Das nennt sich internationale Zusammenarbeit unter Zeitdruck: Die Münchner Berufsfeuerwehr hat am Mittwoch nämlich ein Notruf in italienischer Sprache erreicht. "Doch die Verständigung war einfach nicht möglich, weil sie weder auf Deutsch noch auf Englisch klappte", berichtet Christoph Höckh, Pressesprecher der Münchner Berufsfeuerwehr, auf Nachfrage von STOL.Leben retten durch ÜbersetzungEtwas ungewöhnlich erscheint die Situation schon, denn bei den Hilfesuchenden handelt es sich um eine Schülergruppe im Oberschulalter. "Da möchte man meinen, dass es auf Englisch funktioniert, immerhin hatten sie auch einen Lehrer dabei", so Höckh. Die italienische Schülergruppe befand sich auf Klassenfahrt in bayerischen Landeshauptstadt. Wie dem auch sei, um dem Inhalt des Hilferufs und die Tragweite zu ermessen, wurde eine Konferenzschaltung zur Bozner Leitstelle hergestellt. "Das kommt eigentlich recht selten vor, aber Gott sei Dank haben wir diese Möglichkeit - und die Rufnummer ist bei uns verzeichnet", weiß Höckh. Das könne Leben retten. Man habe Nummern auch von Ansprechpartnern, die exotische Sprachen sprechen - immer für den Fall der Fälle. Oberschüler klagt über SchmerzenIn dem Fall konnten die Mitarbeiter der Bozner Berufsfeuerwehr mithören und übersetzen, was wiederum den Münchner Rettungskräften zugute kam. Der Reisebus der italienischen Schülergruppe habe die Autobahn im Stadtgebiet bei der „Ausfahrt 76“ verlassen und stehe nun vor einer ARAL-Tankstelle. Nach kurzer Recherche war schnell klar, dass der Bus am Endeder A9 in der Schenkendorfstraße stehen müsste. Nur fünf Minuten später war das Notarztteam Schwabing am Einsatzort.Ein 18-Jähriger hatte nämlich über Schmerzen geklagt und war nur bedingt ansprechbar. "Schlussendlich haben die Beschreibungen dazu geführt, dass ein Norarzteinsatz koordiniert werden konnte", so Höckh. Der alarmierte Notarzt brachte den Patienten schließlich in eine nahe gelegene Klinik.Enge Zusammenarbeit zur Wiesn-Zeit"Wir sind regelmäßig mit der Leiststelle der BF München in Kontakt und machen im Jahr bestimmt 10 bis 15 mal Übersetzungen bei Einsatzsituationen durch italiensichesprachige Anrufer"bestätigt Hansjörg Elsler, Sprecher der Berufsfeuerwehr Bozen. Man habe ein "gegenseitigen Abkommen vereinbart, wo wir uns sehr bürokratielos unterstützen bei sprachlichen Barrieren." Ein Disponent in der Einsatzzentrale der Berufsfeuerwehr Bozen, der auch Übersetungsarbeiten macht. - Foto: BF BozenEine Zusammenarbeit über die Sprachgrenzen hinweg ist also nichts Neues. "Vor allem zur Wiesn-Zeit haben wir intensiven Kontakt. Da sind auch Südtiroler Kollegen gerade zu diesem Zweck in München vor Ort", weiß Pressesprecher Höckh. Unterm Jahr komme so ein Austausch nicht alle Tage vor. Inoffizieller Übersetzungsdienst in Bozen Nicht anders sieht es da in der Südtiroler Notrufzentrale aus. Diese wird immer wieder in solchen Belangen kontaktiert - besonders zur Urlaubszeit, heißt es auf Nachfrage. Aus Bayern halten sich die Anfragen um diese inoffiziellen Übersetzerdienste in Grenzen. Doch auch aus Innsbruck werde man kontaktiert, wenn sich italienischen Gäste dort verlaufen oder wenn deutsche Urlauber am Gardasee in Schwierigkeiten geraten. Die hiesigen Rettungskräfte kümmern sich also nicht nur in Südtirol um die Hilfesuchenden, sondern retten Leben über die (Sprach-)Grenzen hinweg. stol/ker