Mittwoch, 02. September 2020

Albtraum vieler Bauern: Kirschessigfliege wieder im Anflug

Sie ist der Albtraum vieler Bauern: Die Kirschessigfliege. Nach dem vielen Regen in den vergangenen Tagen ist die Furcht vor einem erneuten massiven Auftreten des Schädlings groß, berichtet das Tagblatt „Dolomiten“.

Wenn die Kirschessigfliege die Beeren anfrisst, schrillen bei den Weinbauern die Alarmglocken.
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Wenn die Kirschessigfliege die Beeren anfrisst, schrillen bei den Weinbauern die Alarmglocken. - Foto: © shutterstock / .
Wenn die Beeren aufplatzen, dann ist die Kirschessigfliege zur Stelle. Die Bauern sind in Sorge – berechtigterweise, meint Hansjörg Hafner, Weinbau-Bereichsleiter im Beratungsring. „Jeder Bauer und jeder Kellermeister wünscht sich jetzt trockenes Wetter“, sagt Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.

„Dieses Wetter war extrem – speziell für den Weinbau“, sagt Hafner. „Bei den Trauben wurde bereits eine Reifephase erreicht, in der sie sehr anfällig sind für extreme Situationen. Eine verletzte Beere ist dann immer eine Attraktion für die Kirschessigfliege.“

Über 1600 Proben ausgewertet

„Heuer haben wir bei der Kirschessigfliege im Unterschied zum vergangenen Jahr einige Hotspots“, berichtet Florian Sinn, Weinbauberater beim Beratungsring: Nämlich dort, wo es gehagelt habe, wo es starke Regenfälle gab und Beeren verletzt wurden sowie am Waldrand.

Der Beratungsring hat am Freitag – noch vor dem großen Regen – über 1600 Proben aus ganz Südtirol ausgewertet (über 80.000 einzelne Beeren). Bei der Sorte Vernatsch wurde in mehr als der Hälfte der Proben eine Eiablage der Kirschessigfliege nachgewiesen, bei der Sorte Lagrein in knapp 40 Prozent der Proben.

Häufig bei Weinreben in Waldnähe

„Man sieht heuer im Weinbau wieder einen eindeutigen Unterschied zwischen Pergl- und Spalier-Erziehung“, erklärt Sinn. Unterhalb der Pergl sei die Temperatur etwas tiefer als in einer Spalieranlage und die Luftfeuchtigkeit höher. Solche Bedingungen bevorzuge die Kirschessigfliege. In der Spalier-Anlage sei der Schädling viel weniger häufig anzutreffen. Kirschessigfliegen ziehe es oft zu Weinreben in der Nähe des Waldes: Denn im Wald findet die Kirschessigfliege auch Beeren, berichtet Sinn. Zudem sei die Temperatur im Wald gemäßigter.

„Problem entsteht, wenn Eier schlüpfen“

Die Kirschessigfliege befällt nicht nur verletzte, sondern auch gesunde Trauben, erklärt Weinbau-Bereichsleiter Hafner: „Das Weibchen verfügt über einen Sägeapparat, es schneidet die Beerenhaut auf und legt seine Eier unter der Beerenhaut ab. Dies ist für den Weinbauer an sich noch kein Problem, da dieser Schnitt sehr klein ist. Das Problem entsteht dann, wenn die Eier schlüpfen“, berichtet Hafner.

„Dann kommen Raupen heraus und diese fangen an zu fressen. Dadurch entsteht eine Fraßstelle an der Beere – diese sinkt ein wie ein Krater. Sobald die Verletzung der Beere eine gewisse Größe hat, fangen Bakterien und Hefen an zu arbeiten. Essigsäure entsteht – und diese rinnt über die gesamte Traube herunter und dadurch löst sich weitere Beerenhaut auf.“ Bei zu viel Essigsäure müsse die Traube entfernt werden – und könne nicht mehr zu Wein verarbeitet werden.

Auch Botrytis (Graufäule) könnte den Weinbauern noch zu schaffen machen – wegen der Feuchtigkeit. Das Wetter der nächsten Wochen wird entscheidend sein, ob sich die Weinbauern auch mit dieser Plage noch beschäftigen werden müssen.

hof

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