Freitag, 27. August 2021

AFI: Verteilungsgerechtigkeit immer wichtiger

Die Einkommensbesteuerung trägt in Italien deutlich zum Ausgleich der Einkommensunterschiede bei. Grund dafür sind nicht nur die Abzugs- und Freibeträge, sondern auch das steuerfreie Einkommen in der „No-Tax-Area“ und die progressiven Steuersätze. Innerhalb September will die italienische Regierung ihr Konzept für eine Steuerreform vorlegen. Ob damit das Versprechen einer größeren sozialen Ausgewogenheit eingelöst werden kann, ist fraglich, schreibt das AFI in einer Aussendung.

Wie das AFI belegt, ist die Einkommensungleichheit nach Abtreten der Einkommenssteuer deutlich geringer als „vor Steuern“.
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Wie das AFI belegt, ist die Einkommensungleichheit nach Abtreten der Einkommenssteuer deutlich geringer als „vor Steuern“. - Foto: © lpa/Unsplash
„Verteilungsgerechtigkeit im Sinne einer sozialgerechten Abwicklung der Coronakrise und der Gestaltung der ökologischen Transformation wird europaweit das bestimmende Thema der nächsten Jahre sein“, ist AFI-Direktor Stefan Perini überzeugt und lässt dies auch für Südtirol gelten:.

„Angesprochen auf die aktuelle Corona-Situation ist das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich laut ASTAT aktuell die Sorge Nummer Eins der Südtiroler“, so Perini weiter. Die Erhebung der ASTAT finden Sie hier.

Bereits das fünfte Jahr in Folge nimmt das AFI (Arbeitsförderungsinstitut) die Einkommenssteuerdaten des italienischen Finanzministeriums für Südtirol genauer unter die Lupe. Der am Freitag veröffentlichte AFI-Zoom Nr. 60 macht den Umverteilungshebel im italienischen Steuersystem sichtbar.

Wie das AFI belegt, ist die Einkommensungleichheit nach Abtreten der Einkommenssteuer deutlich geringer als „vor Steuern“.

Die Verteilung vor und nach Steuern

Die Analyse stützt sich auf die Berechnung des Gini-Koeffizienten, einmal auf das Brutto- und einmal auf das Nettoeinkommen, aber auch auf den Differenzbetrag davon. Dieser als Index von Reynolds-Smolensky bekannte Parameter ist Gratmesser für die ausgleichende Wirkung der Steuer.



Der Gini-Koeffizient misst die Ungleichheit einer Verteilung zwischen 0 (alle haben gleich viel) und 1 (einer hat alles). „Wir haben in unserer Studie für das Steuerjahr 2019 für Südtirol einen Gini-Index von 0,463 auf die Verteilung der Bruttoeinkommen und von 0,402 auf jene der Nettoeinkommen errechnet – ein klarer Beleg, dass das System der Einkommenssteuer ausgleichend wirkt“, betont AFI-Forscher Matteo Antulov.

Betrachtet man die Verteilung der erklärten Netto-Einkommen ab dem Steuerjahr 2011, sieht man, dass die Unterschiede bis 2019 kleiner wurden (der Gini-Koeffizient sinkt von 0,420 auf 0,402).



Dazu sagt AFI-Direktor Stefan Perini: „Durch die Steuerpolitik sollten Einkommensunterschiede noch mehr und noch besser abgebaut werden. Vom theoretischen Ansatz her wirkt das italienische System der Einkommensbesteuerung durchaus sozial ausgleichend. Die Probleme liegen in der Praxis: Der Staat bekommt Steuerhinterziehung und Kapitalflucht nicht in den Griff – und damit entstehen die großen sozialen Ungerechtigkeiten.“


Steuerfreibeträge

Im Steuerjahr 2019 kam jeder fünfte Südtiroler Steuerpflichtige (20,2 Prozent bzw. 87.082 Personen) in den Genuss von Abzugs- und Freibeträgen im Gesamtwert von 442 Millionen Euro, was durchschnittlich 5079 Euro pro Steuerzahler ausmacht. Die Abschreibe- und Freibeträge betrafen zu 76,6 Prozent Ausgaben für Vor- und Fürsorge und zu 19,2 Prozent die Zusatzvorsorge.

Steuerabsetzbeträge

Fast alle Südtiroler Steuerpflichtigen (98 Prozent bzw. 422.068 Personen) konnten gesetzlich festgelegte Aufwendungen absetzen, was den Brutto-Steuerertrag für den Fiskus um 769,4 Millionen Euro minderte.

Die hauptsächlichen Abzugsposten betrafen zu 55,3 Prozent Einkommen aus lohnabhängiger Arbeit und Rente, zu 13,1 Prozent zu Lasten lebende Familienmitglieder.

stol

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