„Alle Kinder haben das Recht, vor Gewalt geschützt zu werden“, sagt Dr. Micòl Cont, Primaria der Pädiatrie am Krankenhaus Sterzing, „allerdings reicht Gewalt gegen Kinder und Jugendliche weit über körperliche und sexuelle Misshandlungen hinaus.“ <h3> „Schläge, Demütigungen oder Gleichgültigkeit haben Konsequenzen für Persönlichkeitsentwicklung“</h3>Das Spektrum umfasse auch subtilere Formen an Gewalt, Formen der Misshandlung, über die oftmals hinweggesehen wird: Vernachlässigung, psychische Gewalt, verbale Einschüchterungen. „Schläge, Demütigungen oder Gleichgültigkeit haben einschneidende Konsequenzen für die Persönlichkeitsentwicklung“, unterstreicht Cont und schlussfolgert: „Das Risiko, später im Erwachsenenleben selbst zum Täter bzw. noch eher zum Opfer zu werden, ist für Betroffene hoch.“ <BR /><BR />Die Zivilgesellschaft müsse sich dieser Gewaltspirale bewusst werden und etwas dagegen unternehmen – im Sinne der Betroffenen und zum Zwecke einer positiven Weiterentwicklung des menschlichen Miteinanders.<h3> „Pro Child – Protecting Children“</h3> Deshalb organisiert sie in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb am heutigen Nachmittag das Symposium „Pro Child – Protecting Children“ mit einer Reihe von namhaften Referenten aus unterschiedlichen Sparten (Medizin, Pädagogik, Soziologie, Psychologie). <BR /><BR />Als eines der Ziele nennt Cont die Etablierung von sog. Kinderschutzgruppen in Südtirol, einem in den Krankenhäusern angesiedelten Expertengremium, das sich bei Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und ähnlich gelagerten Fällen automatisch einschaltet. In Deutschland gibt es mehr als 220 von solchen Kinderschutzgruppen, in Italien lediglich deren 6.<h3> Anfragen von Minderjährigen an Kinder- und Jugendanwaltschaft haben sich verdreifacht</h3>Um die Wahrung der Kinderrechte, Sensibilisierung und konkrete Interventionen kümmert sich hierzulande vor allem die Kinder- und Jugendanwaltschaft mit Daniela Höller an der Spitze. Der aktuelle Tätigkeitsbericht offenbart eine Reihe von essenziellen Aspekten, beispielsweise Ängste und Hoffnungen von Minderjährigen, Präventionsarbeit sowie Initiativen für Teilhabe und Vernetzung. <BR /><BR />Die Anfragen von Minderjährigen an die Kinder- und Jugendanwaltschaft haben sich seit 2021 verdreifacht – so wurden im vergangenen Jahr 1477 Fälle behandelt. <h3> Breite Themenpalette</h3>Die Anfragen betrafen vor allem den Kinder- und Jugendschutz, die Schule, Inklusion, Trennung und Scheidung, Mobbing und Gewalt. Entsprechend umfangreich und zielgerichtet (etwa über die Kanäle der sozialen Netzwerke) wurden die Informationsprojekte abgestimmt – die Themenpalette reichte von der Namensgebung über die Schulwahl bis hin zu Ausgehzeiten und Piercing. <BR /><BR />Im September 2023 wurde eine Anti-Mobbing-Nummer (Grüne Nummer 800778391) aktiviert. Immer öfter wenden sich Minderjährige selbst an die Kinder- und Jugendanwaltschaft, mit Vorträgen und Workshops wurden rund 3000 Minderjährige erreicht. All das zeigt: Es tut sich hier so einiges in punkto Kinderrechte, gleichzeitig wird nach Ansicht der Experten deutlich, dass noch sehr viel getan werden muss.