Vor 20 Jahren wurde in Italien per Staatsgesetz die Figur des sogenannten Sachwalters für beeinträchtigte Personen eingeführt. Grund genug für den Verein, heute auf einer Tagung einen Rückblick auf die vergangenen Jahre und auf die Zukunft zu werfen. <BR /><BR />Und so stehen auf der heutigen Tagung insbesondere die zukünftigen Bedürfnisse der alternden Bevölkerung und die dafür benötigten Strategien und Maßnahmen im Mittelpunkt. „Aktuell haben wir allein in Südtirol 13.000 Personen die an einer Demenzerkrankung leiden. Viele davon können bereits oder werden in naher Zukunft ihre Angelegenheiten nicht mehr selber regeln können. Dann braucht es einen Sachwalter, der zum Wohle und im Sinne der beeinträchtigten Person entscheidet, in die Wege leitet und die nötigen Unterschriften setzt“, erklärt Rigamonti. Sie appelliert dabei auch an die Bevölkerung, rechtzeitig für den Fall der Fälle im Sinne der größtmöglichen Selbstbestimmung die eigenen Wünsche zur Sachwalterschaft zu deponieren. „Es genügt, beim Notar schriftlich die bevorzugte Person zu hinterlegen“, sagt sie. <BR /><BR />Aktuell fungieren in 70 Prozent der Fälle Familienangehörige als Sachwalter und „nur“ in 30 Prozent Außenstehende. Das können freiwillige Personen sein, häufig auch Anwälte und „in Südtirol ganz neu auch unser Verein“, berichtet Rigamonti. Formell übernimmt der Vereinspräsident die Aufgabe, kann diese dann aber ganz offiziell an die Mitglieder und Mitarbeiter im Verein delegieren. „Wir sind sehr gut aufgestellt, auch mit vielen unterschiedlichen Kompetenzen. Das ist bei der Übernahme einer Sachwalterschaft sicher von Vorteil“, erzählt Rigamonti. <BR /><BR />Eine Basisausbildung ist aber in jedem Fall Pflicht, wenn man die Aufgabe eines Sachwalters übernehmen möchte. „Wir bieten darüber hinaus aber auch spezifische weiterführende Kurse an“, sagt die Direktorin. Aktuell betreut der Verein als solcher bereits 27 beeinträchtigte Personen. Zudem geht der Verein auch regelmäßig in einige Altersheime, um dort sowohl Bewohner als auch Verwalter zu informieren und zu beraten. Und man bietet den Mitgliedern (Sachwaltern) eine Plattform für einen regelmäßigen Austausch untereinander. <BR /><BR />Neben den lokalen Projekten hat der Verein aber auch „das große Ganze“ im Blick. „Es muss Ziel sein“, sagt Rigamonti, „als nächsten Schritt die in Italien immer noch gesetzlich verankerte Entmündigung/Teilentmündigung abzuschaffen“, fordert sie. Diese Praxis widerspreche den UN-Menschenrechten. Zudem stehe Italien damit mittlerweile so gut wie alleine da, „überall anders wurde das bereits abgeschafft“. <BR /><BR />Wie sich der demografische Wandel auf den Bereich Sachwalterschaft auswirken wird, dazu hält heute Biostatistiker Markus Falk einen Vortrag im Rahmen der Tagung. Zu den wichtigsten Eckdaten gehört dabei die Verdopplung der Anzahl der Über-80-Jährigen bis 2050, „also eben die Altersgruppe, in der Sachwalter am häufigsten gebraucht werden“, so Falk. Das alleine spricht schon dafür, dass auch die doppelte Zahl an Sachwaltern benötigt werden wird. „Doch es kommt erschwerend hinzu, dass darunter immer mehr Singles und kinderlose Personen sein werden, die auf einen externen Sachwalter angewiesen sein werden“, prophezeit Falk. Schwer abzuschätzen sei, wie die gesundheitliche Verfassung der dann über 80-Jährigen sein wird: „Derzeit haben 10 Prozent dieser Alterskategorie einen Sachwalter, aber der Anteil könnte bis 2050 auch steigen“. Er mahnt daher: „Wir wissen, dass dieser Wandel und damit dieses Problem kommen. Die Frage ist, wird jemand etwas tun? Lehren aus der Vergangenheit zeigen, dass wir meist erst reagieren, wenn es schon brennt.