Das Urteil des Kassationsgerichts legt nämlich fest: Wenn ein Autofahrer zwei kurz aufeinanderfolgende Alkoholtests machen muss und die Ergebnisse voneinander abweichen, ist immer der niedrigere Wert entscheidend.<h3> Der Fall aus Kalabrien</h3>Auslöser war ein Vorfall in Kalabrien. Ein Autofahrer war dort von der Polizei angehalten und zweimal direkt hintereinander getestet worden. Der erste Test ergab 1,56 Gramm Alkohol pro Liter Blut – ein Wert, der die höchsten Strafen, was Alkohol am Steuer betrifft, vorsieht. Der zweite Test zeigte hingegen „nur“ 1,32 g/l.<BR /><BR />Trotzdem stützten sich die Richter in der Berufung allein auf die erste Messung und bestätigten sowohl die Verurteilung als auch den Führerscheinentzug. Der Mann legte Beschwerde ein – mit Erfolg: Die Kassation hob das Urteil auf.<h3> Die Begründung</h3>Die obersten Richter machten deutlich, dass die Alkoholaufnahme im Körper nicht linear verläuft. Gerade bei Messungen im kurzen Abstand könne es zu erheblichen Schwankungen kommen.<BR /><BR />Daher müsse der niedrigere Wert maßgeblich sein – im Sinne des Grundsatzes, wonach stets die für den Angeklagten günstigere Auslegung gilt. Ein Automatismus zugunsten der ersten Messung sei nicht rechtmäßig.<h3> Gesetzliche Vorgaben</h3>Der italienische Straßenverkehrskodex schreibt ohnehin zwei Tests vor, um die Zuverlässigkeit der Ergebnisse zu sichern und Messfehler oder physiologische Schwankungen zu vermeiden.<BR /><BR />Die Sanktionen sind dabei klar abgestuft:<BR /><BR /><b>0,5 bis 0,8 g/l:</b> Geldstrafe bis 2.000 Euro, Führerscheinentzug 3–6 Monate.<BR /><BR /><b>0,8 bis 1,5 g/l:</b> Geldstrafe bis 3.200 Euro, bis zu 6 Monate Haft, Führerscheinentzug 6–12 Monate.<BR /><BR /><b>über 1,5 g/l:</b> Geldstrafe bis 6.000 Euro, Haft von 6 Monaten bis 1 Jahr, Führerscheinentzug 1–2 Jahre.<BR /><BR />In jedem Fall werden zusätzlich 10 Punkte vom Punktekonto abgezogen. Für Fahranfänger gilt weiterhin die Null-Toleranz-Regel.<h3> Wichtiger Präzedenzfall</h3>Mit diesem Urteil setzt die Kassation einen wichtigen Präzedenzfall. Polizei und Gerichte müssen sich künftig am für den Fahrer günstigeren Wert orientieren, wenn zwei Messungen unterschiedliche Ergebnisse liefern.<BR /><BR />Die Entscheidung könnte zahlreiche laufende Verfahren beeinflussen – und die Praxis der Verkehrskontrollen in Zukunft deutlich verändern.