Dienstag, 29. Dezember 2020

Agitu Gudeta brutal ermordet: Mitarbeiter gesteht

Sie galt als Beispiel für gelungene Integration im Alpenraum: Die Äthiopierin und Pionierin der Alpen-Viehzucht im Trentino, Agitu Gudeta, ist am Dienstagabend brutal ermordet in ihrer Wohnung im Trentiner Fersental aufgefunden worden. Noch in der Nacht auf Mittwoch soll ein Mitarbeiter der 42-Jährigen den Mord an Gudeta gestanden haben.

Agitu Ideo Gudeta galt als Symbol für gelungene Integration. - Foto: © Agitu Gudeta
Agitu Ideo Gudeta lebte seit 2010 in Frassilongo im Fersental und hatte dort einen Bio-Landwirtschaftsbetrieb mit dem Namen „La capra felice“ (Die glückliche Ziege) gegründet. Im Trentiner Tal hatte sie ihre zweite Heimat gefunden.

2010 hatte sie begonnen, die vom Aussterben bedrohten Mochena-Ziegen zu züchten. Bei der Käseherstellung und Aufzucht wandte sie traditionelle Methoden an. Mit ihrer Zucht der Bergziegen war sie über die Trentiner Landesgrenzen hinaus zu einem Symbol für Integration geworden.

Die Bio-Bäuerin wurde in ihrem Schlafzimmer tot aufgefunden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Die Polizei wurde von Nachbarn alarmiert. Die Frau soll mit Hammerschlägen getötet worden sein. Zudem soll der Täter versucht haben sein Opfer zu vergewaltigen.

Laut Medienberichten hat ein Mitarbeiter von Gudeta den Mord noch in der Nacht auf Mittwoch gestanden. Der Mann soll bei einem Streit um sein Gehalt ausgerastet sein. Der 32-Jährige aus Ghana wurde festgenommen.

In Südtirol sitzt der Schock über Gudetas Tod tief: Die Äthiopierin verkaufte ihren Ziegenkäse auch in Bozen und erfreute sich in Südtirol großer Bekanntheit und Beliebtheit. In den sozialen Medien bekundeten zahlreiche Menschen ihr Beileid und drückten ihre Trauer über die schockierende Nachricht aus.


Flucht aus Äthiopien und ihr Einsatz für nachhaltige Landwirtschaft


Mit 18 Jahren hatte Gudeta dank eines Stipendiums in Rom Soziologie studiert. Bei einem Urlaub entdeckte sie das Trentino und verliebte sich in seine wunderbare Landschaft. Nach dem Studium kehrte die Frau in ihre Heimat Äthiopien zurück.

Wegen ihres Einsatzes an der Seite der Bauern in der Region Mojo, 70 Kilometer von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt, wegen des Widerstands gegen den Landraub ausländischer Konzerne und die brutalen Enteignungskampagnen der eigenen Regierung, wurde gegen sie ein Haftbefehl erlassen.

Gudeta musste fliehen und kehrte nach Italien zurück, um eine Viehzucht mit Mochena-Ziegen in Trentino zu starten, die ganzjährig im Freien gehalten werden können, was sie für die nachhaltige Landwirtschaft besonders geeignet macht. Für ihr Engagement für die Bergwirtschaft war Gudeta von der Slow Food-Bewegung ausgezeichnet worden.

Am Neujahrstag wäre Agitu Gudeta 43 Jahre alt geworden.

pho/ki/apa

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