Im Interview mit s+ spricht sie über dieses lebensverändernde Ereignis.<BR /><BR />Für ihren vielfältigen Einsatz im Alpenverein wurde die 27-jährige Alpinistin Andrea Wisthaler aus St. Lorenzen am Samstag mit dem mit 1500 Euro dotierten Alpinen Förderpreis des AVS ausgezeichnet. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/hauptversammlung-des-avs-alpiner-foerderpreis-geht-an-andrea-wisthaler" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(STOL hat berichtet)</a> Mit ihren unverkrampften Ansichten verkörpert sie die neue Generation Bergsportbegeisterter. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="772226_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie haben Sie die Nachricht von der Auszeichnung aufgenommen?</b><BR />Andrea Wisthaler: Zum Glück hat man mich 2 Tage davor eingeweiht, sonst hätte ich wohl einen Herzkasper bekommen. Nie und nimmer habe ich damit gerechnet.<BR /><BR /><b>Dabei haben Sie schon ganz andere Überraschungen gemeistert, so etwa am Eiger in den Berner Alpen vor 3 Jahren …</b><BR />Wisthaler: Ja, das war alles brutal knapp damals. Dieses Ereignis hat mein Leben verändert.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Wisthaler: Wenn man in so eine Situation kommt, wie wir damals, sieht man danach viele Dinge des Alltags gelassener. Wir sind ja als 6 junge Bergkameraden am Osteggrat in einen Wetterumsturz gekommen. 17 Stunden lang hingen wir mit unseren Biwaks am Grat fest, erste Rettungsversuche mit dem Hubschrauber scheiterten, ein Bergkollege hatte nur mehr 29 Grad, ich selbst hatte Nahtoderfahrungen.<BR /><BR /><b>Nahtoderfahrungen welcher Art?</b><BR />Wisthaler: Jemand von unserer Gruppe sagte, wir sollen die Köpfe aus den Biwaks stecken, damit die Hubschrauberpiloten uns sehen können. Bei mir fühlte es sich an, als ob ich von oben herunterschauen und mich bereits im Hubschrauber befinden würde. Es war sehr merkwürdig. Wir hatten riesiges Glück, dass die Rettungskräfte doch noch ein Wetterfenster von 10 Minuten nutzen und uns bergen konnten. Mehr als ein bis 2 Stunden hätten sie uns nicht mehr gegeben. <BR /><BR /><b>Wie gelingt es, danach wieder mit Unbeschwertheit und Freude auf die Berge zu steigen, nachdem man dort derart knapp dem Tod entronnen war?</b><BR />Wisthaler: Eigentlich fehlte mir zunächst die Zeit, mich mit dem Erlebten näher auseinanderzusetzen, weil nur 5 Tage später die Abschlussprüfung als Tourenleiterin des AVS auf dem Programm stand. Mir blieb also keine Zeit zum Grübeln, das war auch gut so. Jedoch sind danach bei jeder Wolke gewisse Gedanken aufgekommen. Um die Geschehnisse besser zu verarbeiten, habe ich alles aufgeschrieben. Zunächst nur für mich, dann wurde daraus ein Buch. Wichtig war auch, alles nochmals abzuschließen, indem wir 2 Jahre später die Tour wiederholt haben und diesmal problemlos den Gipfel erreichten.<BR /><BR /><b>Suchen Sie noch öfters derartige Touren mit extremem Charakter?</b><BR />Wisthaler: Echte Herausforderungen brauche ich schon ab und zu, aber im Grunde bin ich einfach glücklich, wenn ich im alpinen Gelände unterwegs bin. Ich bin als Grafikerin tätig, verbringe ansonsten so gut wie jede freie Minute am Berg. Oft starte ich auch noch vor der Arbeit, bin dann um 7 Uhr morgens auf einem Gipfel und fliege mit dem Paragleiter ins Tal. Sehr gerne starte ich auch von daheim sozusagen „by fair means“ mit dem Rad, wechsle danach zum Klettern und schließlich zum Paragleiter. Mir gefallen all die Möglichkeiten, anhand derer man die Berge entdecken kann. Die Probleme des Alltags verschwinden dabei allmählich und es stellen sich Glücksgefühle ein – irgendwie ist für mich der Berg die Lösung für alles. <BR /><BR /><b>Diese Begeisterung geben Sie als Jugendführerin und Tourenleiterin Jugendlichen und Gleichgesinnten weiter. Dabei organisieren Sie auch spezielle Touren nur für Frauen. Warum?</b><BR />Wisthaler: Wenn eine Berggruppe nur aus Frauen besteht, dann fällt ein gewisser Leistungsdruck weg, stattdessen sind Spaß und Lockerheit angesagt. Tatsächlich wird dieses Angebot sehr gut angenommen. Zusammen mit ausgebildeten Kolleginnen habe ich bereits mehrmals solche Bergtouren bzw. Skitouren für Frauen organisiert. Andere Wanderer staunen, wenn plötzlich an die 20 Frauen unterschiedlichen Alters am Gipfel der Wildspitze oder in einer Berghütte auftauchen.<BR /><BR /><b>Ihr Tipp für alle Bergbegeisterten?</b><BR />Wisthaler: Dazu fällt mir ein: Einfach irgendwo raufgehen, idealerweise in der Höhe biwakieren und womöglich den Kocher mitnehmen. So was tun die Leute hier bei uns kaum. Das ist das perfekte Gegenprogramm zum Stress und Lärm des Alltags. Wenn man dann in der Nacht den Sternenhimmel betrachtet, bekommt man eine Ahnung, wie sich Stille, Abenteuer und Freiheit so anfühlen können. <BR /><BR /><BR />