Dank einer Spenderniere hat ihr Leben vor vier Jahren eine radikale Wende vollzogen, seitdem blickt sie mit voller Zuversicht auf ihre nächsten Vorhaben. Im Interview erläutert Uniprofessor Mirco Tonin die Ergebnisse der Studie zur Organverfügung. <BR /><BR />Bei Anna Negri geht es momentan richtig rund. Oder treffender: Es läuft rund. Bei den Italienmeisterschaften in Bari sicherte sich die 19-jährige aus Kaltern die beiden Titel in den Sprintbewerben über 100 und 50 Meter, im Juni macht sie Maturaprüfung am Klassischen Gymnasium in Bozen, ab Herbst wird sie in Innsbruck an der Fakultät für Rechtswissenschaften ihr Studium beginnen. Voll das Leben, wie es sich für dieses Alter gehört. Dabei fühlt sich dieser Alltag mit nur wenigen Einschränkungen für sie als kleines Wunder an. „Ich lebe ein gutes Leben, es verhält sich sicherlich etwas anders als für viele Gleichaltrige, aber ich bin damit sehr zufrieden“, lässt sie wissen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1309116_image" /></div> <BR /><BR />Kurze Rückblende: Nach einer längeren Leidenszeit in ihrer Jugend stellten die Ärzte im Sommer 2021 eine seltene Autoimmunerkrankung fest. Stark in Mitleidenschaft gezogen war ihr Nierengewebe, trotz Dialyse, Blutplasmatrennung und Therapien drohte totales Nierenversagen. Die Hoffnung auf eine Spenderniere wurde zum Wettlauf mit der Zeit, zur Erlösung geriet die Nachricht, dass sie die gesunde Niere eines Unfallopfers bekommen würde. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/eine-heimtueckische-krankheit-und-annas-kampf-zurueck-ins-leben" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(Hier mehr dazu)</a><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1309119_image" /></div> <BR />Mit der Transplantation im Mai 2022 nahm ihr Leben eine radikale Wende, seitdem ist es bergauf gegangen. Sie wurde Teil der Sportgruppe in Kaltern, entdeckte das Sprinten für sich, sorgte mit ihren Fortschritten in- und außerhalb der Transplant-Szene für Furore. „Erfolge bei den Wettbewerben sind ein Ziel, doch noch wichtiger ist unsere Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung“, betont die 19-Jährige. Deshalb wird sie nicht müde, Sensibilisierungsarbeit zur Organspende zu leisten. <BR />Gemäß aktuellen Daten der Vereinigung für Nierenkranke „Nierene“ sind derzeit etwa 300 Menschen in Südtirol auf eine Dialyse angewiesen, deren 60 stehen auf der Warteliste für eine lebensrettende Transplantation.<BR /><BR /><b>In Südtirol noch große Skepsis bei Organverfügung</b><BR /><BR /> Nach Aussage der Fachärzte handle es sich hierbei mittlerweile um risikoarme Routine-Eingriffe. Die Bereitschaft, seine Organe im Falle des Ablebens für eine Transplantation zur Verfügung zu stellen, darf man als zurückhaltend bzw. skeptisch bezeichnen. Das zeigt eine neue Studie der Freien Universität Bozen, bei der sämtliche Datensätze zur Organverfügung von 5.000 Gemeinden ausgewertet wurden, wobei Südtirol mit einer hohen ablehnenden Quote hervorstach. Die Gründe hierfür sind wohl vielschichtig.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1309122_image" /></div> <BR /><BR />Wer, so wie Anna Negri vor vier Jahren, ein Spenderorgan bekommt, ist dafür ein Leben lang dankbar. Erst kürzlich habe sie bei einer Routinekontrolle in Padua einem verzweifelten Mädchen, das sie an ihre eigene Lage als 14-Jährige erinnerte, ermutigende und motivierende Worte zugesprochen. Die bevorstehenden Europameisterschaften muss Anna Negri ausfallen lassen, die Matura geht vor. Aber im kommenden Jahr will sie in Belgien bei der WM wieder für Furore sorgen.<BR /><BR /><BR /><b>3 Fragen an Mirco Tonin, Professor an der Fakultät für Wirtschaft an der Freien Universität Bozen</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1309125_image" /></div> <BR /><b>Herr Tonin, welche Ergebnisse hat eure Studie über die Organverfügung zutage gefördert?</b><BR />Mirco Tonin: Wir haben die Datensätze von 5.000 Gemeinden in Italien zur Organverfügung untersucht, dh. wie sich die Leute bei der Erneuerung der Identitätskarte dazu aussprechen. Etwa 45 Prozent wollen sich gar nicht erklären, 40 Prozent entscheiden sich für ein Ja, die restlichen 15 Prozent sagen Nein. <BR /><BR /><b>Wie ist die Lage in Bozen?</b><BR />Tonin: Gemäß den Daten des Bozner Meldeamtes verweigern 34 Prozent der Befragten die Zustimmung zur Entnahme von Organen, in der Nachbarprovinz Trient liegt dieser Anteil bei 21 Prozent. Es zeigt sich hier also eine große Skepsis. <BR /><BR /><b>Wie beurteilen Sie diese niedrige Zustimmung?</b><BR />Tonin: Es hat sich gezeigt, dass sich viele Personen mit dieser doch sensiblen Frage überrumpelt fühlen. Es wäre gut, wenn man alle notwendigen Infos dazu in einem Formblatt bzw . einem pdf-Link bekommen würde und somit Zeit zum Nachdenken hätte.