Der Immunologe Prof. Gänsbacher ist zwar geimpft, aber er ist trotzdem sehr vorsichtig – vor allem in folgenden Situationen. <BR /><BR /><BR /><i>Von Martin Lercher</i><BR /><BR /><BR /><b>1. Daheim</b><BR />Immer mehr Menschen sind zum Glück geimpft. Die größte Gefahrenquelle sind die nicht Geimpften, vor allem wenn sie unvorsichtig sind. Jeder muss selbst ehrlich sein, seine Kontakte im Auge behalten und sich testen lassen. Stundenlanges Zusammensitzen – etwa bei einem Besuch von einem nicht Geimpften – kann auch für Geimpfte zur Gefahr werden, weil sie kurzzeitig zum Virenträger werden können, ohne es zu merken. Die größte Gefahr im privaten Bereich sehe ich derzeit im Freundeskreis, vor allem weil wir darauf vertrauen, dass sie sich so vorsichtig verhalten wie wir. Das ist aber nicht immer der Fall.<BR /><BR /><b><BR />2. Begegnungen auf der Straße</b><BR />Das Risiko, dass wir uns im Vorbeigehen anstecken, ist sehr gering, das ist fast unmöglich. Aber auch in der Medizin gilt: Sag niemals nie! Es könnte tatsächlich passieren, dass ein Mensch mit einer extrem hohen Virenbelastung und ohne Maske vorbeigeht, vielleicht der Wind gerade ungünstig ist und wir eine Ladung Viren abbekommen. Es ist aber extrem unwahrscheinlich. Wenn man hingegen stehen bleibt und mit Jemanden eine halbe Stunde spricht, der die Maske unter der Nase trägt, dann schaut es anders aus. Daher trage ich auf der Straße konsequent die Maske.<BR /><BR /><embed id="dtext86-48735865_quote" /><BR /><BR /><b><BR />3. Gespräche im Freien</b><BR />Die Regel lautet 2 Meter Abstand, ich setze auf 3 Meter. Und das mit Maske. Auch mit diesem Abstand sind Gespräche sehr gut möglich, aber die Sicherheit vor einer Ansteckung ist um vieles höher. Ohne Maske und ausreichenden Abstand besteht ein gewisses Risiko. Dazu kann schon ein ganz normales Gespräch von 10 bis 20 Minuten genügen. Das hängt einerseits von der Viruslast ab, die ein Mensch hat – ob er 100.000 Partikel oder 800 Millionen Partikel in die Luft ausstößt; zum anderen ist es der Zeitfaktor, der über das Risiko entscheidet – ob wir also 2 Minuten oder 20 Minuten miteinander reden.<BR /><BR /><b><BR />4. Beim Einkauf</b><BR />Wir lernen auch beim Virus jeden Tag dazu. Vor einem Jahr, am Beginn der Pandemie, wurde das Risiko einer Schmierinfektion hoch eingeschätzt – also die Übertragung von Viren durch Berührung. Inzwischen wissen wir, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass wir uns zum Beispiel über eine Orange anstecken, die ein Infizierter vor uns berührt hat. Nur eine von 10.000 Infektionen finden über Berührung statt. Wohlgemerkt: dies gilt nur, wenn die AHA-Regel beachtet wird, zu der die Handhygiene zählt. Schmierinfektionen wären viel häufiger, wenn die Gesellschaft sich nicht an die AHA Regeln halten würde. <BR /><BR /><b><BR />5. In Innenräumen</b><BR />Hier finden die meisten Infektionen statt. Inzwischen wissen wir ja, dass sich Aerosole über Stunden oder sogar Tage in einem Innenraum halten können. Und so lange bleibt auch das Risiko einer Ansteckung bestehen. Das können wir uns am besten vorstellen, wenn wir an Raucher denken: Wenn 10 Leute 5 Stunden lang in einem Raum sind und unter ihnen 2 Raucher, wird der Geruch und der Rauch von Zigaretten noch lange darin anhalten. Wie in diesem Fall ist auch hier regelmäßiges Lüften ein sehr gutes Mittel, um das Ansteckungsrisiko deutlich zu senken. <BR /><BR /><b><BR />6. In Gasthaus, Bar oder Restaurant</b><BR />Hier spielen mehrere Faktoren mit, die das Risiko erhöhen oder mindern können. Eine wichtige Rolle spielen die Faktoren Zeit, Abstand und Luftbewegung: Wie lange halten wir uns dort auf? Je länger, desto gefährlicher. Ein belastender Faktor ist, dass wir beim Essen und Trinken die Maske herunternehmen. Das erhöht das Risiko. Schließlich spielt die Inzidenz eine wichtige Rolle. In einem Umfeld mit 600 Infektionen am Tag ist die Wahrscheinlichkeit sicher weitaus höher als bei – zum Beispiel – 50 Infektionen am Tag. <BR /><BR /><BR /><b>7. Auto, Bus und Zug</b><BR />Hier gilt das, was auch bei Innenräumen zu beachten ist. Studien zeigen allerdings, dass zum Beispiel in einem Flugzeug bestimmte Sitzreihen von Ansteckung betroffen sind, andere dagegen nicht. Hier spielen die Luftströmungen eine große Rolle. Wenn ich jetzt zum Beispiel mit dem Zug nach München fahren muss, werde ich mir einen Platz mit wenigen Leuten in der Nähe suchen und konsequent vom Einsteigen bis zum Aussteigen eine FFP2-Maske tragen. Da fühle ich mich zwar nicht wohl, aber relativ sicher. <BR /><BR /><b><BR />8. Kino, Theater und Konzert</b><BR />Bei niedrigen Inzidenzzahlen ist die Öffnung durchaus möglich, allerdings ist voller Schutz mit Maske notwendig. Ganz wichtig sind in diesem Zusammenhang die Schnelltests. Sie sind – wie bekannt ist – nicht so genau, aber ihre Stärke liegt in der Wiederholung. Kürzlich hat mich ein Musikant gefragt, wie das zum Beispiel für eine Probe mit der Musikkapelle am besten wäre. Meine Empfehlung: 3 Tage vor der Probe einen Test, am Tag der Probe, und einer am Tag nachher. Warum das? Ich kann in der Früh noch negativ sein, weil ich zwar Viren in mir trage, aber in so geringer Menge, dass der Test nicht anschlägt. Schon am Abend kann ich aber infektiös sein, weil die Virenlast enorm angestiegen ist. Dagegen hilft eine einfache Strategie beim Testen: Wenn ich zum Beispiel am Mittwoch ins Kino will, am Montag ein Test, dann am Mittwoch im Kino selbst. So schütze ich andere sehr verlässlich. <BR /><BR /><BR /><b>Die Prognose des Professors:</b><BR />Die größte Kraft gegen das Virus sind die Impfungen. Je mehr Menschen den Impfschutz haben, desto unproblematischer wird es. Wir werden im Herbst wieder fast ein normales Leben haben – natürlich nur unter der Voraussetzung, dass sich viele impfen lassen. Wenn es Gruppen gibt, die das ablehnen und nicht geimpft sind, werden sie zur Gefahrenquelle. Ich habe gute Gründe für diese Prognose für den Herbst. Wir haben ja gesehen, dass Israel mit einer hohen Durchimpfungsrate am 15. April 2021 sogar die Maskenpflicht im Freien aufheben konnte und die Wirtschaft voll durcharbeitet.<BR /><BR />