Die Teams an den Impfstraßen müssen sich von Impfunwilligen so einiges gefallen lassen. <BR /><BR /><BR />Dr. Patrick Franzoni von der Covid Task Force ist eigentlich eine Frohnatur. Gestern aber war ihm der Ärger ins Gesicht geschrieben. Jetzt, wo die Impfpflicht für über 50-Jährige greift, ziehen überzeugte Impfgegner alle Register, um zumindest einen Aufschub zu erreichen – und blockieren die Impflinien für alle anderen.<BR /><BR />Ab sofort gilt die Impfpflicht für Bürger ab 50 Jahren, ab 15. Februar darf man ohne abgeschlossenen Impfzyklus nicht zur Arbeit. In Südtirol müssen nun 30.000 Personen einen Termin vereinbaren, wenn sie nicht mit Gesetz oder Chef in Konflikt kommen wollen. Für diese Woche sind 658 über 50-Jährige für einen Impftermin vorgemerkt.<BR /><BR /><b>„Fadenscheinige Ausreden“</b><BR /><BR /> Darunter befinden sich leider auch etliche, die sich den Piks gar nicht verpassen lassen wollen. Auch gestern Vormittag verbrachte Dr. Patrik Franzoni eine Stunde damit, Rücksprache mit den Ärzten in den Impfzentren zu halten. „Diese hatten sich an mich gewandt, weil Personen mit fadenscheinigen Ausreden die Impflinien blockieren, um eine Befreiung – in den meisten Fällen aber einen Aufschub von der Impfpflicht zu erreichen“, sagt Franzoni. <BR /><BR />In vielen Fällen kämen die Betroffenen mit „einer Person ihres Vertrauens“, die die Anamnese mitunter eine Stunde und mehr mit polemischen Fragen bombardiere. „Da werden Blutproben vorgelegt, die mit der ganzen Sache nichts zu tun haben. Auch Schreiben aus Ayurveda-Studios, die Allergien belegen sollen, wurden vorlegt“, berichtet Franzoni. <BR /><BR /><BR /><BR />Fakt aber sei: „Die Fälle, in denen Aufschübe berechtigt sind und auch gewährt werden, sind sehr, sehr wenige. Sie erfolgen in den allermeisten Fällen in Absprache mit den Fachärzten am Spital, die diese schweren Pathologien behandeln“, so Franzoni. Das Ayurveda-Studio zählt nicht dazu. In einigen Fällen würden die Personen aggressiv. Sogar zu Handgreiflichkeiten sei es schon gekommen. „Wir haben die Ordnungshüter gerufen, die dem Spuk ein schnelles Ende bereitet haben“, so Franzoni. Ärgerlich sei jedoch, dass mit diesen Vorfällen alles ins Stocken gerate und Impfwillige warten müssen.<BR /><BR />Auch im Gesundheitsbezirk Meran häufen sich solche Zwischenfälle, bestätigt Dr. Christian Wenter, ärztliche Bezugsperson der Impfzentren. „Dieser Tage ergeben sich lange Wartezeiten in den Impfzentren wegen Behinderungen durch Impfskeptiker und No-Vax-Leuten. Nicht selten kommen sie in Begleitung – meist eines Anwalts – ins Impfzentrum und besetzen oft lange Zeit eine Impflinie. Standard ist, dass sie einen Endlos-Fragebogen vorlegen, eine Frage nach der anderen stellen, aber die Informationen, die ihnen vom Arzt gegeben werden, nie ausreichend sind“, schildert Dr. Wenter die Lage. <BR /><BR /><b>Provokantes Verhalten</b><BR /><BR />Dabei sei deren Verhalten oft provokant. „Sie setzen sich beim Anamnesegespräch vor den Arzt, reizen alles aus, behindern die Abläufe und verursachen Wartezeiten, die in die Stunden gehen. Oft fordern sie vom Arzt Impfbefreiungen ein, für die es keine Indikation gibt“, sagt Dr. Wenter. Oder aber werde dem Arzt ein Formular zur Unterschrift vorgelegt, wonach dieser bescheinigen soll, dass die Impfung „zu 100 Prozent gegen das Coronavirus schützt“. Eine Zusicherung, die kein Arzt der Welt geben kann.<BR /><BR />Teils werde werde nahezu randaliert. „Für junge Ärzte sind solche Situationen psychisch fordernd, für erfahrenere Ärzte sind solche Patienten extrem mühsam und zeitaufwendig“, bekräftigt Dr. Wenter. Oft müssten auch die Carabinieri oder die Stadtpolizei gerufen werden, weil Impfgegner den gesamten Ablauf protokolliert wissen wollen.<BR /><BR />