Dienstag, 14. Juli 2015

Algund: Als der Hirsch den Wald verließ

In allen Bars, Lokalen und Straßen Algunds gab es am Dienstag nur ein Thema: Schon das vom Hirsch gehört? Das Wildtier hat am Vormittag für reichlich Aufregung im Dorf gesorgt.

Foto: Johannes von Pföstl
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Foto: Johannes von Pföstl

Die „Geschichte vom Hirsch“ begann eigentlich schon zu Beginn der Woche: Am Montag bereits war das Tier in Apfelplantagen, den sogenannten Etschwiesen, gesichtet worden. Und somit weit ab von dem Gebiet, in dem sich das Wildtier eigentlich herumtreiben sollte.

Vorsorglich wurden Revierleiter und Jäger in Kenntnis gesetzt. Doch gen Montagabend dann meinten die Algunder, die Lage habe sich beruhigt: Der Hirsch war nirgends mehr zu sehen, die Situation schien entspannt, das Tier habe sich wohl wieder in den Wald zurückgezogen.

Doch falsch gedacht: Am Dienstagvormittag tauchte der 100 Kilo-Hirsch wieder auf – mitten in der Handwerkerzone des Dorfes.

Foto: Johannes von Pföstl

 

Springt über zwei Meter hohe Zäune

„Das Tier war auch bei mir zuhause“, sagt Paul von Pföstl. Von Pföstl ist Vizekommandant der Algunder Feuerwehr. „Meine Frau hat den Hirsch im Garten gesehen, der Nachbar ebenso. Das Tier zirkulierte in der gesamten Handwerkerzone, sprang über 1,5 bis 2 Meter hohe Zäune ohne Probleme. Die Leute, die das Tier sahen, mussten sich erst mal die Augen reiben und dachten sich wohl 'Was läuft denn da für ein Film?' Ein Hirsch, mitten in den Privatgärten.“

Weil in einer Handwerkerzone, wie der Name schon annehmen lässt, „eben viel Betrieb“ herrsche, sei das Tier dann zusehends aufgeregter geworden. „Er war leicht in Panik“, sagt von Pföstl. Nervös rannte der Hirsch durch die Zone und peilte am Ende eine Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses an.

 

Die Feuerwehr von Algund schloss das Gitter zur Garage – das Tier saß bis auf weiteres fest. „In der Garage war es schön kühl. Der Hirsch war ab dem Moment eigentlich ganz ruhig“, erzählt von Pföstl.

Tier wird betäubt

Inzwischen hatte sich schon eine Einsatzkette in Gang gesetzt: Die beiden Förster Martin Trafojer vom Amt für Jagd und Fischerei und Ivo Bocchi waren von der Gemeindepolizei Lana gerufen worden. An der Aktion beteiligt waren auch Jagdaufseher Matthias Gamper und Revierleiter Josef Dariz, Tierarzt Dietmar Klammsteiner und Bürgermeister Ulrich Gamper.

„Um 12.45 Uhr wurde das zwei Jahre alte Tier mit einem Betäubungsgewehr auf 20 Meter Distanz betäubt, und zwar im Dunkeln, um es nicht zu erschrecken“, teilt das Land in einer Aussendung mit. Nach einer Viertelstunde war es eingeschlafen.

Alles gut gegangen: Hirsch wieder „daheim“

Der Hirsch wurde dann auf einen Wagen geladen – „wir legten eine Decke unter seinen Kopf, damit er es bequem hat“ (von Pföstl) – und zum Töllwald gefahren.

Foto: Johannes von Pföstl

 

Dort wurde dem Tier das Gegenmittel zur Betäubung verabreicht. „Er kam dann schnell wieder zu sich und lief, eigentlich ganz friedlich, davon“, erzählt der Vizekommandant. „Natürlich etwas benommen. So als hätte er ein paar Bier getrunken.“

Alles gut gegangen: Der junge Hirsch konnte nach erfolgreicher Rettungsaktion wieder in die Freiheit entlassen werden. - Foto: LPA

stol

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