„Sie wollten einen Toten, um etwas unternehmen zu können, nun haben sie ihn: Meinen Sohn“, sagt Andrea Papis Mutter Franca dem Reporter von „Le Iene“ in einem Beitrag, der am 18. April auf Italia 1 ausgestrahlt wurde. <BR /><BR /> „Ich möchte trotz allem eine Sache betonen: Es ist weder Andreas Schuld noch die Schuld des Bären. Es ist die Schuld des Menschen, der diese Situation heraufbeschworen hat und zwar dadurch, dass er die Sache mit dem Bärenmanagement außer Kontrolle geraten ließ“, fährt sie fort.<BR /><BR />Im Interview schildert Franca auch, wie die erste Nacht nach dem schrecklichen Tod ihres Sohnes verlief. „Ich hatte schreckliche Albträume, in denen ich die Aggressivität des Bären erlebte und wie er meinen Sohn angriff. Ich wurde wach und war einfach nur außer mir vor Wut.“ <BR /><BR />An ihrem Blick, ihrer zitternden Stimme und ihren Tränen erkennt man ihren unermesslichen Schmerz über diese Tragödie und den gewalttätigen Tod ihres Sohnes.<h3> Andreas letzte Stunden</h3>Andrea war ein leidenschaftlicher Sportler. „Er ging gern laufen und klettern, er liebte die Berge und bei Aktivitäten dort bekam er den Kopf frei “, so erzählt seine Mutter. An diesem vermaledeiten 5. April widmete sich ihr Sohn, nachdem er von der Arbeit kam, weider seinem täglichen Training. Er beschloss, laufen zu gehen, und zwar auf einer Strecke oberhalb von Caldes, die er schon Hunderte Male zurückgelegt hatte, ebenso wie auch seine Mutter, die in dieser Gegend auch oft – und auch alleine - zum Pilzesammeln unterwegs war. Gegen 17 Uhr war er an seinem Ziel bei der Malga Grum angekommen und filmte die Umgebung für seine allerletzte Story auf Instagram. <BR /><BR />„Andrea hat öfters Videos geschickt und als ich dieses hier gesehen hatte, dachte mir, dass er bald zurück sein müsste. Ich habe ihn dann gegen 18.30 Uhr 5 bis 6 Mal angerufen, doch er ging nicht ran.“ Andreas Schwester, die während des Interviews neben ihrer Mutter saß, fügt hinzu: „Das letzte Mal auf Whatsapp aktiv war er um 18.34 Uhr“. Mutter Franca fährt fort: „ Ich bin dann aus dem Haus gegangen und habe geschaut, ob ich ihn vielleicht aus dem Wald kommen sehe, doch ich hatte von Anfang an eine schreckliche Vorahnung. So eine Vorahnung, wie sie vielleicht nur Mütter haben. Mir gefror das Blut in den Adern, meine Magengrube zog sich zusammen, mein Hirn pochte und ich entwickelte sofort die fixe Idee, dass er einem Bären zum Opfer gefallen war. Ich wusste es einfach.“<BR /><BR />Diese schreckliche Vorahnung und dieses mehr als ungute Gefühl kam nicht von Ungefähr: Seit 2014 hatte es bereits mehrere Bärenattacken in dieser Gegend gegeben – nicht nur auf zahlreiche Nutztiere, sondern auch mehrfach auf Menschen – , und jeder im Tal wusste, dass früher oder später auch etwas sehr Schlimmes passieren würde. <BR /><BR />Auch Andreas Freundin Alessia, die 5 Jahre mit ihm zusammen war, erreichte am Abend des 5. April ihren Freund nicht und sie war es, die dann den Notruf absetzte. Zunächst dachte sie an einen Bergunfall, so wie es tragischerweise auch ihrem Vater vor 15 Jahren passiert war, der bei einem Absturz ums Leben kam. