Patrizia Federer, Leiterin der Anlaufstelle Bahngleis 7, erklärt, dass die Szene immer jünger wird, die Wege zu Drogen einfacher und die Risiken schwerer einschätzbar.<BR /><BR /><b>Hat sich über die Jahre das Alter der Drogenkonsumenten verändert?<BR /></b>Patrizia Federer: Es ist eine deutliche Veränderung zu erkennen. Die Personen, die sich an Beratungsstellen wenden, werden immer jünger. Aber nicht nur das: es werden auch immer mehr. Das ist eine Entwicklung, die positiv und negativ zugleich ist. Zum einen bedeutet das natürlich, dass immer mehr junge Menschen Drogen konsumieren. Positiv sehen kann man jedoch, dass sie sich Hilfe holen und auch wissen, an wen sie sich wenden können.<BR /><BR /><b>Unterscheidet sich die Drogenszene in Nordtirol von jener in Südtirol?<BR /></b>Federer: Ja, deutlich, vor allem beim Konsum. In Südtirol werden Drogen meist von Dealern auf der Straße gekauft, häufig handelt es sich um Heroin. In Nordtirol hingegen werden öfter verschreibungspflichtige Medikamente wie Opiate konsumiert, die meist über den Schwarzmarkt bezogen werden.<BR /><BR /><b>Welche Risiken ergeben sich aus diesen Unterschieden?<BR /></b>Federer: Ein zentrales Problem ist die fehlende Kontrolle über die Zusammensetzung. Medikamente, die in Nordtirol auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden, sind meist rein und werden vor dem Verkauf geprüft. Bei Substanzen wie Heroin ist das anders: Sie sind fast immer gestreckt, und die Konsumentinnen und Konsumenten wissen nicht, welche Stoffe tatsächlich enthalten sind. Auch das Risiko einer Überdosis ist sehr hoch, weil man nie genau weiß, wie hoch die Dosierung ist.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1291086_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was könnte man dagegen tun?<BR /></b>Federer: In Innsbruck gibt es Stellen, die „Drug-Checking“ durchführen. Das bedeutet, dass sie sowohl die Dosierung als auch etwaige Streckmittel feststellen. Studien belegen, dass etwa 70 Prozent der Personen eine Droge nicht mehr konsumieren, sobald sie erfahren, welche Stoffe darin enthalten sind. Eine solche Stelle gibt es in Südtirol noch nicht, sie wäre aber sehr wichtig.<BR /><BR /><b>Sind verunreinigte Drogen in Südtirol ein großes Problem?<BR /></b>Federer: Auf jeden Fall. Nahezu alle Substanzen, die auf der Straße verkauft werden, sind gestreckt. Etwa mit Koffein, zerkleinerten Tabletten, Kalk oder anderen weißen Pulverstoffen. <BR /><BR /><b>Wie kommen Jugendliche an Drogen?<BR /></b>Federer: Drogendealer haben junge Menschen als Konsumenten entdeckt. Es gibt häufig sogenannte Mikro-Dosen – kleine Mengen an Drogen für wenig Geld. Der Erstkontakt erfolgt oft über das Internet: In sozialen Medien wird erklärt, wie und wo Substanzen erhältlich sind. Der Erwerb findet dann teilweise sogar im Darknet statt. <BR /><BR /><b>Hat sich bei den Substanzen, die konsumiert werden, etwas verändert?<BR /></b>Federer: Seit es die Hilfsangebote in Südtirol gibt, war Heroin lange die am häufigsten konsumierte Substanz. Im Jahr 2025 wurde erstmals Kokain zur Hauptdroge. Besonders verbreitet ist der Konsum in bestimmten Berufsgruppen, etwa im Bauwesen und im Gastgewerbe.