Der Grund: Bereits seit 20 Jahren läuft ausgehend vom Krankenhaus Bozen ein Projekt zum verantwortungsbewussten Einsatz dieser so wichtigen, weil lebensrettenden Medikamente. Doch ausruhen, so mahnt Dr. Leonardo Pagani, dürfe man sich auf den Lorbeeren nicht. <BR /><BR />Bei einer bakteriellen Infektion muss das erste verabreichte Antibiotikum sitzen. Das ist das erklärte Ziel von Dr. Pagani, Antibiotika-Experte am Krankenhaus Bozen, und seinem Team. Damit das funktionieren kann, wird in Südtirols Krankenhäusern bei jedem Patienten vor der Verabreichung eines Antibiotikums eine individuelle Analyse gemacht, um bereits bestehende Resistenzen zu erkennen. Diese Antibiotika können dann von vornherein für die Behandlung ausgeschlossen werden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62295948_quote" /><BR /><BR />Darüber hinaus ist aber auch eine genaue Kenntnis, welches Antibiotikum wo tatsächlich wirkt, wichtig, Und noch etwas muss beachtet werden, sagt Dr. Pagani: „Das Alter des Patienten ist ebenfalls wichtig. Denn bei älteren Patienten ist häufig die Nierenfunktion bereits eingeschränkt. Damit wird ein Wirkstoff weniger schnell abgebaut – und die Gefahr einer Überdosierung steigt. Die Dosis, die für einen 40-Jährigen mit voll arbeitender Niere richtig ist, ist für einen älteren Menschen oft viel zu hoch“, so der Experte. Eine reduzierte Dosis schützt die Gesundheit des Patienten, reduziert die Kosten und den Antibiotika-Verbrauch.<h3> „Umgang ist immer noch nicht so, wie er sein sollte“</h3>„Wir wollen dafür auch die Weiterbildung der Hausärzte in diesem Bereich forcieren“, sagt Dr. Pagani. Denn leider ist der Umgang mit den für die Weltgesundheit so wichtigen Medikamenten noch immer nicht stets so, wie er sein sollte. Zu schnell und zu oft, weiß Dr. Pagani, würden noch immer Antibiotika verabreicht, wo es gar keinen Sinn mache, oder eines verschrieben ohne individuelle Analyse und mit der falschen Dosierung. <BR /><BR />Häufigstes Beispiel für einen falschen Einsatz von Antibiotika: Grippen und Erkältungen. „Gerade wenn es um Kinder geht, beharren Eltern gerne auf einem Antibiotikum. Doch gegen eine virale Erkrankung helfen diese nicht. Sie geben aber das ,gute Gefühl‘, ein potentes Medikament zu bekommen.“<h3> „Werte absolut vorbildlich“</h3>Alles in allem kann man aber in Südtirol mit der Verschreibung von Antibiotika zufrieden sein. Denn Südtirol ist stolzes Schlusslicht in Italien, mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Verbrauch. Und den wenigsten resistenten Keimen. 2 Parameter, die Hand in Hand gehen. „Unsere Werte sind vergleichbar mit denen skandinavischer Länder – und die sind absolut vorbildlich“, freut sich Dr. Pagani. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="966673_image" /></div> <BR /><BR />Dennoch mahnt er – gerade angesichts der „internationalen Antibiotika-Woche“ – zu noch verantwortungsbewussterem Umgang mit diesen wertvollen Medikamenten. Denn: „Die WHO prognostiziert, dass im Jahr 2050 mit 10 Millionen Todesfällen aufgrund von Antibiotikaresistenzen zu rechnen ist.“<BR /><BR />Und eine solche Entwicklung würde „jegliche Transplantation oder auch andere chirurgische Eingriffe bei immungeschwächten Patienten unmöglich machen“, warnt Dr. Pagani. Die WHO-Prognose, so weiß Dr. Pagani, beruht auf einer Studie noch vor Corona. „Die Situation hat sich mit der Pandemie weltweit jedoch drastisch verschlechtert, zu oft wurden auch bei der Corona-Therapie sinnloserweise Antibiotika verabreicht – weltweit.“