Schwangere Frauen seien in ihrem Wunsch nach einer alkoholfreien Schwangerschaft zu unterstützen. Nur dann könnten alkoholbedingte Beeinträchtigungen beim Kind vermieden werden, betonen Dr. Lucia Canzian, Immunologin und Ärztin bei „Hands“, und Bruno Marcato, Direktor des Vereins.<BR /><BR /><b>Fehlgeburten, Frühgeburten, Totgeburten, plötzlicher Kindstod, angeborene Fehlbildungen</b><BR /><BR /> Die aktuelle Forschung lässt es laut „Hands“ nicht zu, eine risikofreie Trinkmenge oder einen risikofreien Zeitraum in der Schwangerschaft zu benennen, bei dem Alkohol keinen negativen Effekt auf den Fötus hat. „Die Schäden für Neugeborene können beträchtlich sein“, betonen die Verantwortlichen von „Hands“. Dazu gehören Fehlgeburten, Frühgeburten, Totgeburten, plötzlicher Kindstod, angeborene Fehlbildungen, niedriges Geburtsgewicht und eine Reihe anderer Störungen. <BR /><BR /><b>Menschen mit FASD-Störungen zeigen Defizite beim abstrakten Denken, bei Organisation und Planung</b><BR /><BR />Der Fötus könne keinen Alkohol verstoffwechseln, da ihm die entsprechenden Enzyme fehlten. Daher reichere sich der Alkohol im Nervensystem und in anderen Organen des Embryos an, schädige Gehirnzellen und das Gewebe der sich bildenden Organe direkt und irreversibel.<BR /><BR />Alle kindlichen Beeinträchtigungen aufgrund von Alkoholkonsum werden unter dem Kürzel „FASD“ (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) zusammengefasst, schreibt „Hands“. Menschen mit FASD-Störungen zeigen demnach Defizite beim abstrakten Denken, bei Organisation und Planung, beim Lernen und Erinnern von Ereignisabläufen sowie bei der Verknüpfung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen. <BR /><BR /><b>400 Begleiterkrankungen</b><BR /><BR />„Sie haben Defizite beim Sprechen, im sozialen Miteinander, bei der Wahrnehmung ihres Gegenübers und bei ihrer Verhaltensregulierung“, erklärt Dr. Lucia Canzian. Die derzeit bekannte Liste umfasse über 400 Begleiterkrankungen, die zu mehr oder weniger schweren Behinderungen führen und die Menschen ihr Leben lang begleiten.<BR /><BR /> Beim schwerwiegenderen FAS (Fetales Alkoholsyndrom) sind Wachstumsverzögerungen, körperliche Auffälligkeiten, insbesondere am Kopf und im Gesicht, sowie Dysfunktionen des zentralen Nervensystems mit entsprechenden Folgeschäden zu beobachten.<BR /><BR /><b>Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit jede 10. Frau während der Schwangerschaft Alkohol zu sich nimmt</b><BR /><BR /> Kleine Augen, dünne Oberlippen, die Abflachung des Bereichs zwischen Nase und Oberlippe, die Verformung von Gelenken, Gliedmaßen und Fingern, Wachstumsverzögerung, Seh- und/oder Hörprobleme, ein geringerer Kopfumfang und eine reduzierte Gehirngröße, Herzfehler sowie Nieren- und Knochenprobleme werden festgestellt. FAS kann auch verzögerte geistige Entwicklung und verminderte Intelligenz mit sich bringen.<BR /><BR />Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit jede 10. Frau während der Schwangerschaft Alkohol zu sich nimmt. Weltweit seien jährlich 10.000 Neugeborene vom fetalen Alkoholsyndrom und von fetalen Alkoholstörungen betroffen. In Europa konsumiert im Durchschnitt ein Viertel der schwangeren Frauen Alkohol, wobei 2,7 Prozent zu einem übermäßigen Alkoholkonsum neigen. Für Südtirol gibt es keine spezifischen Zahlen, bedauert Marcato. <BR /><BR />Leider gibt es keine Diagnosemethode, um das Vorhandensein eines fetalen Alkoholsyndroms oder eines Störungsspektrums festzustellen, sagt Dr. Canzian.. Die Diagnose werde in der Regel durch eine Reihe von Untersuchungen gestellt, bei denen andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen wie ADHS ausgeschlossen werden.<BR />