Im Gespräch mit der älteren Generation der Villnösser Bevölkerung über den Ausgang des Zweiten Weltkrieges wird unausweichlich eine schaurige Erinnerung wach: die großen Bombenabwürfe am 28. Februar im Jahre 1945.<BR /><BR />Die alliierten Kampfflugzeuge wollten eigentlich die Albeinser Eisenbahnbrücke bombardieren, um den Zugverkehr zu unterbrechen. Weil sie aber von Flugabwehrkanonen beschossen wurden, mussten die Bomben schon früher abgeworfen werden. So fielen innerhalb von fünf Stunden über 200 Bomben auf das westliche Villnössertal.<BR /><BR /> „Allein auf den abgelegenen Riglhof im Flitzer Weiler gingen 27 Sprengkörper nieder“, erinnert sich die 94-jährige Filomena Messner Pramsohler vom Jaiterhof. Es sei wohl ein Wunder, dass kein Todesfall zu beklagen war, denn die Frau am Hof saß mit ihrem Kleinkind am Ofen, der aufgrund der großen Erschütterungen hinter ihr zusammenfiel. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1212222_image" /></div> <BR /><BR />Als großen Glücksfall und an ein Wunder grenzend bezeichnet Hermann Vikoler (97) vom Tschinefreiderhof diesen Tag. Es war schon vereinbart gewesen, an diesem Tag vom benachbarten Riglhof Heu zu holen. „Gott sei Dank war das Pferd des Nachbars außer Gefecht, und wir konnten deshalb nicht dorthin. Sonst wären mein Vater und ich wohl in den Bombenhagel geraten. Ich war damals 17 Jahre alt. Im Weiler Pardell war das Ausmaß des Anschlages enorm, sodass die Fensterscheiben durch die Druckwellen der Bombenexplosion zerbrachen. Die Kühe im Stall wurden mit Glassplittern verletzt und standen blutüberströmt da.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1212225_image" /></div> <BR /><BR />Auch die Kirche von St. Valentin beim Pfaltinerhof wurde durch 16 Bomben in Mitleidenschaft gezogen, weiß der 97-jährige Johann Profanter vom Bloseggerhof zu berichten und erinnert an die gewaltigen Rauchschwaden über dem ganzen Tal.<BR /><BR />Bis kurz vor Kriegsende war die Bevölkerung überzeugt, Hitler würde den Krieg doch noch gewinnen. Noch viele entsinnen sich an die straffe Organisation der Hitlerjugend. „Die Ausbildung fand im Nebenhaus des Gasthofs ,Kabis' statt, Schießübungen im nahe gelegenen Steinbruch, Marschierübungen auf dem Dorfplatz, imitierte Kampfübungen im Kriechen in den benachbarten Wiesen und Wäldern“, erzählt Profanter. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1212228_image" /></div> <BR /><BR />Aber auch die Mädchen sangen bis zum Kriegsende mit Begeisterung die patriotischen Kriegslieder, weiß Vikoler zu berichten und erzählt dazu die wahre Begebenheit: „Nach Kriegsende fand man im Wald eine unter dem Moos versteckte Blechbüchse, in der Hitler-Lieder und die Namen der überzeugten Villnösser ,Nazis' zu finden waren. Natürlich ließ man diese auf schnellstem Weg verschwinden.“<BR /><BR />Der 95-jährige Altbürgermeister Johann Messner erinnert sich gut, dass mit dem Sturz Mussolinis eine neue Epoche anbrach. „Bis dahin hatten wir – abgesehen von den heimlichen Katakombenschulen – nur italienischen Unterricht. Mein Vater, der zum kommissarischen Bürgermeister ernannt worden war, musste auf Anweisung der Alliierten sofort nach Kriegsende sein Amt niederlegen.“ Sechs Personen erhielten vorerst gar nicht die italienische Staatsbürgerschaft, weil sie in der Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland mitgewirkt hatten.