Dienstag, 09. Juli 2019

Alpenvereine sagen Bettwanzen auf Hütten den Kampf an

Seit einigen Jahren kommt es auf Schutzhütten im ganzen Alpenraum vermehrt zu Befällen mit Bettwanzen. Nun sagen die Alpenvereine Südtirols, Österreichs und Deutschlands mit ihren knapp 600 Hütten den blutsaugenden Insekten den Kampf an. In einer gemeinsamen Broschüre werden Wanderer, Bergsteiger und Hüttenwirte aufmerksam gemacht, wie sie gegen die Verbreitung der lästigen Tiere beitragen können. STOL hat sich bei Martin Niedrist vom AVS-Hüttenreferat über die Situation in Südtirol erkundigt.

Dort wo die Tier Blut saugen, bilden sich meist juckende gerötete Pusteln, manchmal auch Blasen und Quaddeln.
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Dort wo die Tier Blut saugen, bilden sich meist juckende gerötete Pusteln, manchmal auch Blasen und Quaddeln. - Foto: © shutterstock

Als eine Ursache für die Zunahme der einst als ausgerottet geglaubten Parasiten gilt heute der Tourismus. Häufig sind darum Hotels, Hostels, aber auch Verkehrsmittel wie die Bahn betroffen. „Das Problem ist also kein hüttenspezifisches, es ist in den Bergen nur sehr viel schwieriger zu bekämpfen“, erklärte Martin Niedrist gegenüber STOL. „Wie sich die Situation genau in Südtirol darstellt ist schwierig zu sagen, es gibt wenige Daten“, so Niedrist. Fakt ist, dass besonders eine Hütte befallen war. Mittlerweile sei das Problem aber unter Kontrolle gebracht worden.

Ein Befall hat aber nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Die Tiere werden einfach eingeschleppt. Besonders seit Weitwandern so hoch im Kurs stehe, reisen im Rucksack oft nicht nur die Ausrüstungsgegenstände der Bergsteiger, sondern auch Wanzen von Hütte zu Hütte mit.

Ein Weibchen reicht aus

Ein einziges mitgeschlepptes befruchtetes Weibchen kann dann schon ausreichen, um anderswo einen Befall auszulösen. „Das Problem aus Angst vor Gästeschwund oder Imageverlust tot zu schweigen, ist dabei die völlig falsche Strategie“, betont etwa auch Peter Kapelari vom Österreichischen Alpenverein. Vielmehr sei eine rasche Reaktion wichtig. „Wenn ich eine Saison lang nichts tue, vermehren sich die Tiere. Zuerst von Raum von Raum, dann bis nur mehr sehr aufwendig gehandelt werden kann.“

Wie auch Niedrist vom AVS betont, seien die Tiere hartnäckig. „Sie verstecken sich etwa hinter den Holzvertäfelungen und überleben auch mehrere Monate ohne Nahrungsaufnahme. Weil die Wanzen nachtaktiv sind und sich bei Tag in Holzritzen, Hohlräumen, hinter Wandverkleidungen, Zierleisten oder Steckdosenverkleidungen verstecken, bekommt man sie selten zu Gesicht“, so der Experte. Da der Einsatz von Insektiziden von den Alpenvereinen skeptisch gesehen wird, seien bauliche Umbaumaßnahmen eine gute Lösung für das Problem. Auch eine thermische Bekämpfung sei denkbar, da Bettwanzen Temperaturen von über 55 Grad über einen längeren Zeitraum nicht überleben. Allerdings sei auch diese Methode schwer umzusetzen und aufwändig, da die Hütten schlecht gedämmt sind. 

Sensibilität für Thema entwickeln

Deshalb setzten die Alpenverein nun auf Prävention. Dank der neuen Broschüre sollen Wanderer und Hüttenwirte Sensibilität für das Thema entwickeln.

„Wenn ich jemanden mit typischen Wanzenstichen im Gesicht sehe, sollte es heißen, dein Rucksack geht besser nicht mit ins Lager“, so Kapelari. Dort wo die Tier Blut saugen, bilden sich meist juckende gerötete Pusteln, manchmal auch Blasen und Quaddeln. Freilich: Für Stiche – vor allem im Sommer – können auch andere Insekten infrage kommen. Krankheiten übertragen Bettwanzen übrigens nicht. „Bettwanzen sind als Lästlinge eingestuft, und nicht als Schädlinge“, betont auch Niedrist gegenüber STOL. 

Rucksack am besten nicht ins Zimmer

Der Flyer empfiehlt Wanderern etwa, ihre Rucksäcke nicht nur regelmäßig auf Wanzen zu kontrollieren, sondern sie auf Hütten in fest verschließbaren Säcken aufzubewahren, damit keine Tiere rein- oder rausgelangen können. Oder eigene Räume für Rucksäcke zu nutzen, wenn es sie gibt. „Am Jakobsweg sind solche Schleusen schon gang und gebe, damit keiner seinen Rucksack mit aufs Zimmer nimmt“, sagte Kapelari. Und es kann helfen, sein Gepäck an Kleiderhaken oder auf Stühlen weit weg vom Schlafplatz zu deponieren.

„Manchmal geben Wirtsleute auch eigene Hüttenschlafsäcke aus, die täglich mit 60 Grad gewaschen werden.“ Das sei aber auf vielen Hütten angesichts der Wasserversorgung, des hohen Energiebedarfs und der verwendeten Waschmittel oft nicht ökologisch. Hüttenwirte sollten auch sofort informiert werden, wenn Bettwanzen, ihre Kotspuren – kleine schwarze Punkte in den Verstecken der Tiere -, oder Häutungshüllen entdeckt werden. 

apa/stol/vs

stol