Die Initiative stößt auf heftige Kritik und beschäftigt jetzt auch den Vatikan. <BR /><BR />Laura Amoretti, Gleichstellungsbeauftragte der Region Ligurien, schrieb in einem offenen Brief an Papst Leo XIV, dass solche Aktionen in einem pluralistischen und säkularen Staat schnell zu einem öffentlichen Urteil über Frauen und deren Selbstbestimmung führen könnten. „Ich hoffe, dass auch bei ethisch sensiblen Themen Sprache und Initiativen überwiegen, die sowohl den Respekt vor religiösen Überzeugungen als auch den Schutz der Rechte, der Würde und der Freiheit von Frauen miteinander verbinden, und dass Handlungen vermieden werden, die alte Wunden wieder aufreißen und soziale Konflikte verschärfen könnten“, so Amoretti in ihrem Schreiben.<BR /><BR />Ähnliche Kritik äußerten Politikerinnen des Partito Democratico sowie rund 40 Frauen von Gemeinden der ligurischen Riviera in einem offenen Schreiben: Sie sehen die Glocke als symbolischen Angriff auf Frauen, der Schuldgefühle und Stigmatisierung fördere. <h3> Weiterer Angriff auf Frauen</h3>„Was wir hier erleben, ist ein weiterer Angriff auf Frauen, mit der alten Strategie der Schuldzuweisung, der Desinformation und der sozialen Stigmatisierung. Als ob Abtreibung eine öffentliche Schuld wäre und nicht ein privater Schmerz, eine schwere Entscheidung, oft gezwungen durch schwierige Umstände, in voller Bewusstheit und Selbstbestimmung der Frauen. Wir hätten von der Kurie in Sanremo tägliche Glockenschläge erwartet, um an die vielen unschuldigen Kinder und Mädchen zu erinnern, die Opfer und Märtyrerinnen der Gewalt in den Kriegen der Welt sind - in allen Kriegen der Welt“, hieß es im Schreiben der 40 Frauen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1257558_image" /></div> <BR />Gegen die Läutaktionen des Bischofs wurde für heute eine Demonstration in Sanremo angekündigt. Organisiert wird sie vom Studentenkollektiv „Papavero Rosso“ mit Unterstützung mehrerer Vereine aus der Provinz Imperia und Savona. Das Motto der Aktion lautet: „Welcher Staat? Welcher Gott? Über meinen Körper entscheide ich.“<BR /><BR />Die Kontroverse bringt erneut die Spannungen zwischen Abtreibungsgegnern und -befürworter in Italien ans Licht. Die Päpstliche Akademie für das Leben hatte 2020 Italiens Entscheidung kritisiert, die Abtreibungspille auch ohne stationären Krankenhausaufenthalt zuzulassen. Ein solcher Schritt verlagere den Schwangerschaftsabbruch noch weiter aus dem Gefüge sozialer Beziehungen und der Sphäre gemeinsamer Verantwortung ins Private, hatte der Vatikan betont. <h3> Abtreibung in Italien erlaubt</h3>Ein Gesetz aus dem Jahr 1978 erlaubt in Italien die Abtreibung in den ersten 90 Tagen der Schwangerschaft. Der Zugang zu Abtreibungen ist im Land oft schwierig, weil zahlreiche katholische Ärzte in den Krankenhäusern diesen Eingriff ablehnen. In vielen Regionen sind es 80 bis 90 Prozent der Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche verweigern. <BR /><BR />Italiens Premierministerin Giorgia Meloni wiederholte zuletzt, dass sie das Abtreibungsgesetz zwar nicht ändern werde, aber klar machen wolle, dass es „Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch“ gebe. Ihre Partei Fratelli d´Italia setzt sich aktiv gegen Abtreibung ein.