Montag, 09. Oktober 2017

Anteilnahme an Adans Tod

Der Tod des 13-jährigen Adan, der mit seiner Familie aus Kirkuk im Irak geflüchtet war, hat auch am Montag Bestürzung ausgelöst.

Der 13-Jährige war an Muskeldystrophie erkrankt, litt an Atemnot und saß im Rollstuhl.
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Der 13-Jährige war an Muskeldystrophie erkrankt, litt an Atemnot und saß im Rollstuhl.

Der 13-jährige Adan, der mit seiner Familie aus Kirkuk im Irak geflüchtet war, starb in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Bozner Krankenhaus. Die Familie war erst in der vergangenen Woche in Bozen angekommen. Zuvor lebte sie in Schweden, wo ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Der 13-Jährige war an Muskeldystrophie erkrankt, litt an Atemnot und saß im Rollstuhl. Eine Autopsie soll die Todesursache klären (STOL hat berichtet).

Kompatscher und Stocker tief betroffen

Am Montagvormittag zeigten sich Landeshauptmann Arno Kompatscher und Gesundheits- und Soziallandesrätin Martha Stocker tief betroffen von dem Tod des kurdischen Kindes, sprachen von einer menschlichen Tragödie und drückten den Familienangehörigen ihr Mitgefühl aus.

Grüne stellen Fragen nach Fakten und Verantwortung

Die Grünen Landtagsabgeordneten haben indes eine Landtagsanfrage gestellt: Riccardo Dello Sbarba, Brigitte Foppa und Hans Heiss wollen wissen, warum Adans Familie nicht in einer öffentlichen Einrichtung aufgenommen worden war.

Sanitätsbetrieb: Todesursache muss noch weiter untersucht werden

Am Montagnachmittag erklärte der Gesundheitsbezirk Bozen im Südtiroler Sanitätsbetrieb, dass der 13-Jährige am 2. Oktober zur Untersuchung ins Krankenhauses Bozen eingeliefert worden war. Nach verschiedenen Untersuchungen und Abklärungen des gesundheitlichen Zustandes und Ansetzung der Therapie, wurde der Bub am 4. Oktober wieder entlassen.

Angesichts der besonderen Situation des Unbehagens der Familie, wurde vor der Entlassung, so der Sanitätsbetrieb, die Freiwilligenorganisation S.O.S. Bozen involviert, die sich bereit erklärt habe, die Familie sozial zu unterstützen. Sie holte die Familie direkt im Krankenhaus ab und sorgte für Unterkunft und Verpflegung.

Am 6. Oktober suchte der Bub wieder die Erste Hilfe auf und zwar nach einem Sturz, der eine Operation erforderlich machte. In der ersten Phase war der postoperative Verlauf regelmäßig und später kam es zu einer Verschlechterung, die den Tod verursachte. Dessen Ursachen müssten noch weiter untersucht werden müssen, so der Sanitätsdirektor des Gesundheitsbezirkes Bozen Roland Döcker, der der Familie sein Beileid ausdrückte.

KVW: „Gesetze können auch unmenschlich sein“

Auch der KVW-Landesvorsitzende Werner Steiner zeigte sich betroffen vom Tod des jungen Adan und dem Schicksal seiner Eltern und Brüder. „Dieser Fall zeigt uns, dass Bestimmungen und Gesetze auch unmenschlich sein können“, meinte Steiner.

Humanität müsse stets Vorrang haben. Dies gelte vor allem dann, wenn Familien, Minderjährige, Menschen mit Beeinträchtigung oder Kranke betroffen seien. Die Schuldzuweisungen und Vorwürfe von Unterlassungen würden nichts bringen, man müsse aus diesem traurigen Fall lernen und für die Zukunft in der Flüchtlingsaufnahme der Menschlichkeit mehr Gewicht geben.

stol

Lesen Sie in der Dienstagausgabe des Tagblatt „Dolomiten“ ein Interview mit Adans Vater.

stol