Wer in Südtirol ein Kind adoptieren will, muss einen geregelten Prozess durchlaufen. Am Anfang steht ein Informationsgespräch oder ein verpflichtender Vorbereitungskurs, der zweimal jährlich in deutscher und italienischer Sprache angeboten wird. Danach folgt die Abgabe einer Bereitschaftserklärung mit allen geforderten Unterlagen beim Jugendgericht Bozen. Es schließt sich eine umfassende psychosoziale Abklärung durch das Familien- und Jugendgericht an. In mehreren Gesprächen werden Motivation, Partnerschaft und soziale Situation der Bewerber analysiert.<BR /><BR /> Auf dieser Grundlage entstehen ein sozialer und ein psychologischer Bericht, die dem Jugendgericht vorgelegt werden. Danach folgt ein abschließendes Gespräch mit einem Richter. Für Adoptionen in Italien bleiben die Akten beim Gericht aufliegen und müssen alle drei Jahre erneuert werden. Bei internationalen Adoptionen erhalten die Bewerber nach einem positiven Eignungsdekret ein Jahr Zeit, um eine autorisierte Vermittlungsstelle zu beauftragen. Dort werden weitere Kurse absolviert und das Zielland ausgewählt. <BR /><BR />Laut Statistik beträgt die durchschnittliche Wartezeit derzeit 56 Monate. Während Adoptionen einheimischer Kinder kostenlos sind, beginnen die Kosten für internationale Verfahren bei rund 15.000 Euro. Seit März dieses Jahres dürfen auch Einzelpersonen adoptieren. <h3> „Adoptivkinder sind kleine Überlebenskünstler“</h3>Ein Beispiel, wie eine Adoption das Leben eines Paares bereichern kann, ist der Meraner Michele Larcher. Schon früh stand für ihn und seine Frau fest, dass sie ihr Familienglück auf diesem Weg finden wollen. Begegnungen mit Familien, die Kinder aus Äthiopien aufgenommen hatten, gaben schließlich den Ausschlag, es ihnen gleichzutun. Die Wartezeit zur ersten Adoption betrug damals dreieinhalb Jahre – eine Zeit, die Larcher heute als „sehr lange Schwangerschaft“ beschreibt.<BR /><BR /> Ihr Sohn war knapp über einem Jahr alt, als sie ihn in Äthiopien abholen durften. Kurz darauf begann das Paar ein zweites Verfahren. Dieses Mal dauerte es nur 14 Monate, bis sie ihre Tochter mit nach Hause nehmen konnten. Beide Kinder kamen aus demselben Waisenhaus in Äthiopien, das vom italienischen Verein „Centro Aiuti per l´Etiopia“ geführt wird. Ein Austausch mit Eltern, die ebenfalls Kinder adoptiert haben, sei sehr wichtig, sagt Larcher, um sich nicht als „Ausnahme“ zu fühlen. <h3> Aller Anfang ist schwer</h3>Nicht ganz einfach sei nämlich der Anfang: Zwei weiße Eltern mit zwei schwarzen Kindern hatten in Südtirol noch vor einigen Jahren Aufmerksamkeit erregt. Oft sei es nicht Ablehnung gewesen, sondern aufdringliche Neugier – doch auch die könne belastend sein. „Man möchte einfach normal sein“, sagt Larcher. Mittlerweile habe sich die Gesellschaft verändert: Familienformen seien vielfältiger geworden, und damit auch die Wahrnehmung von Adoptivfamilien. Viele Jahre lang war Larcher Präsident des Südtiroler Vereins der Adoptiv- und Pflegeeltern. <BR /><BR />Er weiß, dass Geduld und Unterstützung entscheidend sind. Besonders Schulen sollten sensibel mit der Geschichte von Adoptivkindern umgehen, deren Vergangenheit oft schmerzhaft sein kann, vor allem in der Pubertät. Trotz aller Herausforderungen überwiegt für ihn das Positive: „Adoptivkinder sind kleine Überlebenskünstler.“ Und: „Adoptivfamilien sind einfach Familien – nur auf einem anderen Weg entstanden.“ <h3> Informationen & Anlaufstellen</h3>Zentrale Anlaufstelle für an einer Adoption interessierte Paare und Einzelpersonen ist die Dienststelle Adoption Südtirol. Diese ist seit 2013 aktiv und beim Betrieb für Sozialdienste Bozen angesiedelt. „Wir können auf eine große Bandbreite an Erfahrungen und Informationen zurückgreifen und bieten diesen Dienst allen Interessierten kostenlos an“, führte Silvia Vidale von der Dienststelle aus. Adoption habe sich im Laufe der Zeit, ebenso wie die Gesellschaft verändert, deshalb habe auch die Dienststelle ihr Angebot angepasst und biete nun mit einem multidisziplinären Team sowohl Adoptionsvorbereitung, aber auch Adoptionsbegleitung und -beratung an.<BR /><BR /> Ein wichtiges Ziel sei die Gleichstellung von Adoptivfamilien, die sich auch in kleinen Schritten wie der Ausweitung der Bookstart-Initiative auf Adoptiveltern zeige, hob Vidale hervor. Erinnert sei dabei auch an die kürzlich erfolgte Anpassung im Hinblick auf die Landesfamilienleistungen: Diese stehen nun bei internationalen Adoptionen bereits ab der Genehmigung der Einreise des Kindes zu, nicht mehr erst ab dem Gerichtsurteil.<BR /><BR /><i>Informationen für Interessierte sind bei der Dienststelle für Adoption Südtirol (0471 1626586 oder adoption@sozialbetrieb.bz.it) erhältlich.</i>