<b>Herr Wegleiter, warum haben Sie sich für das Ständige Diakonat entschieden?</b><BR />Ivan Wegleiter: Das ist eine lange Geschichte, ein Berufungsweg, der schon früh begonnen hat. Bereits als Jugendlicher war der Berufungsgedanke da, Priester zu werden. Dieser Gedanke ließ mich auch nicht mehr los, Gott hat nicht „lugg“ gelassen, und ich habe ihn nie aus den Augen verloren. Ich war auch zweieinhalb Jahre bei den Salesianern. Als ich in diesen Orden eingetreten bin, war für mich klar, dass ich ein eheloses Leben führen werde. Diese Entscheidung habe ich auch nie bereut.<BR /><BR /><b>Warum kam erst mit 40 Jahren die große Wende, sich für ein eheloses Leben zu entscheiden? </b><BR />Wegleiter: Diese Entscheidung trifft man nicht, man spürt sie. Das heißt aber nicht, dass ich davor keine Beziehungen zu Frauen hatte. Ich habe aber gespürt, dass dieser Weg nicht der richtige, nicht mein Weg ist.<BR /><BR /><b>Warum sind Sie aus dem Salesianer-Orden ausgetreten?</b><BR />Wegleiter: Meine Zeit im Salesianer-Orden war schön und bereichernd. Den Salesianern habe ich auch viel zu verdanken. Ich habe aber gemerkt, dass das Ordensleben nicht meinem Lebensstil entspricht. Das Charisma der Salesianer teile ich aber voll und ganz, auch weil ich gerne in der Kinder- und Jugendarbeit tätig bin. Ich wollte dann diözesaner Priester werden und in das Priesterseminar eintreten. Der damalige Regens und heutige Bischof von Treviso, Michele Tomasi, hat mich aber zum Glück gebremst und angeregt, über meinen künftigen Weg gut nachzudenken. Und ich bin ihm wirklich sehr dankbar dafür. In all den Jahren mit ihren Höhen und Tiefen habe ich mich auch von Gott getragen gefühlt. <BR /><BR /><b>Warum sind Sie Diakon und nicht Priester geworden?</b><BR />Wegleiter: Weil es 2 verschiedene Berufungen sind, und weil ich meine Arbeit als Kunstlehrer an einer Mittelschule nicht aufgeben möchte. Die Arbeit als Lehrer ist in meinen Augen auch eine Berufung und ein Dienst an der Gemeinschaft. Ein Vorteil des Diakons ist, dass er konstant in einer Pfarrei tätig ist, ich vergleiche ihn mit Laienbrüdern in den Orden. Priester werden versetzt, Diakone bleiben aber. Zudem sind sie das Bindeglied zwischen den Gläubigen und den Priestern. Darüber hinaus bin ich auch in der Gefängnisseelsorge tätig, was wirklich ein diakonaler Dienst ist. Als Diakon kann ich mein persönliches Charisma am besten ausleben. <BR /><b><BR />Was darf ein Diakon tun, welche Kompetenzen hat er?</b><BR />Wegleiter: Seine primären Aufgaben sind die Seelsorge und die Caritas, 2 wichtige Dienste am Menschen. Es zahlt sich also aus, Diakon zu werden, weil die Priester einfach nicht mehr die Zeit haben, so wie früher seelsorgerisch tätig zu sein, weil sie mehrere Pfarreien betreuen müssen. Diakone kümmern sich unter anderem um Kranke und Arme. In der Liturgie sind sie in erster Linie für die Verkündigung der Frohen Botschaft und für die Auslegung der Heiligen Schrift, für die Predigt, zuständig. Ein Diakon darf aber auch die Taufe spenden, Ehen schließen, die Kommunion verteilen, Segnungen vornehmen, bei einer Prozession das Allerheiligste tragen, geistliche Begleitungen übernehmen und Beerdigungen halten. Das Einzige, was mir als Ständiger Diakon fehlt, ist, dass ich nicht die Krankensalbung spenden und vor allem keine Beichte abnehmen kann. <BR /><BR /><b>Warum stört Sie das?</b><BR />Wegleiter: Ein Ständiger Diakon hat mit Schwerkranken und mit Menschen am Rande der Gesellschaft zu tun, die ihm, oft bevor sie sterben, ihr Herz ausschütten wollen. Er darf ihnen aber nicht die Beichte abnehmen. Dazu muss eigens ein Priester kommen, den die Betroffenen aber nicht kennen. Und das ist schade. Die Sakramente der Beichte und Krankensalbung hängen in meinen Augen sehr eng mit dem diakonalen Dienst zusammen. <BR /><BR /><b>Bischof Ivo Muser sagte jüngst, dass die Kirche nicht nur mit einem Mangel an Priestern, sondern auch an Gläubigen konfrontiert sei. Sitzen Sie auf einem sinkenden Schiff?</b><BR />Wegleiter: Nein. Es stimmt, dass die Gläubigen immer weniger werden. Ich habe aber keine Angst vor der Zukunft. Es wird sich natürlich einiges verändern. Als sinkendes Schiff würde ich unsere Kirche nicht bezeichnen: Sie wird vielleicht kleiner werden, aber sinken wird sie nicht.<BR /><BR /><BR />