Die Geschichte von Kalie McCrystal hat ein trauriges Ende genommen. Die 38-jährige kanadische Bergläuferin war am 1. September am Matterhorn verschwunden. Zwei Wochen lang suchten Rettungskräfte ununterbrochen nach ihr – an den steilen Felswänden und in den Rinnen des Berges. Gefunden wurde sie nicht.<BR /><BR />Nun hat ihre Familie einen bewegenden Abschiedsbrief veröffentlicht. Ihre Mutter Wendy Cooper und ihre Schwester Jody schreiben darin, dass sie davon ausgehen, dass Kalie beim Abstieg tödlich verunglückt ist.<h3> Sie wollte einen Rekord aufstellen</h3>McCrystal, eine Läuferin aus Squamish, war bereits seit mehreren Wochen in Italien. Sie bereitete sich auf eine außergewöhnliche Herausforderung vor: Sie wollte den Matterhorn-Auf- und -Abstieg über den Liongrat in weniger als fünf Stunden schaffen und damit einen Rekord aufstellen.<BR /><BR />Am 7. August hatte sie in den sozialen Medien noch voller Begeisterung von ihrer Vorbereitung in Cervinia berichtet. Am 1. September wurde sie schließlich von zwei polnischen Bergsteigerinnen gesehen. Sie stieg in zügigem Tempo in Richtung Pic Tyndall auf. Danach verlor sich ihre Spur.<BR /><BR />Eine Freundin schlug Alarm, weil McCrystal ungewöhnlich lange nichts von sich hören ließ. Daraufhin begann die groß angelegte Suche nach der erfahrenen Bergsportlerin.<h3> „Das Matterhorn ist ebenso majestätisch wie erbarmungslos“</h3>In ihrem Abschiedsschreiben findet die Familie eindringliche Worte für den Berg, den Kalie so sehr liebte.<BR /><BR />„Das Matterhorn ist ebenso majestätisch wie erbarmungslos“, schreiben ihre Angehörigen. Trotz ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten und ihrer großen Erfahrung in technisch anspruchsvollem Gelände deute alles, was man inzwischen wisse, darauf hin, dass sie beim Abstieg gestürzt sei.<BR /><BR />Besonders schwer fällt der Familie, dass die umfangreiche Suche ohne Ergebnis blieb.<BR /><BR />„Trotz aller Anstrengungen haben die Suchaktionen uns nicht zu ihr geführt. Das ist nicht das erhoffte Ergebnis und es ist sehr schwer zu akzeptieren“, heißt es in dem Schreiben.<BR /><BR />Die Angehörigen bedankten sich zugleich bei den zahlreichen Menschen, die nach McCrystal gesucht hatten. Beteiligt waren unter anderem Rettungskräfte der Finanzpolizei, des Zivilschutzes des Aostatals sowie die kanadischen Behörden. Zum Einsatz kamen Hubschrauber, Drohnen mit Bildauswertung durch künstliche Intelligenz und Suchmannschaften, die zu Fuß zwischen den scharfkantigen Felsen unterwegs waren.<h3> Eine Frau zwischen Beruf und großer Bergleidenschaft</h3>Kalie McCrystal war nicht nur leidenschaftliche Sportlerin. Sie lehrte an der Capilano University und war auf internationales Schiedsrecht spezialisiert.<BR /><BR />Berufliche Präzision und ihre Leidenschaft für die Berge gehörten zu ihrem Leben gleichermaßen. Für ihre Mutter und ihre Schwester, die während der Suchaktion an den Fuß des Matterhorns gekommen waren, bleibt vor allem die Erinnerung an eine Frau, die in den Bergen ihre große Leidenschaft gefunden hatte.<BR /><BR />„Ihre Abwesenheit wird eine riesige Lücke hinterlassen, und für unsere Familie wird nichts mehr so sein wie zuvor“, schreiben die beiden.<BR /><BR />„Auch wenn wir sie gerne gefunden hätten, tröstet uns der Gedanke, dass sie bis zuletzt mit dem beschäftigt war, was sie sich am lebendigsten fühlen ließ – und dass sie nun bei ihren Bergen bleibt.“