Donnerstag, 14. Oktober 2021

Afghanistan: Amnesty fordert Schulbesuch von Mädchen ab 7. Klasse

Während der ersten Taliban-Herrschaft waren Frauen vollständig von Bildung und Arbeit ausgeschlossen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat die Taliban in Afghanistan aufgefordert, Mädchen den Besuch von Schulen ab der 7. Klasse wieder zu erlauben.

Amnesty fordert, dass Mädchen in Afghanistan ab der 7. Klasse wieder in die Schule gehen dürfen.
Amnesty fordert, dass Mädchen in Afghanistan ab der 7. Klasse wieder in die Schule gehen dürfen. - Foto: © shutterstock
Bildung sei ein fundamentales Menschenrecht, das auch die Taliban wahren müssten, sagte Agnès Callamard, Generalsekretärin von AI, am heutigen Donnerstag in einem Bericht mit Schilderungen von Betroffenen zur Lage im Schulsystem seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban Mitte August.

AI forderte die Taliban auf, Einschüchterungen, Gewalt und Drohungen an Schulen einzustellen. Nach der Machtübernahme hatten die Taliban Schülerinnen der 7. bis 12. Klasse den Schulbesuch untersagt mit der Begründung, sie dürften den Unterricht wieder aufnehmen, sobald ein „sicheres Lernumfeld“ geschaffen sei. Seitdem haben sie allerdings nicht erklärt, wie lange dies dauere. Die Befürchtung wächst, dass die Taliban die Schulen nie wieder für Mädchen ab der 7. Klasse öffnen könnten. Die Universitäten dürfen junge Frauen besuchen, allerdings nur in nach Geschlechtern getrennten Seminaren. Buben dürfen landesweit seit dem 17. September wieder in die Schulen gehen.

AI hatte für den Bericht mindestens 33 Lehrkräfte, Schüler und Schülerinnen sowie örtliche Aktivisten in 9 Provinzen befragt. Dabei sei herausgekommen, dass die Taliban Mädchen bedrängten und einschüchterten, um sie vom Schulbesuch abzuhalten. Junge Frauen setzten aus Angst vor den Taliban ihr Studium nicht fort, heißt es weiter. Nach Angaben von AI bedrohen die Taliban ferner Lehrkräfte, die unter der vorherigen Regierung unterrichtet hatten.

Obwohl Volksschüler in die Schule dürften, sei die Anwesenheitsrate wegen der Gewalt der Taliban in allen Klassen niedrig, vor allem bei Mädchen. So gebe es Familien, die ihre Mädchen nicht in die Volksschule schickten aus Angst, die Taliban könnten sie schlagen. AI zufolge haben die Taliban auf die Bitte um Stellungnahme zu dem Bericht nicht reagiert.
Während der ersten Herrschaft der Taliban von 1996 bis 2001 hatten diese Frauen und Mädchen vollständig von Bildung und Arbeit außerhalb ihres Hauses ausgeschlossen.

apa