicherung gesorgt, dann aber „nur dekretiert, was bei uns schon lang gilt“. Die Infektionszahlen seien nicht mit jenen von März zu vergleichen. „Von gleich vielen Positiven waren im März über ein Viertel Erstgetestete, heute sind es 3 Prozent.“ Von den 55 bzw. 69 bzw. 85 Neuinfektionen ließen sich „gut 2 Drittel“ auf bestehende Cluster zurückführen. „Es sind also Folgefälle von Infektionsherden, die wir zurückverfolgen und isolieren“, so Widmann. Der Druck auf die Spitäler sei gering. „Solange dies so bleibt, besteht kein Grund, Regeln zu ändern.“

Ob es der Gemeinderat von Sexten oder Infektionen in Betrieben sind: „Überall wurden bestehende Regeln nicht so eingehalten wie es sein sollte.“ Derzeit habe man die Lage im Griff. Da sich die Zahlen aber „jeden Tag ändern“ können, seien Anstrengungen zur Beachtung von Auflagen und Hygieneweiter unerlässlich.

bv/stol