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="889331_image" /></div> <BR /><BR />Bei der sofort eingeleiteten Suchaktion fanden die Rettungskräfte dann irgendwann eine blutige Wasserflasche. „Ich war in der Einsatzzentrale, wo alles koordiniert wurde, und man zeigten mir dann das Foto der Flasche, die ich leider eindeutig Andrea zuordnen konnte“, so Alessia gegenüber dem Reporter von „Le Iene“. „Als die Retter dann über Funkspruch mitteilten, dass sie auch einen blutigen Stock gefunden, hätten, haben mich die Einsatzkräfte von dort entfernt, damit ich das alles nicht mitbekomme. Doch mir war schon klar, dass Andrea tot war“, schildert Alessia diese traumatischen Momente in jener Nacht. Wenige Stunden später - um 3 Uhr - fand man dann wirklich den von Bisswunden zerrissenen Körper von Andrea. <BR /><BR />„Wie bei Todesfällen üblich, wurden wir gerufen, um den Körper zu identifizieren und ich wollte meinen Sohn auch sehen“, so Andreas Mutter. „An dieser Stelle muss ich kurz durchatmen. Andreas Körper war furchtbar zugerichtet. Er hatte Bisswunden auch am Hals und hinten am Kopf.“<BR /><BR />Freundin Alessia wollte weder den Leichnam noch Fotos sehen, wie sie dem Reporter sagt. Von Erzählungen wisse sie aber, dass er am ganzen Körper Verletzungen hatte, gebissen und gekratzt wurde. Die Verletzungen im Gesicht seien durch das über den Boden schleifen entstanden. Der Bär habe aber nichts von Andreas Körper herausgerissen oder gefressen. Der Körper sei ganz gewesen. „Das alles sei in kurzer Zeit passiert und wie mir gesagt wurde, musste Andrea nicht leiden.“<h3> „Keine Wut auf den Bären“</h3>„Ich empfinde keine Wut auf den Bären“, so Alessia im Interview. „Ich denke, er hat Andrea gesehen, ist erschrocken und hat sich verteidigt. Das ist tierischer Instinkt.“<BR /><BR /> Das ganze Tal ist überzeugt: „Das ist wahrscheinlich unsere Schuld, wir hätten die Sache früher in die Hand nehmen müssen. Wir haben diese Probleme schon seit Jahren“, sagt ein Anwohner im TV-Bericht von „Le Iene“. Kurz gesagt, das Problem ist das Missmanagement des Programms zur Wiederansiedlung von Bären, das vor gut 25 Jahren begann, als in den späten 1990er Jahren beschlossen wurde, etwa ein Dutzend Bären aus Slowenien zu importieren, deren Zahl sich in zwei Jahrzehnten vervierfacht hat und die jetzt überall sind. <BR /><BR />Auch der Bürgermeister der Gemeinde Rabbi, Simone Cicolini, kommt im Bericht zu Wort: „Wir müssen die problematischsten Bären entfernen und ihre Zahl reduzieren, denn das Gebiet kann eine so hohe Dichte nicht mehr verkraften, vor allem dort, wo der tödliche Angriff stattfand.“ Die Bevölkerung ist wütend und besorgt, weil das Projekt aus dem Ruder gelaufen ist und mit unsinnigen Regeln betrieben wird. Die Bären sollten mit einem Peilsender ausgestattet sein, um ihre genaue Position zu überwachen, doch die sind außer Funktion, so auch jenes von JJ4.<BR /><BR />Die Bürger von Val di Sole fordern, dass die für die Wiederansiedlung Verantwortlichen etwas unternehmen, um die gefährliche Situation zu entschärfen. „Wir wollen den Bären nicht erschießen, wir wollen nur Gerechtigkeit und Würde für Andrea, und dass das Projekt überdacht und die Regeln angepasst werden. Die Bevölkerung hat nie Bären im Tal gewollt. Punkt.“, sagt Andreas Mutter abschließend und bestimmt. <BR /><BR />Bleibt zu Hoffen, dass auf diese Tragödie wirklich Taten folgen. <BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/suche/Andrea%20Papi" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Mehr Berichte zum Thema finden Sie hier.</a>