Dienstag, 28. Mai 2019

Alkohol ist immer schädlich

Es gibt keinen Grenzwert für Alkoholkonsum. Er ist immer schädlich. Zahlreiche Arzneimittel können mit Alkohol interagieren. Dies stellte Martina Anditsch, Leiterin der Apotheke des Wiener AKH, am Dienstag in einem Vortrag bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado dar.

Regelmäßiger Konsum erhöht drastisch das Risiko für Krebs im Mundbereich, Kehlkopf, Ösophagus, Magen, Leber und Pankreas.
Regelmäßiger Konsum erhöht drastisch das Risiko für Krebs im Mundbereich, Kehlkopf, Ösophagus, Magen, Leber und Pankreas. - Foto: © shutterstock

Es gibt keine echte Schwelle, aber welcher der Konsum von Alkohol schädlich wird. Eine 2016 in der britischen Medizin-Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienene epidemiologische Studie für 195 Staaten und Regionen der Erde kam zu folgendem Fazit: „Es existiert kein sicherer Wert für Alkoholkonsum“, wie die Krankenhausapothekerin zitierte.

In einer britischen Studie, ebenfalls im „Lancet“ erschienen, wurde der Alkohol auf einer Skala von 0 bis 100 mit einem Wert von 72 als die gefährlichste Droge eingestuft. Heroin kam mit 55 Punkten an die zweite Stelle, Crack (54) an die dritte Stelle. „Alkoholkonsum ist jährlich weltweit für 2,8 Millionen Todesfälle verantwortlich“, sagte Martina Anditsch.

Regelmäßiger Konsum erhöht Risiko für Krebs drastisch

Besonders kritisch ist Alkohol im Zusammenhang mit Krebs zu sehen: Regelmäßiger Konsum erhöht drastisch das Risiko für Krebs im Mundbereich, Kehlkopf, Ösophagus, Magen, Leber und Pankreas. Er ist auch einer der stärksten Risikofaktoren für das Mammakarzinom bei Frauen, weil er die Östrogenspiegel anhebt. Kommt Rauchen noch hinzu, potenziert sich das Risiko. Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist besonders das stark erhöhte Schlaganfallrisiko bei chronischem Alkoholkonsum hervorzuheben.

Naturgemäß gibt es zahlreiche Interaktionen mit Arzneimitteln. So dämpft Alkohol das Atemzentrum im Gehirn. Diese zentralnervöse Dämpfung ist aber auch ein Nebeneffekt von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, sedierenden Antidepressiva, Antihistaminika, Antipsychotika, Antiepileptika etc. Hier kann sich die Wirkung gefährlich potenzieren.

Nichtsteroidale Antirheumatika oder Aspirin wiederum greifen an sich die Magenschleimhaut an. Genau das gleiche macht auch Alkohol. Eine verstärkte Lebertoxizität kann eine Kombination von Alkohol und Wirkstoffen wie Agomelatin oder Dulexitin gegen Depressionen verursachen. Und schließlich kann es bei Einnahme von Antidrepressiva wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmern und ähnlichen Medikamenten (auch bei Opioid-Schmerzmitteln) zu Krampfanfällen kommen.

apa

stol