Etwa alle 3 Monate wird inzwischen im Trentino ein Mensch von einem Bären attackiert. Auch in Südtirol steigt nun die Sorge.<BR /><BR />Es geschah am Samstagnachmittag, kurz nach 17 Uhr. Der 33-Jährige aus dem Piemont stammende Mann war zum Pilzesammeln im Wald unterwegs, im Gemeindegebiet von Bleggio Superiore, nicht weit entfernt von den Häusern, als ihn plötzlich ein Bär von hinten attackierte. Der Mann fiel zu Boden. Der Bär startete daraufhin einen weiteren Angriff. Am Ende konnte der 33-Jährige aber verletzt flüchten. Er kam mit schmerzhaften, tiefen Kratzern am Rücken und an den Armen davon. Nach dem Angriff kehrte der 33-Jährige zu Fuß ins Dorf zurück und schlug Alarm. Im Krankenhaus von Tione wurde der Mann dann verarztet.<h3> Land kündigt Entnahme an</h3> Noch am Samstagabend gab das Land in einer Mitteilung bekannt, dass das genetische Material auf der Kleidung des 33-Jährigen nützlich für die Identifizierung des Bären sein könnten, um dann die Entnahme vorzunehmen.<h3> Beunruhigend: Bären zieht es jetzt in tiefere Lagen</h3>Der Trentiner Forst-Landesrat Roberto Failoni informierte noch am Samstagabend die Bürgermeister im Gebiet rund um Bleggio Superiore. Einen konkreten Verdacht, welcher Bär es gewesen sein könnte, habe man derzeit nicht. Beunruhigend für die Anwohner: Der Angriff ereignete sich nicht irgendwo weitab von menschlichen Siedlungen, sondern in unmittelbarer Nähe zum Dorf. Jetzt, im Herbst, kurz vor der Winterruhe, begeben sich die Raubtiere in tiefere Lagen, erklärte der Forst-Landesrat. Auch wenn jetzt der Winter naht – sicher ist man in der Nachbarprovinz vor den Raubtieren nicht: Auch in der kalten Jahreszeit sind im Trentino bereits Bären gesichtet worden. Die Bären-Population in der Nachbarprovinz wird auf weit über 100 geschätzt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1086375_image" /></div> <Zwischentitel> <h3>Landesrat Walcher: Staat muss jetzt Farbe bekennen</h3></Zwischentitel><BR />„Die Sache ist klar“, meint Südtirols Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher: „Je mehr Bären wir haben, desto mehr Angriffe gibt es und desto mehr riskieren wir, dass ein weiterer Mensch getötet wird.“ Im Verbund mit den Nachbarländern werde man auf das Thema Großraubwild weiter aufmerksam machen – so auch diese Woche bei der ARGE-ALP-Konferenz, kündigt Walcher an. „Eine Lösung ist für uns immens wichtig. Wir riskieren auch in Südtirol, dass Leute durch das Großraubwild – Bären und Wölfe – ihr Leben verlieren.“ Für Walcher steht fest: „Nun muss endlich der Staat über das Umweltministerium Farbe bekennen. Der Staat ist für die Umsetzung der Richtlinien zum Großraubwild zuständig.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1086378_image" /></div> <BR /><BR />„Die Situation im Trentino ist völlig entglitten“, meint der Direktor des Südtiroler Jagdverbandes, Benedikt Terzer. „Die Landesregierung bemüht sich nachweislich darum, Lösungen herbeizuführen. Allerdings tritt die Politik auf der Stelle.“<BR /><Zwischentitel> <h3>Terzer: Landesregierung im Würgegriff</h3></Zwischentitel><BR />Die Bestimmungen – wie das Landesgesetz, welches die Entnahme einer bestimmten Anzahl von Wölfen ermöglichen würde – sind nicht umsetzbar, betont Terzer. „Und auch wenn ein Bär nachweislich höchst gefährlich ist, ist man im Trentino nicht imstande, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Diese werden durch Einsprüche von Tierrechtsorganisationen verunmöglicht. Die Trentiner Landesregierung befindet sich im Würgegriff radikaler Tierrechtsorganisationen, die jegliche Maßnahme sofort torpedieren und somit ein konkretes Management verunmöglichen“, sagt Terzer. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1086381_image" /></div> <BR /><Zwischentitel> <h3>Hofer: Mit Angriffen wird vermehrt zu rechnen sein</h3></Zwischentitel><BR />Bergbauernsprecher Alberich Hofer meint: „Alles ist außer Kontrolle geraten – und das sind nun die Ergebnisse. Man wird in Zukunft vermehrt damit rechnen müssen, dass Menschen angegriffen werden. Dabei trauen sich viele Menschen ja gar nicht mehr in den Wald. Der Wald ist heute nicht mehr so begangen wie vor 10 oder 15 Jahren. Es ist für mich unverständlich, dass die Tieraktivisten noch ein ruhiges Gewissen haben können.“ Die Gerichte seien im Falle des Großraubwildes nicht imstande, Urteile zu fällen, die einem logischen Hausverstand entsprechen, kritisiert Hofer. Spätestens, als die Zahl der Bären im Trentino bei 50 bis 60 lag, hätte man müssen eingreifen. Jetzt seien es 120 Bären – aber die Dunkelziffer sei sicher höher.<BR />Die Raubtierschützer kritisieren beim Angriff am Samstag das Verhalten des Pilzesuchers: Er habe keine präventiven Maßnahmen getroffen, schreibt die LAV. Womöglich hätte ein Glöckchen gereicht, um den Angriff zu vermeiden.