Mittwoch, 01. Juli 2020

Alzheimer-Verein: „Ein kräftiges Lebenszeichen“

Coronabedingt war sie verschoben worden, vor Kurzem konnte die jährliche Vollversammlung des Vereins Alzheimer Südtirol Alto Adige ASAA abgehalten werden – diesmal im Grieser Kulturheim, um die Sicherheitsauflagen zu respektieren.

Im Grieser Kulturheim fand die jährliche Vollversammlung des ASAA statt.
Badge Local
Im Grieser Kulturheim fand die jährliche Vollversammlung des ASAA statt. - Foto: © Edith Moroder
Die jährliche Vollversammlung diente wie üblich der Informierung der Mitglieder und Interessierten über die geleisteten und geplanten Tätigkeiten, sowie der Rechnungslegung, aber nicht zuletzt auch dem Kontakt, der in diesen Monaten notgedrungen auf Telefongespräche beschränkt wurde.

Die Grüne Nummer 800 660 561 wurde von ASAA-Präsidenten Ulrich Seitz und seinen Helferinnen betreut, bei denen viele Angehörige ihre Nöte, ihren Frust und ihre Sorgen deponierten.

So habe der Verein einen tiefgehenden Einblick in die Situation der hilfsbedürftigen Senioren in der Hauspflege, in den Heimen und Krankenhäusern gewonnen, wobei vielfach Missstände aufgeschienen seien, die für die Zukunft zu bedenken seien, heißt es in einer Aussendung.

„Die in Covid-Stationen umfunktionierten Geriatrien, die Blockade der Kurzzeitpflege und der Aufnahmen in die Altenheime, die Abschottung gegenüber Besuchen, der Aufschub der Einstufungen haben Patienten und Angehörige zum Teil an die Grenzen ihrer Leistungs- und Leidensfähigkeit geführt“, schreibt der Verein.

Präsident Seitz konnte bei der Vollversammlung viele Mitglieder und Interessierte begrüßen und anhand von Videoprojektionen auf die Tätigkeiten des vergangenen Jahres eingehen, die auch 2020 ab Herbst wieder aufgenommen werden können.

Demenz-Screening in Bozen und Meran

Besonderes Interesse kam dem Fortbildungskurs für Pflegekräfte zu, der zum einfühlsamen Umgang mit Demenzkranken anleitet. Ebenfalls großen Zulauf erhielt das Angebot des Demenz-Screenings, das die erfahrenen Psychologen Alice Panicciari und Michele Piccolin für ASAA in Gang gebracht haben.

Es wendet sich an Menschen, die genauere Auskunft über ihren Zustand bekommen möchten und durch die langen Wartezeiten in den öffentlichen Stellen frustriert sind. Sie werden anhand einer wissenschaftlich fundierten Testbatterie untersucht und bekommen rasche Resultate samt psychologischen und juridischen Ratschlägen.

ASAA bietet diesen Dienst am Hauptsitz in Bozen und in der St. Anna-Klinik in Meran an. Als Infomaterial wurde der Ratgeber „Diagnose Alzheimer – was nun?“ neu aufgelegt und ajourniert sowie der Parcours „Hands-on-Dementia“ an verschiedenen Orten vorgeführt und verliehen.

Neu eingeführt wurde auch die pharmakologische Beratung durch Frau Dr. Erika Liebl am Bozner Hauptsitz. Was während der Sperre aufgeschoben werden musste, soll ab Herbst neu starten: eine Präsentation für Interessierte, die die Validationstrainerinnen Anna Fink und Alexandra Kaiser in Klausen, Brixen und Sterzing anbieten; eine Kunsttherapie für Kranke in Meran und ein Kinästhetik-Kurs für Angehörige in Bozen, wo im Herbst auch das gewohnte Sorgentelefon und die Selbsthilfegruppen ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Im Vinschgau ist durch die Initiative von Robert Peer eine eigene Gruppe ins Leben gerufen worden, deren üppiges Vortrags- und Beratungsprogramm auch erst neu starten wird. Auch der neuartige, ergänzende Zugang über die von Letizia Espanoli gegründete Betreuungsform „Sente-Mente“, deren Lehrgang in Meran bereits angelaufen ist, soll weiter integriert und angeboten werden.

Ein besonderes Ereignis war 2019 zum 20-Jahr-Jubiläum des Vereins das Theaterstück „Im Treibsand – Loslassen“ nach dem Erfahrungsbericht der ASAA-Vizepräsidentin Edith Moroder, das in Koproduktion mit den Vereinigten Bühnen Bozen uraufgeführt wurde. Die Autorin sprach über ihre persönlichen Eindrücke davon und teilte mit, dass die VBB aufgrund des großen Erfolgs für Mitte November 2020 eine Reprise in ihren Spielplan aufgenommen haben.

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war die Vereinsbilanz 2019 samt dem Haushaltsvoranschlag für 2020, die der Schatzmeister Helmuth Ohnewein, unterstützt von einer Videoprojektion mit den grundlegenden Daten, vorlegte.

Zur Vollversammlung waren auch Gäste geladen, die kurz auf ihre Erfahrungen während der Krisenzeit und auf das Thema „Lebensqualität – Altern in Würde“ eingingen und sich Fragen aus dem Publikum dazu stellten. Otto von Dellemann, Präsident der Genossenschaft „Wohnen im Alter“, sowie Jutta Pircher und Agatha Egger von der Agentur „Betreut“/Lana stellten sich als Ansprechpartner/innen für Probleme bei der Pflege zu Hause vor.

stol

Schlagwörter: