<b>Herr Covi, Sie waren seit 1983 als Tierarzt tätig. Wie hat sich die Veterinärmedizin in den vergangenen 40 Jahren verändert?</b><BR />Alberto Covi: Vor allem in den letzten 10 Jahren ist das Arbeitsfeld der Tierärzte sehr viel größer geworden. Die Tierärzte haben sich zunehmend spezialisiert etwa auch auf Kleintiere oder auch exotische Tiere. <BR /><BR /><b>Warum auf exotische Tiere?</b><BR />Covi: Früher galten gewisse Reptilien wie Schlangen oder Spinnen als exotische Tiere, mit denen wir in Südtirol nichts zu tun hatten. Doch inzwischen halten viele Haushalte exotische Tiere. Als Tierarzt muss man sich auch um diese Tier kümmern. Man muss ständig auf dem Laufenden bleiben und sich fortbilden. Auch die Digitalisierung war ein großer Impuls, der zur Weiterentwicklung und Fortbildung im Beruf beigetragen hat.<BR /><BR /><b>Wie hat sich das Arbeitsfeld der Tierärzte verändert?</b><BR />Covi: Die Gesundheit der Tiere und die Art der Tierhaltung sind im Laufe der Zeit immer wichtiger geworden – auch innerhalb der Gesellschaft. Das freut mich. Vor großen Seuchen wie etwa der Schweinepest sind wir verschont geblieben. Aber es wird weiterhin aufmerksam beobachtet. Mit der Welt der Tierärzte hat sich auch jene der Landwirte verändert. Viele mussten sich an einer schneller werdende Welt und kürzere Zeiten anpassen. Früher lebten viele Bauern im Rhythmus der Jahreszeiten. Die heutige Generation nutzt Computer und lebt mit der digitalen Welt. Dabei beeindruckt mich besonders, dass die Landwirtes es trotzdem schaffen, an Traditionen festzuhalten und mit ihrem Boden verhaftet zu sein.<BR /><BR /><b>Sie hatten unter den Landwirten ein äußerst gutes Ansehen. Wie haben Sie das geschafft?</b><BR />Corvi: Das freut mich natürlich besonders. Auch die Ehrung zu meinem Abschied bei der Bezirksbauernversammlung freut mich. Denn ich habe vorwiegend mit Landwirten zusammen gearbeitet und habe den Bauern, ihrer Leidenschaft, ihrem Einsatz und ihrer Mühe immer großen Respekt entgegen gebracht. Ich habe versucht , mit meinem Wissen über Tierhaltung und Gesetze weiter zu helfen und mit Hausverstand gemeinsam Lösungen zu finden. Ich wollte, dass die Bauern mit Problemen in der Tierhaltung zu mir kommen und nicht bei mir noch ein weiteres Problem aufgeladen bekommen. <BR /><BR /><b>Gibt es etwas, das Sie im Rückblick anders machen würden?</b><BR />Covi: Nein. Nichts. Ich bin zufrieden, so wie es war.<BR /><BR /><b>Mussten Sie oft wegen Tiermisshandlungen eingreifen?</b><BR />Covi: Gott sei Dank, gab es in all den Jahren nur 3 bis 4 Fälle von Tiermisshandlung. Auch die Vernachlässigung der Tierpflege wie jener Fall vor einigen Jahren in Schmuders, der in den Schlagzeilen geraten war, war ein absoluter Einzelfall. <BR /><BR /><b>Welche Situationen sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?</b><BR />Covi: Es hat mir immer sehr weh getan, wenn jemand der Landwirte mit dem Traktor oder bei Waldarbeiten verunglückt ist. Gleichzeitig habe ich auch die große Solidarität unter den Landwirten gesehen, die sich in solchen Fällen, aber auch im Alltag gegenseitig unterstützen und helfen. <BR /><BR /><b>Welchen Rat würden Sie zukünftigen Tierärzten geben?</b><BR />Covi: Tierarzt zu sein ist eine äußerst erfüllender und befriedigender Beruf. Veterinärmediziner sollten mit großem Respekt mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten und sich für andere einsetzen. <BR /><BR /><b>Welche Aspekte Ihrer Arbeit vermissen Sie am meisten und welche genießen Sie im Ruhestand am meisten?</b><BR />Covi: Ich vermisse den Kontakt zu dem Menschen und den Bauern. Früher war ich jeden Tag im Stall und habe mit den Bauern gesprochen. Das fehlt mir. Dafür kann ich jetzt die Berge genießen und auch meinem Engagement als Bergretter beim BRD Sterzing nachgehen.