Die Polizeikommissarin, die bei den Landtagswahlen im Trentino für Fratelli d’Italia kandidiert, lässt mit einem Vorschlag für ein Pilotprojekt an den Schulen aufhorchen.<BR /><BR /><b>Schlägereien, Übergriffe, Bullismus: Immer öfter geraten bereits junge Menschen durch gewalttätiges Verhalten in die Schlagzeilen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?</b><BR />Cinzia Cellucci: Ich bin sehr besorgt über dieses Verhalten auch schon der Jüngsten, sie sind schließlich die Erwachsenen von morgen. Ich war immer schon überzeugt, dass es besser ist, vorzubauen, als zu unterdrücken. Deshalb sollte das soziale Netz verstärkt werden, um Familien in problematischen Situationen verstärkt zu unterstützen und zu begleiten. Aber vor allem in der Schule könnte man viel tun.<BR /><BR /><b>Was schwebt Ihnen vor?</b><BR />Cellucci: Da Südtirol und das Trentino im Schulbereich autonom entscheiden können, sollten schon ab der Volksschule Experten wie Psychologen und Soziologen eingesetzt werden, die die Kinder in – und das ist ganz wichtig – verpflichtenden Stunden Bürgersinn und Respekt lehren, ihnen beibringen, dass die besten Mittel, um etwas zu erreichen, nicht Streit und Gewalt sind, sondern Dialog. <BR /><BR /><embed id="dtext86-61588888_quote" /><BR /><BR /><b>Inwieweit – glauben Sie – beeinflusst das Internet das Verhalten von Jugendlichen?</b><BR />Cellucci: Nun, viele Eltern arbeiten beide tagsüber, die Jugendlichen sind sich selbst überlassen und verbringen den ganzen Tag vor dem Computer oder am Handy. Auch hier könnten die Experten in den Schulen ansetzen und den Kindern von Klein auf klar machen, dass das Internet zwar ein toller Ort, aber auch voller Fallstricke und Gefahren ist. Im Netz Bullismus gegenüber einem Mitschüler zu verüben, ist kein Spaß, es kann dessen Leben ruinieren. Ich bin mir durchaus bewusst: Wenn wir jetzt damit beginnen, sehen wir die Erfolge erst in einigen Jahren, aber diese Jugendlichen werden dann das respektvolle Verhalten weitertragen. <BR /><BR /><b>Unabhängig vom gewalttätigen Verhalten von Jugendlichen – Bürger beklagen immer wieder, dass sie sich nicht mehr so sicher fühlen wie früher. Was kann getan werden, um Diebstählen, Einbrüchen und Überfällen besser vorzubeugen?</b><BR />Cellucci: Die beste Prävention ist und bleibt eine verstärkte Kontrolltätigkeit. Dabei kommt neben Staatspolizei, Carabinieri und Finanzwache gerade der Ortspolizei eine wichtige Rolle zu. Allerdings muss letzterer mehr Handhabe gegeben werden, und genau darauf zielt mein Vorschlag für ein Pilotprojekt in Trentino-Südtirol ab, das vom Südtiroler Fratelli d’Italia-Abgeordneten Alessandro Urzì in Rom sowie von den Landtagskandidaten Marco Galateo in Südtirol und Giacomo Bezzi im Trentino unterstützt wird. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948154_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Worum geht es?</b><BR />Cellucci: Ich schlage eine andere Vision der lokalen Polizei vor, weil sich die Anforderungen an die Polizeiarbeit in diesem Gebiet geändert haben. Die Ortspolizei muss sowohl aufgestockt als auch aufgewertet werden. Das heißt, dass alle Ortspolizisten als Beauftragte für die öffentliche Sicherheit bzw. Sicherheitskräfte eingestuft werden müssen. Das ist derzeit nicht in allen Gemeinden für alle Beamten so. Als ich im Jahr 2003 die Leitung des Polizeikommissariates Meran antrat, habe ich mich beispielsweise sofort beim Bürgermeister und beim Regierungskommissar für diese Einstufung der Meraner Stadtpolizei eingesetzt. Damit sich die Beamten ganz auf die Kontrolltätigkeit konzentrieren können, müssen sie auch entlastet werden. Beispielsweise sind Ortspolizisten in manchen Gemeinden u.a. auch für die Friedhöfe zuständig oder für steuerliche Belange. Das könnten auch andere Gemeindemitarbeiter übernehmen. Und schließlich ist es höchste Zeit, dass die Ortspolizei Zugang zur polizeilichen Datenbank SDI erhält – auch zu ihrer eigenen Sicherheit.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Cellucci: Stellen Sie sich vor, eine Streife der Ortspolizei hält einen Wagen auf, darin sitzt ein gesuchter Straftäter. Um das herauszufinden, vergeht kostbare Zeit, denn die Ortspolizisten müssen sich an Staatspolizei, Carabinieri oder Finanzpolizei wenden, damit diese für sie die betreffende Person im SDI überprüfen. In der Zwischenzeit könnte der Straftäter ja auch eine Waffe ziehen und die Beamten angreifen. <BR /><BR /><b>Was schlagen Sie vor?</b><BR />Cellucci: Ortspolizisten sollten selbst auf das Datennetz SDI zugreifen können, auf welche Daten, würde das zuständige Ministerium entscheiden. Ich würde die erste Ebene vorschlagen, darin können die Beamten alle Vorstrafen einer Person einsehen. Natürlich müssten die Ortspolizisten vorab in der Nutzung dieses Datensystems geschult werden. Sollte dies nicht für die Ortspolizisten aller Gemeinden möglich sein, wäre eine Alternative, dass ein Ortspolizist in einer Einsatzzentrale der derzeit berechtigten Sicherheitskräfte direkt die Anfragen seiner Kollegen im Außendienst bearbeitet. Südtirol und das Trentino haben in diesem Bereich autonome Entscheidungsbefugnis, das Pilotprojekt wäre also konkret umsetzbar. Falls es sich bewährt, könnte es in Zukunft auf ganz Italien ausgedehnt werden.<BR /><BR />