<b>Im Interview erklärt er, was Verbote bewirken, welche Lösungen er vorschlägt, wieso sogar der Papst unrecht hat und was die Schule damit zu tun hat.<BR /><BR />Herr Pallua, können Sie verstehen, dass Schüler das Schulende nach 9 oft strengen Monaten ausgelassen feiern wollen?</b><BR />Florian Pallua: Es ist wichtig und Teil der menschlichen Kultur einen besonderen Anlass zu feiern. Ob das Schulende ein so wichtiger Tag ist, ist eine andere Frage. In den vergangenen Jahren hat sich etwas in den Köpfen geändert. Schule ist für viele „scheiße“ und nur eine lästige Pflicht. Am letzten Schultag fühlen sich Schüler befreit. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="905881_image" /></div> <BR /><b>Schüler wollen diese „Befreiung“ verständlicherweise feiern.</b><BR />Pallua: Ja, sie feiern aber auch, weil diese Partys in den letzten Jahren gehypt werden. Für viele Schüler ist die Feier am Jahresende ein Pflichttermin. Soziale Medien haben dazu sicher beigetragen. Der Hauptgrund bleibt aber das Freiheitsgefühl: Wenn ich die Schule als Last empfinde, werde ich am Ende ausgelassen feiern. <a href="https://www.stol.it/artikel/panorama/florian-pallua-die-jugendlichen-sollten-ernster-genommen-werden" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Ähnlich wie nach den Corona-Lockdowns.</a><BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-59949347_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Ist ein Alkoholverbot die Lösung?</b> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/alkoholverbot-in-brixen" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(Brixen hat ein solches verhängt)</a><BR />Pallua: Ich bin gegen Restriktionen. Man löst damit 2 Reaktionen der Jugendlichen aus: Entweder sie rebellieren, sagen: „Jetzt erst recht!“ und gehen auf Konfrontation mit dem Gesellschaftssystem oder sie resignieren. Es wäre sinnvoller, Streetworker einzustellen oder Festivalbegleiter. Die Initiative hat es heuer gegeben, leider kam sie zu spät. Deswegen wurde dann wahrscheinlich das Alkoholverbot verhängt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="905884_image" /></div> <BR /><b>Mit dem Verbot werden die Schüler indirekt gezwungen, sich den Alkohol in den Bars und Clubs zu kaufen. Ist das nicht pure Abzocke?</b><BR />Pallua: Das ist ein Randeffekt des Verbots. Nur weil man den Alkohol auf den Straßen verbietet, heißt es nicht, dass Jugendliche nichts trinken. Ich glaube aber nicht, dass es den Verantwortlichen ums Geld geht. Es geht ihnen wirklich um die Sicherheit und die öffentliche Ordnung. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-59951253_quote" /><BR /><BR /><b>Welche Lösung schlagen Sie vor?</b><BR />Pallua: Die Schule sollte sich fragen, wieso Schüler nach den 9 Monaten ein solches Bedürfnis haben, zu feiern. Ich finde, die Schule ist eine riesige Baustelle. Durch ChatGPT, Youtube oder Wikipedia ist sie im Wandel. Man sollte sich die Frage stellen: Sollte es in der Schule mehr um Inhaltsvermittlung oder um Persönlichkeitsentwicklung gehen? Ich finde die Zeit ist gekommen, um den Fokus auf Zweiteres zu legen und den Schülern damit den Leistungsdruck zu nehmen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="905887_image" /></div> <BR /><b>Ist es damit getan?</b><BR />Pallua: Ein weiteres Problem ist die Südtiroler Leitkultur, dass Feiern nur mit Alkohol geht. Wenn Schüler ohne Alkohol feiern könnten, gäbe es wahrscheinlich kein Problem. Die Gesellschaft müsste hier umdenken. <BR /><BR /><b>Sogar der Papst hat einmal gesagt „ohne Wein, keine Feier“. Hat er unrecht?</b><BR />Pallua: Ja wenn's der Papst sagt ... Nein, ich finde, der Papst hat öfters unrecht. Ein Blick nach Süden ist das beste Beispiel: Das Ausgehen in Italien ist viel mehr mit Tanzen und Frauen oder Männer kennenlernen verbunden. Bei uns in Südtirol ist Ausgehen gleich saufen.