Es war ein Kollege, der den Grödner Architekten Rudolf Perathoner auf das mutmaßliche Plagiat aufmerksam machte: „Er fragte mich, ob ich ein Haus in Villnöss geplant habe, weil es meinem Stil entspricht“, erinnert sich Perathoner zurück. „Ich war sprachlos, als ich gesehen habe, dass die Fassade und die Gestaltung des Gebäudes sehr ähnlich sind.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021650_image" /></div> <div class="img-embed"><embed id="1021653_image" /></div> <h3> Villa A in Wolkenstein als Ausgangspunkt </h3>Das Gebäude, das 2022 genehmigt und derzeit fertiggestellt wird, ähnelt enorm der von Rudolf Perathoner 2014 geplanten und ausgeführten Villa A in Wolkenstein. „Im Hinblick auf die äußere Ästhetik mit den schrägen und holzvertäfelten Wand- bzw. Dachleibungen stellt die Villa A sogar einen Ausgangspunkt dar für eine charakteristische Architektursprache, die in den folgenden Jahren zu einem unserer Markenzeichen wurde“, erzählt Rudolf Perathoner. <BR /><BR />Die Villa A findet sich in ähnlicher Form in zahlreichen weiteren Projekten seines Büros wieder, etwa bei der Villa B in Kastelruth 2018 oder beim Hotel Zermama in Zermatt 2020. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021656_image" /></div> <h3> Wesentliche markante Elemente übernommen</h3>„Selbstverständlich erfindet kein Planer das ‚Rad der Architektur‘ neu und jeder Entwurf orientiert sich bis zu einem gewissen Grad an bereits realisierten Bauwerken“, sagt Perathoner. Solange dies in respektvollem Maße geschehe, sei das legitim.<BR /><BR />Im Villnösser Fall hingegen scheint es, als ob ein Südtiroler Architekt wesentliche markante Elemente der Villa A übernommen hat. „Die vordere Fassade mit Glasfront wurde im Wesentlichen stark übernommen, ebenso wie bestimmte Proportionen und die Positionierung der Balkone“, sagt Perathoner. Auch bei der Materialwahl gebe es Ähnlichkeiten, ebenso wie bei weiteren Elemente. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021659_image" /></div> <div class="img-embed"><embed id="1021662_image" /></div> <BR />Rudolf Perathoner kontaktierte in der Folge den Südtiroler Kollegen, der sich für das mutmaßliche „Plagiat“ verantwortlich zeichnet. Dieser habe zugegeben, dass gewisse Ähnlichkeiten zwischen den beiden Gebäuden bestehen würden. <BR /><BR />Gegenüber „StolPlus“ erklärte er: „Ich habe dem Kunden 2 Vorschläge gezeichnet, die ihm allerdings nicht zugesagt haben.“ Der Kunde habe dann einen der Vorschläge als Basis verwendet und gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Architekten an seine Bedürfnisse angepasst. Der ursprüngliche Plan des Südtiroler Architekten für das Gebäude in Villnöss habe anders ausgesehen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021665_image" /></div> <h3> Projekt in vielen Magazinen veröffentlicht </h3>„Unser Projekt, die Villa A in Wolkenstein, wurde mit einigen internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet“, erklärt Rudolf Perathoner „StolPlus“.<BR /><BR /> Ebenso sei die Villa A in zahlreichen regionalen und internationalen Magazinen und Fachbüchern publiziert worden. Haben diese Veröffentlichungen zum mutmaßlichen „Plagiat“ angeregt?<h3> Jetzt werden rechtliche Schritte geprüft</h3>Stellt die mutmaßliche Imitation der Villa A in Wolkenstein eine Verletzung des geistigen Urheberrechtes dar? Der Grödner Architekt prüft nun rechtliche Schritte. „Darf es sein, dass man Pläne von anderen Architekten in dieser Art so stark übernehmen kann?“ bezweifelt Rudolf Perathoner. Auch ein Disziplinarverfahren vor der Architektenkammer könnte eine Folge sein . <BR /><BR />Erst vor kurzem war ein ähnlicher Fall publik geworden: Dabei hatte ein Schweizer Architekturbüro einen Wettbewerb für eine Berghütte im Kanton Wallis gewonnen, mit einem Projektvorschlag, der jenem der Berghütte Oberholz in Obereggen frappierend ähnlich sah (wir berichteten, siehe digitale Ausgabe). Anders als in Südtirol wurde der mutmaßliche Plagiatsversuch rechtzeitig entdeckt und das Gebäude nie verwirklicht. <BR /><h3> Was der Präsident der Architektenkammer sagt:</h3>„Dieser Fall stellt eine Ausnahme dar“, sagte Architekt <Fett>Wolfgang Thaler</Fett> (Bild), Präsident der Architektenkammer Südtirol, gegenüber „StolPlus“. „Es gibt modische Tendenzen. Kleinigkeiten werden abgeschaut, bestimmte Elemente übernommen.“ Im Falle der Villa A , einem markanten Gebäude, sei sehr viel übernommen worden. Thaler zeigt sich bestürzt: „Wenn Architektur kopiert wird, ist das ein schwaches Zeugnis des Planers. Das ist beschämend.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-64442791_quote" /><BR /><BR />Immer wieder käme es jedoch vor, dass der Planverfasser, also der Urheber eines Entwurfs, nicht erwähnt werde. „Es gibt Fälle, wo eine andere Person an dem Entwurf weiterarbeitet. Da wäre es dann wichtig, den Planverfasser auch zu erwähnen, weil er das Urheberrecht hat“, erklärt Thaler. <BR /><BR />Soziale Netzwerke wie Instagram hätten dazu beigetragen, dass Werke von Architekten bekannter werden – mit positiven ebenso wie mit negativen Effekten.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64442795_quote" /><BR /><BR />Wenn ein Projekt eindeutig kopiert werde, dann sei das ganz klar ein Fall für die Juristen. Auch deontologisch, also berufsethisch, sei das nicht mehr in Ordnung. „Wir haben eine Disziplinarkommission und wenn diese einen Hinweis erhält, kann sie auch tätig werden“, schließt Wolfgang Thaler. <BR /><BR />