Dass Kleinkinder im Wasser ertrinken können, ist allgemein bekannt. Doch abseits der klassischen Badeunfälle lauert eine oft unterschätzte Gefahr im Becken, die für Kinder, Jugendliche und selbst Erwachsene tödlich enden kann: die Ansauganlage.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/haare-in-pool-ansaugung-verfangen-maedchen-11-stirbt-nach-dramatischem-unfall" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Der tragische Vorfall in Ligurien ist kein Einzelfall.</a> Immer wieder sorgen ähnliche Dramen weltweit für Schlagzeilen. Im Jahr 2021 geriet eine 13-jährige Österreicherin in Lignano mit den Haaren in den Sog einer Pumpe und verdankt ihr Leben nur dem schnellen Eingreifen anderer Badegäste. In Brasilien wurde ein Mädchen am Beckenrand unter Wasser gezogen, und 2019 ertrank eine Zwölfjährige im türkischen Bodrum, nachdem ihr Arm nach einer Rutschpartie auf einer Wasserrutschbahn in einer Ansaugöffnung eingeklemmt wurde.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337370_image" /></div> <h3> Doch wie können solche schrecklichen Unfälle geschehen?</h3>Um das zu verstehen, hilft ein Blick auf die Technik. Robert Gasparini, Poolexperte von der Firma Gasparini Wellness Technology aus Sterzing, erklärt das Prinzip: Ein Pool ist ein geschlossener Kreislauf. Die Pumpe saugt das Wasser über Oberflächenabsauger (sogenannte Skimmer) oder Bodenabläufe an. Es entsteht ein Unterdruck. Das Wasser wird durch eine Filteranlage gepresst, gereinigt und über Einlaufdüsen zurück ins Becken geleitet. Dieser Prozess läuft täglich mehrere Stunden, um die Wasserqualität stabil zu halten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337346_image" /></div> <BR /><BR />„Die Sicherheit einer Poolpumpe hängt weniger vom Pumpentyp ab, sondern vor allem von der gesamten Ansauganlage – also davon, wo das Wasser angesaugt wird, wie viele Ansaugstellen vorhanden sind, welche Schutzvorrichtungen verbaut sind und ob Sicherheitssysteme die Pumpe im Notfall abschalten können.“<BR /><BR />Besondere Vorsicht ist bei Wasserattraktionen wie Rutschen oder Wasserfällen geboten. Da hier immense Wassermengen bewegt werden müssen, arbeiten die Pumpen mit hoher Leistung und durchgehend, was zu extrem starken Strömungen führt.<h3> Mehrere Abläufe verhindern das Vakuum</h3>Moderne und fachgerecht installierte Anlagen sind heute im Grunde sicher. Am besten sind Systeme, bei denen sich die Ansaugung auf mehrere Stellen verteilt – zum Beispiel über zwei miteinander verbundene Bodenabläufe. Wird ein Ablauf blockiert, strömt das Wasser einfach über den zweiten nach; es entsteht kein gefährliches Vakuum. Auch gewölbte, großflächige Abdeckungen mit vielen kleinen Öffnungen verhindern, dass eine Kinderhand oder ein Fuß die Ansaugung komplett verschließen kann.<BR /><BR />Kritisch sind laut Gasparini dagegen ältere oder einfach gebaute Pools mit nur einer einzelnen Ansaugöffnung, defekten Gittern oder gar völlig ungeschützten Rohren. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337352_image" /></div> <h3> Eine Investition, die Leben rettet</h3>Die effektivste Lebensversicherung im Pool ist ein sogenanntes Vakuum- oder Unterdruck-Abschaltsystem. Registriert diese Technik einen plötzlichen Widerstand – weil beispielsweise Haare oder Gliedmaßen die Öffnung blockieren –, schaltet sich die Pumpe sofort ab. Der Sog bricht augenblicklich ab, und die betroffene Person kann sich befreien.<BR /><BR />Robert Gasparini sieht hier vor allem im privaten Sektor noch Nachholbedarf: „Die Gefahr der Ansaugung einer Kinderhand oder von Haaren ist eine reelle Gefahr und kann nur durch dieses Unterdrucksystem vermieden werden. In Österreich ist man vom technologischen Stand her bereits weiter, denn dort sind so genannte Unterdrucksysteme bei Pumpen häufiger zu finden. Dieses System ist auch für den privaten Bereich erhältlich und ratsam einzusetzen, wenn der Pool von Kleinkindern mitgenutzt wird. In Italien ist dieses System zurzeit allerdings noch nicht verpflichtend und wird oft aus Kostengründen nicht angeschafft.“<BR /><BR />Eine Einsparung an der falschen Stelle, warnt der Experte eindringlich: „Denn die Investition in ein Unterdrucksystem kann Kinderleben retten.“<h3> Was Poolbesitzer und Schwimmbadnutzer beachten sollten</h3>Während in öffentlichen Schwimmbädern Techniker die Anlagen kontinuierlich warten und spröde Teile austauschen, sind private Poolbesitzer selbst in der Pflicht. Der Sterzinger Experte rät dringend dazu, Ansaugstellen wie Skimmer und Bodenabläufe regelmäßig zu kontrollieren. Die Schutzabdeckungen bestehen meist aus Kunststoff. Durch UV-Strahlung, Chlor und Alterung können sie rissig werden. Defekte Teile müssen sofort ersetzt werden.<BR /><BR /><BR />Doch nicht nur im eigenen Pool ist Aufmerksamkeit gefragt. Auch in Hotels oder Ferienanlagen sollten Badegäste vor dem Sprung ins Wasser einen Blick auf die Ansaugöffnungen werfen. Gerade in Urlaubsländern, in denen die Sicherheitsstandards zwar auf dem Papier steigen, ihre Umsetzung in der Praxis jedoch nicht immer konsequent erfolgt, sei Vorsicht geboten, sagt Gasparini. Achten Sie deshalb darauf, dass die Ansaugöffnungen vollständig abgedeckt und unbeschädigt sind, bevor ihr Kind ins Wasser springt. Zudem gilt die goldene Regel: Vor dem Baden sollten langer Schmuck und Haarbänder abgelegt und lange Haare zusammengebunden werden, um ein fatales Verfangen im Sog zu verhindern.