Die Kriegsjahre des Ersten Weltkrieges an der Dolomitenfront zählen zum dunkelsten Kapitel der Dorfgeschichte Sextens. Bereits Ende Juli, Anfang August 1915 wurden der Ortskern von St. Veit und das Zentrum von Moos durch Granatfeuer italienischer Truppen in Brand geschossen und so in Schutt und Asche gelegt.<BR /><BR /> Zum Symbol der Zerstörung wurden die schwer beschädigte Pfarrkirche der Hl. Petrus und Paulus und das St. Josefkirchlein in Moos. <BR />Es kam zur Zwangsevakuierung; die Menschen flohen mit dem Nötigsten aus dem Tal. Sexten war damit der einzige Tiroler Ort, der durch die kriegerischen Handlungen völlig zerstört wurde.<h3> Wiederaufbau beginnt</h3>Nach Kriegsende und der Rückkehr der Sextner in ihre Heimat begann der Wiederaufbau, wobei den Privathäusern Vorrang eingeräumt wurde. Dies führte zu Unstimmigkeiten.<BR /><BR /> So verließ Pfarrer Heinrich Schwaighofer 1922 Sexten, weil er mit den verschleppten Bauarbeiten an der Kirche nicht einverstanden war. Dadurch kam Schwung in den lahmenden Baufortschritt.<BR />Als Ende 1923 die wichtigsten Arbeiten an den öffentlichen Gebäuden abgeschlossen waren, luden die Sextner zum großen Fest, das 3 Tage dauern sollte.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="957754_image" /></div> <BR /><BR /> Ganz Sexten zeigte sich in prachtvollem Festschmuck. Girlandenverzierte Häuser, so weit das Auge reichte, wurden abends beleuchtet. Ringsum auf den Gipfeln wurden Bergfeuer entzündet. <BR /><BR />Am Freitagmorgen, dem 26. Oktober 1923, wurde der Brixner Fürstbischof Hannes Raffl am Postplatz empfangen. Vor der Pfarrkirche waren die neuen Glocken prunkvoll geschmückt zur Weihe aufgestellt. Der großartig restaurierte, terrassenförmig angelegte Friedhof wurde tags darauf geweiht. Danach stattete der Bischof der Ortschaft Moos einen Besuch ab und nahm anschließend die Segnung des neuen Gemeindehauses und der Hochdruckwasserleitung vor. <BR /><BR />Abends strebte das Fest seinem Höhepunkt zu: „Von Stunde zu Stunde mehrte sich der Zuzug fremder Gäste und ein lebhaftes Treiben entwickelte sich allerorten. Um sieben Uhr abends begannen Häuser- und Bergbeleuchtung. Wie bei der Dekoraktion der Häuser schienen sich auch hier die Leute förmlich zu überbieten und scheuten keine Mühen und Opfer. In dieser Abendbeleuchtung zeigte sich die mustergültige Einigkeit der Sextner und die ungeteilte Freude aller am gelungenen Wiederaufbau. Die Ortsmusik brachte dem hochwürdigsten Fürstbischof vor dem restaurierten Widum ein Ständchen dar. Dann gingen Fackelzug und Zapfenstreich los, woran sich viele hunderte Personen beteiligten. Danach konzertierte die Toblacher Musik vor dem Gasthof zur Post“, wurde damals über das Fest berichtet.<h3> 90 Kinder werden gefirmt</h3>Der Sonntagmorgen begann mit dem feierlichen Ave-Läuten und einem Posaunenweckruf vom Kirchturm. Auf den festlichen Einzug folgten die Weihe der Altäre und die Bischofsmesse. Der Kirchenchor sang einen von Karl Koch zu diesem Anlass komponierten Festhymnus zur Ehren der Kirchenpatrone Petrus und Paulus. Unter der Leitung von Prof. Koch wurde die Salvatormesse von Mitterer zur Aufführung gebracht. <BR /><BR />90 Sextner Kindern wurde am nächsten Tag die Firmung gespendet und darauf zelebrierte der Brunecker Dekan Franz Josef Kleinlercher einen Dankgottesdienst für den gelungenen Wiederaufbau.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="957757_image" /></div> <BR /><BR /><BR />An die Außenfassade der Totenkapelle malte Hugo Atzwanger das brennende Sexten und dazu den tiefsinnigen Spruch von Bruder Willram: „Aus Schutt und Trümmer hebt, und Brand und Braus sich dieses stolze, neue Gotteshaus. Und ihm zu Füßen dehnt sich anmutsreich das Friedensland, das stille Totenreich. Und neue Glocken tönen Tal entlang und ihnen mischt sich neuer Orgelklang. Die alte Heimat grüßt im neuen Kleid, was furchtbar war, sank in Vergessenheit. Doch aus den Gräbern klingt ein Warnruf: Was Heimatkunst und Heimatliebe schuf, sei’s noch so schön, sei’s noch so wonnig traut, du hast o Mensch es nur für heut gebaut. Dein wahres Heim liegt über Sternen weit, jenseits von hier, im Land der Ewigkeit“. <h3> Schautafel in der Pfarrkirche</h3>Eine Schautafel in der Sextner Pfarrkirche erinnert an die Ereignisse vor 100 Jahren, als die Menschen nach Jahren von Not und Grausamkeit wieder Hoffnung schöpften, im Vertrauen an ihren Herrgott und an eine bessere Zukunft.<BR />