Montag, 21. Oktober 2019

Angeklagter KZ-Wachmann: „Ich habe viele Leichen gesehen“

Im Prozess gegen einen früheren SS-Wachmann hat der Angeklagte sein Mitgefühl für die Gefangenen in den Konzentrationslagern der Nazis bekundet. Es sei ihm ein großes Bedürfnis zu sagen, wie leid es ihm tue, was diesen Menschen angetan worden ist.

Das NS-Konzentrationslager Ausschwitz in einer historischen Aufnahme.
Das NS-Konzentrationslager Ausschwitz in einer historischen Aufnahme. - Foto: © Mucha, Stanislaw

Sein Einsatzort Stutthof bei Danzig im heutigen Polen sei 1944/45 ein „Ort des Grauens“ gewesen, sagte er am Montag in Hamburg zu Beginn seiner Befragung durch die Vorsitzende Richterin Anne Meier-Göring. „Ich habe viele Leichen gesehen“, sagte er weiter. „Die Bilder des Elends und des Grauens haben mich mein ganzes Leben verfolgt.“

Der 93-Jährige ist der Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen angeklagt. Er soll als Wachmann zwischen dem 9. August 1944 und dem 26. April 1945 „die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt“ haben.

Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Häftlingen zu verhindern. Er habe teilweise bis ins Detail Kenntnis von den Erschießungen gehabt. Wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten zur Tatzeit findet der Prozess vor einer Jugendstrafkammer am Landgericht Hamburg statt. Das Verfahren hat am vergangenen Donnerstag begonnen.

apa/dpa