Südtirol Online: Frau Fink, ist während der vergangenen zehn Tage im Hotel alles nach Plan verlaufen? Helga Fink: Sogar mehr als nur nach Plan. Man kann wirklich sagen, die Sportler sind als Gäste gekommen und heute als Freunde abgereist. Es war sehr, sehr rührend. Wir haben sicherlich viel dazu beigetragen, dass sie heute als eine Mannschaft und voller Energie abgereist sind. Jeder hat uns zu verstehen gegeben, wie sehr sie die Privatsphäre geschätzt haben. Sie konnten entspannen, am Abend herrschte eine Stimmung unter Freunden. Man konnte wirklich sehen, wie aus zwei Mannschaften, Dortmund und Bayern, ein tolles Team wurde. Stol: Sie klingen etwas wehmütig… Fink: Ja, absolut. Wir haben die Mannschaft heute mit Tränen in den Augen verabschiedet. Oliver Bierhoff, Hansi Flick, Jogi Löw und Andreas Köpke haben zum Abschluss noch eine rührende Abschiedsrede gehalten. Es war sehr schön. Stol: Wie haben Sie die Spieler erlebt? Fink: Sie haben ihre spielfreie Zeit in vollen Zügen genossen. Es gab immer ein volles Programm, da haben sie ihre freien Stunden natürlich ausgekostet und mit Golfen, Beachvolley, Massagen und im Fitnessraum und der Sauna verbracht. Sehr viele haben angekündigt, mit ihrer Familie wiederkommen zu wollen. Die Spieler haben vor allem die Abgeschiedenheit, die Privatsphäre sehr genossen. Es ist unglaublich, wie die Mannschaft von ihren Fans bombardiert wird. Wir waren in diesen zehn Tagen das meist bewachte Haus in Europa. Stol: Gab es einige lustige Episoden? Fink: Einmal haben die Spieler mit einem deutschen Journalisten abgerechnet, der sich wohl in einem Artikel kritisch über sie geäußert hat. Also haben sie ihn beim offenen Medientag zum Spaß ins Schwimmbad geworfen.Was auch sehr lustig war: Thomas Müller hat im Rahmen eines kleinen Golfturniers gegen einen der Betreuer verloren. Zur Strafe musste er die Mannschaft am Abend im Dirndl bedienen. Ich habe sehr gehofft, dass Thomas verliert: Es war sehr viel einfacher, ein passendes Dirndl in seiner Kleidergröße zu finden. Stol: Gab es denn schon Auswirkungen des Trainingslagers auf ihr Hotel? Fink: Es hat uns unheimlich viel gebracht. Wir haben heute im ganzen Haus Anreise, für 80 Zimmer. Wir sind gerade dabei, alles herzurichten, wir haben ja gerade die Mannschaft verabschiedet. Während des Trainingslagers war das ganze Passeiertal gut ausgebucht. Stol: Sie sagen es gerade selbst, Sie sind wieder zurück zur Routine. Wie geht es Ihnen dabei? Fink: Eigentlich ist es sehr angenehm, denn jetzt kann endlich wieder jeder zur Tür hereinkommen. Das abgesperrte Dasein ist wahrlich nicht angenehm. Wir waren sehr froh, als heute die Schranke wieder geöffnet wurde und jeder wieder reinkommen durfte. Stol: Und zu wem halten Sie nun bei dieser Fußball-WM in Rio?Fink: Nun, wenn man die Mannschaft kennt, dann ist es ja ganz klar. Ich habe schon immer zu Deutschland gehalten, aber jetzt noch mehr.Interview: Elisabeth Turker