Und sie sind sich sicher: Die aktuellsten Daten zum Phänomen weisen darauf hin, dass der „Codice Rosso“ Wirkung zeigt.<BR /><BR />Allein seit Jahresbeginn rückten die Carabinieri in ganz Südtirol 235 Mal wegen Straftaten in Zusammenhang mit dem „Codice Rosso“, dem Gesetz gegen Gewalt an Frauen, aus. <BR /><BR />38 mutmaßliche Täter nahmen sie fest und beantragten mit Erfolg 65 Annäherungsverbote. Die Fälle betrafen verschiedene Straftaten, darunter häusliche und sexuelle Gewalt, Stalking, „Revenge Porn“ und Körperverletzung. <h3> Gezielte Ausbildung von Beamten </h3> Die hohen Zahlen ließen bei der gestrigen Pressekonferenz aufhorchen – doch seien sie auch ein positives Signal, betonte Maresciallo Alessia Paolini, seit Februar Kommandantin der Carabinieri-Station Karneid und „eine der besten Marescialli mit spezifischer Ausbildung, um mit Opfern von geschlechtsspezifischer Gewalt umzugehen – sie hat auch gezielt Kurse in Viktimologie (Opferforschung) besucht“, so Oberstleutnant Piermarco Borettaz, Kommandant der Einsatzabteilung.<BR /><BR />„Die Daten sind zwar hoch, aber konstant“, erklärte Paolini, „in den letzten Jahren rückte dieses Thema stärker in den Vordergrund, aber eben weil sich mehr Frauen trauen, darüber zu reden und zu rechtlichen Mitteln wie dem Codice Rosso zu greifen.“ <h3> Selbst in kleineren Gemeinden: Alle 2 Monate ein „Codice Rosso“ </h3>Allein in ihrer Station habe Maresciallo Paolini seit Dienstantritt – vor 6 Monaten – 3 Fälle von „Codice Rosso“ bearbeitet. Selbst in einem relativ kleinen Gebiet war es damit ein Fall alle 2 Monate. Bekanntlich ist es schwierig für die Opfer, Schritte gegen ihre Peiniger zu setzen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66416296_quote" /><BR /><BR /> Eine Anzeige werde zu „einer Beichte, die sich anfühlt, als würde man einräumen, dass man Fehler gemacht und falsche Entscheidungen getroffen hat“, versuchte Borettaz vor Augen zu führen, wie schwierig es sein kann, Anzeige zu erstatten. <BR /><BR />In jeder Carabinieri-Kompanie Südtirols gibt es – zumeist weibliche – Beamte mit einer spezifischen Ausbildung zu diesem Bereich. „Aber jeder einzelne Carabinieri-Beamte weiß, dass man solche Fälle ernst nehmen und mit größter Empathie behandeln muss“, unterstrich Paolini. <h3> Vater aus Kalabrien sucht in Bozen Hilfe für Tochter in Deutschland </h3>Selbst wenn der Kontakt nur telefonisch ist, haben die Südtiroler Carabinieri Einfühlungsvermögen und rasche Reaktionsfähigkeit bewiesen. „Kürzlich hat ein Mann aus Kalabrien bei uns angerufen – nachmittags“, erzählte Hauptmann Ferdinando Nasta, Kommandant der Fahndungsabteilung. <BR /><BR />„Er bat die Beamten in Bozen um Hilfe – seine Tochter, die in Deutschland mit ihrem Mann lebe, habe durch diesen Gewalt erlebt, berichtete der Mann. Wir haben die Zentrale für grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit aktiviert, dort sind Carabinieri, Polizisten und Finanzpolizisten tätig“, erklärte Nasta. <BR /><BR />Die dortigen zweisprachigen Beamten kontaktierten in der Folge die deutschen Kollegen, „die schon am Abend einen Annäherungsverbot gegen den Verdächtigen erwirkt hatten“, sagte der Hauptmann stolz. „Das beweist, dass es manchmal auch schon reicht, eine Meldung zu machen, um Schlimmeres zu verhindern.“