„Die Strahlung wurde Anfang der 90er-Jahre zu einem wichtigen Thema“, weiß Luca Verdi, Amtsdirektor des Labors für Luftanalysen und Strahlenschutz. Zu dieser Zeit wurde die erste Generation des Mobilfunknetzes geschaffen – 1G, der Vorgänger des heutigen 5G-Netzes. Die Idee des 1G-Netzes war die Kommunikation mit anderen Personen in der Ferne auch außerhalb des Eigenheims – die ideale Ergänzung zum Festnetztelefon. Allerdings erreichte die erste Generation nicht die breite Masse. <h3> Basisstationen bilden das Mobilfunknetz</h3>„Anfang der 2000er-Jahre löste die zweite Generation des Mobilfunks einen Boom aus, plötzlich wollte jeder ein Handy“, blickt Luca Verdi zurück. „Es war nun möglich, zu telefonieren und gar Textnachrichten zu versenden – Kabel waren keine mehr nötig, eine Revolution.“<BR /><BR />Um das kabellose Telefonieren möglich zu machen, braucht es sogenannte Basisstationen, als wesentlichen, notwendigen Bestandteil des Mobilfunknetzes. Hier kommt die Strahlung ins Spiel. Jedes Mal, wenn man in sein Mobiltelefon spricht, strahlt dieses und setzt Signale in Richtung Basisstation frei. Diese setzt ebenso Strahlung frei und leitet die Signale dann an das Gerät der Zielperson weiter – und das gleiche Prozedere umgekehrt. In Südtirol existieren rund 1000 Basisstationen, allein in Bozen sind es schon über 100.<BR /><BR />Je mehr sich das Mobiltelefon auf dem Markt etablierte, desto mehr solcher Basisstationen waren vonnöten. „Parallel zur Weiterentwicklung des Mobilfunks wurden alte Basisstationen ausgebaut und neue errichtet“, sagt Verdi. Die dritte Generation des Mobilfunks brachte das Smartphone mit sich. Das Ganze birgt natürlich enorme Vorteile, doch die höhere elektromagnetische Belastung durch die zunehmende Zahl an Basisstationen und deren Potenzierung sollte man im Hinterkopf behalten.<BR /><BR />Bei der vierten und fünften Generation des Mobilfunks – sprich 4G und 5G, der aktuellste Stand – gab es keine revolutionären Änderungen mehr. Sie wurden einfach noch schneller und leistungsstärker. Im Bereich der sechsten Generation werde bereits geforscht, berichtet Verdi. <h3> Grenzwerte zur Vermeidung von Gesundheitsrisiken</h3>Damit der Mensch aufgrund des Mobilfunknetzes keine Schäden davonträgt, wurden Anfang der 90er-Jahre gewisse Grenzwerte in Bezug auf elektromagnetische Felder festgelegt – diese bestehen nach wie vor. Zu Zeiten ihrer Begründung waren sie noch leicht einzuhalten, aber „heutzutage ist man vor allem in Großstädten sehr nahe an diesen Grenzwerten dran“, weiß Verdi. Auch in Bozen sei man nicht allzu weit von der roten Linie entfernt. Diese macht der Weiterentwicklung des Mobilfunks einen Strich durch die Rechnung. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten wie Deutschland oder Österreich wurden die Werte in Italien tiefer gesetzt. „Allerdings arbeitet das Parlament zurzeit an einer Erhöhung der Grenzwerte“, weiß der Amtsdirektor des Labors für Strahlenschutz.<BR /><BR /><embed id="dtext86-62201481_quote" /><BR /><BR />Aber nicht nur die Strahlung birgt potenzielle Risiken, es gibt Bereiche, in denen das Handy bewiesenermaßen gefährlich ist. „Die häufigsten Verkehrsunfälle durch Ablenkung passieren aufgrund der Nutzung des Smartphones während des Fahrens“, unterstreicht Verdi. Genauso wenig dürften sich Fußgänger und Radfahrer vom Handy ablenken lassen. „Mit der Kampagne ‚Stay Smart‘ aus dem Jahr 2019 wollte das Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz die Leute wachrütteln, das Handy mit Bedacht zu nutzen.“ Ebenso wirke sich der exzessive Gebrauch von sozialen Netzwerken negativ auf den Menschen aus – dieses Problem betreffe insbesondere die Jugend.<h3> Wie man sich vor der Strahlung schützt</h3>Über die Frage, ob die Strahlung jetzt tatsächlich schädlich für den Menschen ist oder nicht, streiten sich die Geister der Wissenschaft. Ergebnisse von Studien gehen auseinander. „Es besteht die Notwendigkeit, weiterzuforschen“, bekräftigt Verdi. Dennoch, um auf Nummer sicher zu gehen, hat der Experte einige Tipps auf Lager. „Zuhause sollte man stets das WLAN an Stelle des Mobilfunknetzes verwenden.“ Benutze man nämlich das Mobilfunknetz, sei man mit der Basisstation verbunden. Ein WLAN ist nichts anderes als eine Basisstation für einen sehr kleinen Bereich. Dennoch liegt die 0,1 Watt-Leistung der WLAN-Verbindung weit unter der bis zu 3000 Watt starken Strahlungsleistung der Basisstationen.<BR /><BR /> „Ein weiterer guter Tipp ist es, auf der Freisprechanlage zu telefonieren und sich das Smartphone nicht ans Ohr zu halten“, empfiehlt Verdi. Man möchte es nicht glauben, aber diese kleine Angewohnheit mache bereits einen enormen Unterschied. Dies gelinge auch mit der Verwendung von verkabelten Headsets. „Des Weiteren sollte man stets an jenen Orten telefonieren, chatten, surfen und Co., an denen eine gute Verbindung zum Mobilfunknetz herrscht – empfohlenerweise im Freien, dort ist der Empfang besser.“ Zu guter Letzt sei es wichtig, über das Thema Strahlung gut informiert zu sein.