„Um einige Minuten, Sekunden, Meter war ich der Gefahr entkommen“, erzählte der Bürgermeister von Tesero, Massimiliano Deflorian, bei der Gedenkfeier am Samstag. Deflorian lebt seither mit jenem Schuldgefühl, das diejenigen haben, die gerettet wurden, ohne zu wissen, warum sie noch hier sind, während andere Leben ausgelöscht wurden.<BR /><BR />Zwei Becken lagen direkt übereinander. Sie dienten als Absetzbecken für die Deponien des Bergwerks von Prestavel der Gesellschaft Fluormine. Am 19. Juli 1985 um 12.22 Uhr gab der Damm des oberen Beckens nach und stürzte auf das untere. <BR /><BR />Das verursachte eine aus Sand, Schlamm und Wasser bestehende Lawine, die sich mit einer Geschwindigkeit von rund 90 Stundenkilometern zu Tal wälzte und alles mit sich riss, was sich ihr in den Weg stellte. 268 Menschen verloren ihr Leben, Häuser und Brücken wurden zerstört, das Dorf Stava ausgelöscht. Hilfe kam damals auch aus Südtirol. Neben der Bozner Berufsfeuerwehr waren auch aus Südtirol viele Männer der Freiwilligen Feuerwehren nach Stava aufgebrochen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1191855_image" /></div> <BR /><BR />Das Schicksal hatte unbarmherzig zugeschlagen. Francesco Disarò verlor seine Kinder Paola und Davide, sie waren 23 und 24 Jahre alt. Disarò hatte ein Hotel in Stava geführt, wo viele Touristen aus Mailand Urlaub machten. „Bis wenige Tage vor dem 19. Juli 1985 arbeitete ich noch im Hotel, dann übergab ich die Leitung meinen Kindern und verließ Stava“, erinnert sich der 95-Jährige. „Ich hoffe, dass sich solche Tragödien nie wieder ereignen, und dass uns die 268 Toten von Stava eine Lehre sind.“ <BR /><BR />Auch Arturo Chemotti war am Samstag mit seiner Familie zum Friedhof von Tesero gekommen, um seinem Bruder Adriano Chemotti zu gedenken. „Vor 40 Jahren ging ich abends nach Stava hinauf, es war dunkel, überall waren Rettungskräfte. Fast an jedem Jahrestag kommen wir hierher zurück. Jede Familie hat einen Verwandten zu beklagen. Es sind ganz unterschiedliche Geschichten, die man auf dem Friedhof hört“, erzählt er. <BR /><BR />Als Ursachen für die Katastrophe gelten ein beschädigtes Drainagerohr im Damm sowie die mangelnde Stabilität des aus Sand gebauten Dammes. Die Stiftung Stava spricht davon, dass die Stabilität der Deponie von den Betreibergesellschaften in 20 Jahren niemals ernsthaft überprüft worden sei. <BR /><BR />Auch öffentliche Ämter, die für die Sicherheit der Bergbautätigkeit zuständig sind, hätten keine Kontrollen durchgeführt. Die ministerielle Untersuchungskommission und die vom Gericht Trient ernannten Gutachter haben später festgestellt, dass „die gesamte Deponie eine ständige Gefahr für das darunter liegende Tal darstellte“, so die Stiftung Stava.