Sonntag, 21. Juni 2015

Amokfahrer sagte, er habe die Tat nicht wirklich mitbekommen

Einen Tag nach der verheerenden Amokfahrt mit drei Toten durch die Grazer Innenstadt ist der Lenker des Geländewagens am Sonntag von der Polizei einvernommen worden. Dazu ist noch nicht viel bekannt, wohl aber zu seinen Aussagen gleich nach der Tat.

Der Amokfahrer, der am Samstag ein Blutbad in der Grazer Innenstadt anrichtete, konnte erstmals befragt werden.
Der Amokfahrer, der am Samstag ein Blutbad in der Grazer Innenstadt anrichtete, konnte erstmals befragt werden. - Foto: © APA

Er hat geredet, aber was hat er gesagt? In seinem ersten Verhör habe sich der Amokfahrer eher ausweichend verhalten, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Christian Kroschl, auf APA-Anfrage mit.

Am Sonntag verhört 

Noch am Samstag hatte der Mann nicht einmal der behandelnden Ärztin einige Fragen beantworten können, eine Einvernahme durch die Polizei war überhaupt unmöglich. 

„Es wird heute noch einmal versucht, ihn zu befragen“, teilte Kroschl am Sonntag mit. So kam es auch. Über die Befragung, die um 14.00 Uhr begonnen hatte, gab es bis zum Abend aber kaum Informationen. Der 26-Jährige konnte zwar einvernommen werden, wich aber immer wieder aus, schilderte der Staatsanwalt.

Messerstecherei: ja, Amokfahrt: nein

Anderes jedoch kam zutage: „Angeblich hat er bei seiner Festnahme von einer Messerstecherei gesprochen, dass er auf dem Weg in die Schmiedgasse (zur Polizei, Anm.) mit dem Auto jemanden angefahren habe, hielt er für möglich. Das Ausmaß war ihm aber anscheinend nicht bewusst“, schilderte Christian Kroschl.

Der Verdächtige soll noch am Sonntag in die Haftanstalt Graz-Jakomini gebracht werden, wo er am Montag einem Haftrichter vorgeführt wird.

Eine geplante Tat, weil die Ehe scheiterte

Über die genauen Gründe gibt es also auch weiterhin keine Auskunft. Doch wie „OE24“ berichtet, soll die Ehe des Mannes mit bosnischen Wurzeln vor dem Aus gestanden haben. Über das Leben und Umfeld des 26-jährigen Familienvaters hat STOL berichtet.

Der Kraftfahrer, der mit vier Jahren von Bosnien nach Österreich fliehen musste, ist Vater von zwei Kindern sein – doch die sollen nicht mehr bei ihm leben. Seine Frau soll Österreich gemeinsam mit den Kindern verlassen und eine Scheidung angestrebt haben, heißt es bei „OE24“.

Bei der Amokfahrt in Graz geht der Innsbrucker klinische Psychologe Salvatore Giacomuzzi von einer geplanten Tat aus. „Alleine die Tatsache, dass der Mann gezielt auf Passanten zuraste, sie verfolgte und immer wieder Menschen überfuhr, deutet darauf hin“, sagte er am Sonntag zur APA.

apa

stol