Montag, 18. Mai 2020

Antikörper auf der Wartebank

Studien belegen: Die Behandlung von Corona-Patienten mit Blutplasma von Genesenen zeigt gute Wirkung. Obwohl man in Südtirol bereits über eine entsprechende Plasmabank verfügt, kam und kommt die Therapie bislang nicht zum Einsatz. „Wir haben sie bislang nicht gebraucht “, sagt Dr. Patrick Franzoni von der Covid-19-Task Force.

Bozen wäre bereit für die Behandlung von Patienten mit dem Blutplasma Genesener. Angewandt wird die Therapie bislang nicht.
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Bozen wäre bereit für die Behandlung von Patienten mit dem Blutplasma Genesener. Angewandt wird die Therapie bislang nicht. - Foto: © shutterstock
„Blutplasma-Therapie wird von den Medien immer als so einfach verkauft. Aber so einfach geht das nicht“, sagt Dr. Patrick Franzoni. Als Mitglied der Covid-19-Task Force ist er u.a. auch für diesen Bereich zuständig. Bei dieser Therapieform wird mit dem Coronavirus Infizierten Blutplasma von inzwischen Geheilten injiziert.

Die Antikörper, die im Blutplasma sind, tragen medizinischen Studien zufolge nachweislich zur Genesung bei. „Eine Patientin, die in Innsbruck an die Lungenmaschine angehängt werden musste, hat mehrere solcher Transfusionen bekommen und ist inzwischen geheilt“, weiß Dr. Marc Kaufmann, Primar der Notfallmedizin und Leiter der Covid-19-Taskforce.

Mehrere Schwierigkeiten

Die Schwierigkeiten bei einer Therapie mit Blutplasma sind aber gleich mehrere, erklärt Immunologe Prof. Bernd Gänsbacher. So seien von 150 serologischen Tests, die derzeit weltweit am Markt sind, nur deren 5 akkreditiert. „Und wird ein Geheilter positiv getestet, heißt das noch lange nicht automatisch, dass er Antikörper gebildet hat“, so Gänsbacher. Das müsste dann erst in einem Hochsicherheitslabor getestet werden.

Erst dort komme man drauf, ob Antikörper da sind. Und selbst wenn Antikörper nachgewiesen werden, sei noch nicht gesagt, dass es für eine Blutplasma-Therapie ausreicht. „Entscheidend ist nämlich auch die Anzahl der Antikörper“, erklärt Prof. Gänsbacher. „Dass Plasmatherapie auch bei uns durchgeführt wird, macht natürlich Sinn.“

Die strengen gesetzlichen Auflagen und Genehmigungen dafür erfüllt bzw. hat das Transfusionszentrum am Bozner Krankenhaus bereits. „Wir haben seit Ende März an dieser Möglichkeit gearbeitet“, sagt Dr. Franzoni. Auch eine entsprechende Plasmabank wurde bereits angelegt. Laut epidemiologischen Daten, die dem Obersten Gesundheitsinstitut (ISS) zur Verfügung gestellt wurden, kämen in Südtirol 80 vom Coronavirus Geheilte als Spender in Frage.

Doch obwohl in Bozen alles bereit wäre für eine Plasmatherapie – beim Fehlen der passenden Blutgruppe könnte man auch auf andere Plasmabanken in Italien ausweichen –, ist sie bislang noch nicht zur Anwendung gekommen. Der Grund dafür: „Wir haben sie ganz einfach noch nicht gebraucht“, sagt Dr. Franzoni. Zudem sei es ja „keine Wundertherapie und käme auch nur bei Patienten zum Einsatz, die in Lebensgefahr schweben“. Wenn nötig, wäre man gerüstet. Aber das hofft in Bozen derzeit niemand.

em